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Hannah Arendt © Fred Stein Archive, Stanfordville, New York /DHM
Fred Stein Archive, Stanfordville, New York /DHM

Hannah Arendt – endlich verstehen - Sie lässt uns nicht los, warum, Monika Boll?

Die Stimme. Die Zigaretten. Das Leben als Verfolgte, Geflüchtete, intellektuelle Weltbürgerin. Aber vor allem diese Ausnahmepersönlichkeit: Wir reden über das Faszinosum Hannah Arendt mit der Frau, die sich gerade am intensivsten mit allen Facetten Arendts auseinander gesetzt hat: Monika Boll, Philosophin, Publizistin und Kuratorin der vielgepriesenen Hannah-Arendt-Ausstellung im Deutschen Historischen Museum (DHM) Berlin.

Literatur
Dorlis Blume, Monika Boll und Raphael Gross (Hrsg): Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert. Ausstellungskatalog. (2020) || Monika Boll: Der Verfall des Politischen bei Hannah Arendt (1997) || Monika Boll et al.: "Ich staune, dass sie in dieser Luft atmen können" Jüdische Intellektuelle in Deutschland nach 1945 || Monika Boll: Nachtprogramm: Intellektuelle Gründungsdebatten in der frühen Bundesrepublik (2004)

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Hannah Arendt © Fred Stein Archive, Stanfordville, New York /DHM
Fred Stein Archive, Stanfordville, New York /DHM

Hannah Arendt – endlich verstehen - Hat Hannah Arendt die Demokratie der Zukunft erfunden, Gesine Schwan?

Sie haben sich beide in ihre Dozenten verliebt. Sie sind beide seltene Exemplare von Frauen in der politischen Theorie. Und sie haben es beide gern konkret. Kein Wunder, dass Gesine Schwan, Professorin für politische Theorie und Leiterin der Grundwertekommission der SPD, Hannah Arendt interessant findet. Und auch in ihrer Vorstellung von Macht und Demokratie lässt sie sich von Arendt inspirieren: Gesine Schwans politische "Trialoge" sind “gelebte Hannah Arendt”, sagt sie. Wie kann demokratische Politik von morgen jenseits von Nationalstaat, Neoliberalismus und Politikverdrossenheit gehen?

Literatur
Hannah Arendt: Macht und Gewalt || Gesine Schwan/Susanne Gaschke: Allein ist nicht genug. Für eine neue Kultur der Gemeinsamkeit (2007) || Gesine Schwan: Vertrauen und Politik. Politische Theorie im Zeitalter der Globalisierung (2006) || Gesine Schwan: Politik und Schuld. Die zerstörerische Macht des Schweigens (1997)

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Hannah Arendt © Alfred_Bernheim/UPI/dpa
Alfred_Bernheim/UPI/dpa

Hannah Arendt – endlich verstehen - Wie banal ist das Böse heute, Werner Renz?

Das sogenannte Böse ist eigentlich ganz banal. Mit dieser These in ihrem Buch "Eichmann in Jerusalem" über den Holocaust-Organisator Adolf Eichmann brachte Hannah Arendt in den sechziger Jahren die halbe Welt gegen sich auf. Kein Wunder, rückte sie doch den Verbrecher, den man so gern dämonisiert, wieder in den Bereich des Menschlichen. Tina Heidborn spricht mit Werner Renz, dem ehemaligen Archivleiter des Fritz-Bauer-Instituts in Frankfurt am Main, über den Eichmann-Prozess, die Banalität des Bösen heute und ob man Schuld bestrafen kann.

Literatur
Hannah Arendt: Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen. || Bettina Stangneth: Eichmann vor Jerusalem. Das unbehelligte Leben eines Massenmörders. 2011. || Irmtrud Wojak: Eichmanns Memoiren. Ein kritischer Essay. || Hannah Arendt/Karl Jaspers: Briefwechsel 1926-1969 || Werner Renz: Auschwitz vor Gericht. Fritz Bauers Vermächtnis und seine Missachtung. 2018. || Werner Renz: Fritz Bauer und das Versagen der Justiz. Nazi-Prozesse und ihre "Tragödie". 2015. || Werner Renz: Interessen um Eichmann: israelische Justiz, deutsche Strafverfolgung und alte Kameradschaften. 2012.

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Hannah Arendt © AP Photo/dpa
AP Photo/dpa

Hannah Arendt – endlich verstehen - Sind Menschenrechte eine Illusion, Heiner Bielefeldt?

Je abstrakter das Recht, desto weniger kümmert uns die Einhaltung. Hannah Arendts Polemiken gegen die Menschenrechte wirken vor dem Hintergrund der NS-Zeit verständlich – aber auch extrem. Doch sie hat auch präzise die "Lebenslüge" der "Declaration of human rights" benannt, sagt der Philosoph Heiner Bielefeldt, langjähriger Leiter des Deutschen Instituts für Menschenrechte, im Gespräch mit Heide Oestreich. Und diese Lüge beschäftigt die Asylpolitik bis heute. Aber Arendt hat auch ein Menschenrecht neu erfunden, das heute – in einer Zeit der "fake news" und "alternative facts" - von immenser Bedeutung ist: Das Recht auf Wahrheit.

Literatur
Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft || Hannah Arendt: Wahrheit und Lüge in der Politik || Heiner Bielefeldt: Wiedergewinnung des Politischen. Eine Einführung in Hannah Arendts politisches Denken (1993) || Heiner Bielefeldt: Philosophie der Menschenrechte. Grundlage eines weltweiten Freiheitsethos (1998)

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Hannah Arendt © Fred Stein Archive, Stanfordville, New York /DHM
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Hannah Arendt – endlich verstehen - Was lernen wir von Hannah Arendt über Restitution, Chana Schütz?

Die NS-Zeit war auch ein gigantischer Raubzug: Die Nazis rafften alles zusammen, was jüdische Bürger nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten, darunter zahllose Kunstwerke und Kulturgüter. Hannah Arendt kam vier Jahre nach Kriegsende zum ersten Mal wieder nach Deutschland, und zwar als Geschäftsführerin der "Jewish Cultural Reconstruction" - und wäre man ihren Plänen zur Restitution gefolgt, dann wären die deutschen Museen heute nicht mehr voll mit Raubkunst, meint Chana Schütz im Gespräch mit Tina Heidborn. Die Kunsthistorikerin ist stellvertretende Leiterin der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum.

Literatur
Der Briefwechsel Hannah Arendt - Gershom Scholem. Herausgegeben von Marie Luise Knott. 2010. || Chana Schütz und Hermann Simon (Hrsg.): Auf der Suche nach einer verlorenen Sammlung. Das Berliner Jüdische Museum 1933-1938. 2011. || Chana Schütz: Max Liebermann. Impressionistischer Maler, Gründer der Berliner Secession. 2004.

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Hannah Arendt © Fred Stein Archive, Stanfordville, New York /DHM
Fred Stein Archive, Stanfordville, New York /DHM

Hannah Arendt – endlich verstehen - Was macht Hannah Arendt (fast) zur Feministin, Sabine Hark?

Hannah Arendt sei ihre "Hausphilosophin", sagt die feministische Soziologie-Professorin Sabine Hark, Leiterin des Zentrums für Frauen- und Geschlechterforschung an der TU Berlin. Aber warum? Klar, Hannah Arendt pflegte hingebungsvoll ihre Freundschaften mit Frauen. Aber mit Feminismus hatte sie nichts am Hut. Aber ihre politiktheoretischen Schriften sind eine fundamentale Kritik der Männlichkeit, sagt Sabine Hark. Wie passt das zusammen? will Heide Oestreich wissen.

Literatur
Hannah Arendt: Vita Activa || Sabine Hark/Paula Irene Villa: Unterscheiden und Herrschen. Ein Essay zu den ambivalenten Verflechtungen von Rassismus, Sexismus und Feminismus in der Gegenwart (2017) || Sabine Hark: Dissidente Partizipation. Eine Diskursgeschichte des Feminismus (2005) || Sabine Hark: Deviante Subjekte. Die paradoxe Politik der Identität (1999)

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Virtueller Rundgang

Politische Denkerin und Philosophin

Die jüdische deutsch-amerikanische Publizistin Hannah Arendt ist eine der wichtigsten politischen Denkerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre Artikel über den Eichmann-Prozess, die unter dem Titel "Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht über die Banalität des Bösen" erschienen, lösten heftige Kontroversen aus. Nach ihrer Flucht aus Deutschland äußerte sie sich immer wieder zu aktuellen Ereignissen wie etwa der Studentenbewegung, der ungarischen Revolution 1956 oder auch zur Situation im Nachkriegsdeutschland. Hannah Arendt bezog gerne und viel Stellung, so auch zu Flüchtlingen oder Rassismus.

Sie ist auch 44 Jahre nach ihrem Tod (im Dezember 1975) weiter aktuell und populär. Das legendäre Gespräch von Günter Gaus mit Hannah Arendt (von 1964) auf youtube ist rund eine Million mal abgerufen worden.

In Kooperation mit dem Deutschen Historischen Museum eröffnet rbbKultur Ihnen Einblicke in die Ausstellung "Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert". Mit unserer Bildergalerie können Sie einen virtuellen Rundgang durch das Haus Unter den Linden machen. Zu den einzelnen Stationen der Ausstellung bieten wir Ihnen Hörcollagen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten. In einem Audio gehen wir der Frage nach, warum Hannah Arendt keine Feministin war.

Hörcollagen aus der Ausstellung

Bibiana Beglau © Carsten Kampf
Carsten Kampf

Mit Bibiana Beglau, Monika Boll, Romanus Fuhrmann, Jaron Löwenberg
Regie: Barbara Meerkötter
Technik: Christine Schöniger
Produktion: rbbKultur, 2020

Buchtipp

Monika Boll, Dorlis Blume und Raphael Gross (Hrsg): Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert © Piper Verlag
Piper Verlag

Monika Boll, Dorlis Blume und Raphael Gross (Hrsg) - Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert

Piper Verlag, 2020
Seiten ISBN: 978-3492070355
Broschiert, 288 Seiten
22,00 Euro

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Wolfram Eilenberger: Feuer der Freiheit; Montage: rbbKultur
Klett-Cotta

Sachbuch - Wolfram Eilenberger: "Feuer der Freiheit"

Dass ein Philosoph dem Denken von Frauen ein ganzes Buch widmet, ist noch immer selten. Für den Berliner Autor Wolfram Eilenberger sind Hannah Arendt, Simone de Beauvoir, Ayn Rand und Simone Weil sogar "Prophetinnen": so wollte er sein neues Buch ursprünglich nennen. Dass es nun unter dem Titel "Feuer der Freiheit" erschienen ist, passt gut zu Eilenbergers Weltbestseller "Zeit der Zauberer" (2018) und markiert eine Fortsetzung.

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