Uta Ranke-Heinemann; © dpa/Sven Simon
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Kirchenkritikerin und Friedensaktivistin - Theologin Uta Ranke-Heinemann gestorben

Die Theologin, Kirchenkritikerin und Friedensaktivistin Uta Ranke-Heinemann ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Die Tochter des früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann habilitierte sich 1969 als weltweit erste Frau in katholischer Theologie und wurde ein Jahr später zur Professorin berufen. Ein Nachruf von Andrea Groß.

1987 entzog der damalige Ruhrbischof Franz Hengsbach der Essener Theologin die Lehrbefugnis, nachdem sie das Dogma von der Jungfrauengeburt Jesu angezweifelt hatte. In Büchern und Talkshows übte Ranke-Heinemann scharfe Kritik an der Kirche, insbesondere am Zölibat und der Sexualmoral.

Sie schonte die katholische Kirche nicht. Sie sah in ihr eine sexualfeindliche Institution, in der "alle Hirten Männer und alle Frauen Schafe sind". Das Kirchenrecht nannte sie "ein Kompendium maskuliner, hierarchischer Arroganz" und den Vatikan "ein frauenloses Terrarium".

Kandidatin für das Bundespräsidenten-Amt

Als Pazifistin und linke Ikone startete sie auch politische Initiativen. So traf sie 1972 in Nordvietnam mit dem kommunistischen Ministerpräsidenten Pham Van Dong zusammen. In
den 80er Jahren brachte sie sich aktiv bei der Friedensbewegung ein. Bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen war sie Spitzenkandidatin der Splitterpartei "Friedensliste". Die PDS schickte sie 1999 für die Bundespräsidenten-Wahl ins Rennen.

Ranke-Heinemann wurde am 2. Oktober 1927 in Essen geboren – in eine evangelische Familie und als älteste Tochter des späteren Bundespräsidenten Gustav Heinemann. "Mit Auszeichnung" machte sie ihr Abitur und studierte in Oxford, Bonn, Basel und Montpellier evangelische Theologie. 1953 konvertierte sie zum Katholizismus und studierte fortan in München katholische Theologie. Zu den Mitstudierenden gehörte Joseph Ratzinger, der später Papst Benedikt XVI. wurde. In dieser Lebensphase heiratete sie den katholischen Religionslehrer Edmund Ranke, mit dem sie zwei Söhne hat und der 2001 starb.

Nach ihrer Promotion 1954 war Ranke-Heinemann Dozentin am Erzbischöflichen Katechetinnenseminar in Bonn und ab 1965 an der Pädagogischen Hochschule in Neuss. 1980 wurde sie an die Universität Duisburg und 1985 an die Universität Essen berufen, wo sie Neues Testament und Alte Kirchengeschichte lehrte. Nach dem Entzug der katholischen Lehrerlaubnis vertrat sie an der Universität Duisburg-Essen bis zu ihrer Emeritierung 1990 das Fach Religionsgeschichte.