Orte der Erinnerung (1/5) - Eine Boxlegende wird zerstört

Rukeli wurde er genannt, er war beliebt bei der großen Boxgemeinde Anfang der dreißiger Jahre in Deutschland. 1933 wurde er Meister im Mittelschwergewicht, aber da waren die Nazis schon an der Macht und nahmen ihm den Titel wieder weg.

Johann Trollmann – Gedenktafel und Boxcamp; © Ania Koslowski
Bild: Ania Koslowski

Trollmann hatte einen Nachteil: Er war Sinti. Und Sintis konnten nach der Rassenideologie der neuen Machthaber keine guten Boxer sein. Auch wenn sein Kampfstil, wie die Autorin Stephanie Barth schrieb, mit Mohammmed Ali zu vergleichen war. Man schikanierte ihn, man drängte ihn aus dem Boxring. 1942 kam er in das Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme, wo er von seinen Aufsehern immer wieder zum Boxkampf herausgefordert wurde. Als er einen Kapo k.o. schlug, brachte ihn dieser aus Wut um. Das war 1944.

Heute erinnert eine Gedenktafel in der Bergmannstraße in Kreuzberg an ihn. Und ein Sporthalle ist unweit davon nach ihm benannt. Sie ist die Heimat der "Boxing Girls", ein Verein, in dem jeder, unabhängig von Herkunft und Geschlecht, das Boxen erlernen kann. Auch hat er die Funktion eines Schutzraums für Minderheiten, den Johann Rukeli Trollmann nicht hatte.

Von Ania Kozlowska

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