Haus des Rundfunks © Jens Kalaene/dpa
Bild: Jens Kalaene/dpa

Monument für ein neues Medium - 90 Jahre Haus des Rundfunks

Es war wie ein Paukenschlag in der noch jungen Geschichte des Rundfunks: am 22. Januar 1931 wurde das Haus des Rundfunks in der Masurenallee in Berlin-Charlottenburg feierlich eingeweiht. Nach nur 19 Monaten Bauzeit war ein Gebäude entstanden, das eigens für die Zwecke der Rundfunkübertragungen konzipiert war, nach München das zweite seiner Art und europaweit einzigartig – der Beginn einer neuen Ära.

Der mächtige Gebäudekomplex nach Entwurf des Architekten Hans Poelzig erhebt sich gegenüber des Messegeländes am Funkturm. Es wirkt bis heute wie ein Monument für das neue Medium. 16 Meter ragt das viergeschossige Gebäude in die Höhe, der Mitteltrakt an der Masurenallee geht sogar noch ein Geschoss darüber hinaus.

"Haus des Rundfunks" steht in goldenen Lettern über dem in die Front hineingezogenen Eingang. Die 155 Meter lange Außenfassade wirkt auf den ersten Blick abweisend: Sie ist streng gegliedert durch dunkel glasierte vertikale Klinkerbänder und dazwischenliegende Pfeiler, die mit violett schimmernden Keramikplatten verkleidet sind. Doch beim näheren Hinschauen verraten sie ein lebendiges Farbspiel. Für Hans-Dieter Nägelke, der Leiter des Architekturmuseums an der TU Berlin, wo die Pläne für das Haus aufbewahrt werden, war es Liebe auf den zweiten Blick: „Ich habe das nach einem Regen erlebt, wie die feuchten Steine im Licht wunderbar blau, grün und gelb geschillert haben.“ Im Umgang mit dem Material zeige sich auch Poelzigs Modernität.

Kontrast zwischen Außen und Innen

Der Architekt Hans Poelzig (1869-1936), der auch als Maler, Bühnenbildner und Filmarchitekt gearbeitet hatte, liebte das Spiel mit Kontrasten. Ganz bewusst inszenierte er den Übergang von außen nach innen. Man betritt das Haus über die in die Front eingezogene Treppe Eingangs wie durch eine Höhle. Dahinter öffnet sich ein Lichthof, der durch seine Farbigkeit und Höhe sowie die helle Glasdecke des Oberlichts beeindruckt. Von der Decke hängen große Lampen nach Entwurf von Marlene Moeschke-Poelzig. Die kühle Strenge und Ruhe des Raums wird nur durch eine im Erdgeschoss aufgestellte Bronzeplastik von Georg Kolbe belebt – eine Frauenfigur, die mit ihrer nach oben strebenden Geste wie eine Allegorie auf die Funktion des Gebäudes anmutet.

Beeindruckend ist auch die farbliche Gestaltung des Lichthofs: die offenen Galerien der Stockwerke ruhen auf schlanken Stahlstützen, die mit schwarz glänzenden Keramikriemchen verkleidet sind. Um die einzelnen Etagen ziehen sich Gitterbrüstungen aus gelber Keramik, sonnengelb leuchten die Wände dahinter. Die seitlichen Treppen, die von der Halle in das erste Obergeschoss führen, sind mit rotem Linoleum ausgelegt. Die Farben Schwarz-Rot-Gold standen für die neue Zeit. Sie sind ein Bekenntnis zum republikanischen Deutschland und dem freien Rundfunk, den es schon wenige Jahre später nicht mehr gab.

Herausforderung des Konzepts

Die Bauaufgabe war in den 1920er Jahren so neu wie die Nutzung der Funkwellen zur Radioübertragung. Bedingt durch die Grundstücksform besitzt der Komplex die Gestalt eines gleichschenkligen Dreiecks. Die Seitenflügel schwingen in einem Bogen nach hinten und treffen sich in der Spitze, die der Achse des Eingangs direkt gegenüberliegt. Ins Zentrum des Dreiecks verlegte Hans Poelzig die Aufnahmesäle, die sich hinter dem Lichthof auffächern. Der Große Sendesaal ist das Herzstück des Gebäudes. Er bietet Aufnahmemöglichkeiten für große Orchester und dient zugleich für Konzerte und Veranstaltungen. Zum Zeitpunkt der Eröffnung 1931 war er noch im Rohbau. Gemeinsam mit dem Akustiker Johannes Biehle feilte Poelzig noch an den Finessen des damals größten Rundfunksendesaals. An beiden Seiten, durch Gänge von dem großen Saal getrennt, liegen der Kleine Sendesaal und der Hörspielkomplex. Alle drei Aufnahmesäle sind durch ein jeweils eigenes Fundament von dem übrigen Gebäude abgekoppelt, um Schwingungsübertragungen zu vermeiden. Die Bürotrakte, die sich an den Außenseiten um das Zentrum ziehen, schirmen die Aufnahmeräume zusätzlich akustisch ab.

Monument des technischen Fortschritts

Das Berliner Funkhaus ist nach München das zweite Gebäude überhaupt, das eigens für den Rundfunk errichtet wurde. Zeitgenössische Kritiker würdigten es als Monument des technischen Fortschritts und den Rundfunk als "Organ der breiten Masse, denen er Bereicherung ihres Daseins bedeutet". Der Rundfunkpionier Alfred Braun, Reporter und Hörspielregisseur, verglich das Haus des Rundfunks mit einem Schiff. Von der Galerie im ersten Obergeschoss rief er dem Rundfunkkommissar Hans Bredow bei der Eröffnung am 22. Januar 1931 zu: "Das Schiff ist klar zur Fahrt, geben Sie den Befehl zum Start."

Nur zwei Jahre nach der Einweihung des Funkhauses, nutzten die Nationalsozialisten die Chancen des neuen Mediums als politisches Machtinstrument. Im Frühjahr 1933 ging an der Masurenallee die Hakenkreuzfahne hoch.

Sigrid Hoff, rbbKultur

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Haus des Rundfunks © Jens Kalaene/dpa
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90 Jahre Haus des Rundfunks - Einladung zum künstlerischen Wettbewerb

Im Januar 1931 wurde das Haus des Rundfunks in der Masurenallee in Berlin-Charlottenburg feierlich eingeweiht. Nach nur 19 Monaten Bauzeit war ein Gebäude entstanden, das eigens für die Zwecke der Rundfunkübertragungen konzipiert war, nach München das zweite seiner Art und europaweit einzigartig – der Beginn einer neuen Ära. Der 90. Geburtstag unseres Funkhauses ist Anlass für rbbKultur, regionale Künstler*innen und Kulturschaffende einzuladen, sich bis zum 31. März 2021 für ein Kunstprojekt im Haus des Rundfunks zu bewerben.