Geschmackssache - Gut für Körper und Seele: Brühe und Suppe

Jede Großmutter weiß: Brühe wärmt, heilt und stärkt. Generationen von Kindern mussten deswegen, meist wider Willen, fettäugige Suppen löffeln. Nun scheint es tatsächlich bewiesen, dass eine reichhaltige Hühnersuppe gegen Erkältung besser hilft, als jegliches Medikament. Ganz abgesehen davon, dass sie gut schmeckt.

Der Monat Februar bringt meist das schmuddeligste Wetter des ganzen Jahres mit sich. Viele sind dabei, die dritte oder vierte Erkältung der Saison zu kurieren; Einige mixen sich dabei Cocktails aus teuren alternativen Medikamenten, in der Hoffnung, dass sich wenigstens der Placebo-Effekt spüren lässt.

An solchen Tagen, an denen nichts richtig schmeckt und man am liebsten nur trinken würde, hilft nur eins: die Brühe. Ob aus Fleisch, Fisch oder vegetarisch: Die Brühe spendet Trost und Heilung, stärkt und wärmt seit Urzeiten alle seelisch oder körperlich Ramponierten: ob arme Poeten, frierende Obdachlose oder geschwächte Wöchnerinnen. Sind Suppen besonders geeignet, den Menschen aus schwierigen Lebenssituationen zu helfen, wie die Schauspielerin Marianne Sägebrecht in ihrem Kochbuch "Meine Überlebenssuppen" beteuert, so ist die Brühe, insbesondere die Hühnerbrühe, der weltweit anerkannte Rekonvaleszenz-Trunk schlechthin. Wie eine Art Muttermilchersatz für angeschlagene Erwachsene ist sie das ideale Gericht für all diejenigen, die immer etwas lädiert den Winter überstehen, zumal akkreditierte Studien ihre längst angenommene gesundheitsfördernde Wirkung bestätigen. Diese soll am Eiweißstoff Cystein liegen und setzt voraus, dass zur Suppe auch Hühnerfleisch gehört.

Ob aus Fleisch, Fisch oder vegetarisch: Die Brühe spendet Trost und Heilung, stärkt und wärmt seit Urzeiten alle seelisch oder körperlich Ramponierten.

  

Kein Sonntag ohne Brühe

Der sog. 'Brodo di sostanza', der stundenlang köchelnde und sehr konzentrierte Sud aus Rind und Hühnerfleisch, gehört zu den Hausmitteln, an die ganze Generationen von Großmüttern unerbittlich geglaubt haben. Im Kochbuch von Pellegrino Artusi von 1891, dem Klassiker unter den italienischen Kochbüchern, steht sogar ein Extra-Rezept für eine Brühe für Kranke: "Brodo per gli ammalati".

Da der 'Artusi' die Bibel meiner Mutter war, musste auch ich als Kind Brühe trinken, wenn ich krank war. Später, in meiner Jugend, war die Brühe ein Trauma, das sich jeden Sonntag wiederholte. Meine Mutter drängte mich, aufzustehen, weil es bald Mittagessen geben würde. Ich schleppte mich in die Küche, in der Hoffnung, warmen Kaffee und den entsprechenden Duft zu finden. Von wegen: Überall roch es nach Brühe, der schwere Dampf hatte Fliesen und Fensterscheiben beschlagen. Auf dem Herd blubberte ein großer Topf; Aus dem leicht gekippten Deckel lugten zwei gespreizte Hühnerfüsse ... Ich fand Anblick und Duft äußerst unappetitlich. Schläfrig, schlecht gelaunt und ohne jeglichen Hunger saßen kurz danach mein Bruder und ich am Tisch und stocherten auf dem Teller mit der Gabel herum, um die Tortellini aufzufischen. Die Brühe ließen wir stehen, unter dem bösen Blick der Eltern.

Schnelle Brühe für jeden Tag

Im Nachhinein gedacht, war es wirklich schade um die gute Brühe. Heute wäre ich mehr als dankbar, wenn jemand am Sonntag so etwas für mich zubereiten würde, während ich noch schlafe.

Wir neigen eher dazu, leichtere Varianten zu kochen, die sich schneller zubereiten lassen. Das bedeutet, ohne Suppenhuhn und ohne Rindfleisch, mit einer Bio-Poularde, damit die Garzeit kürzer ist, dazu extra viel Gemüse: Sellerie, Karotten, Schalotten, Kartoffeln, Petersilie, Ingwer, ein paar Pfefferkörner, ein paar getrocknete Steinpilze, Zitronenschale und eine gut ausgewaschene Bio-Parmesankäse-Kruste – die übrigens wunderbar schmeckt, wenn sie noch heiß ist. Ein Stück Kürbis passt auch gut dazu.

Nimmt man nur Hühnerfleisch, dann dauert das Kochen nicht so lange. Das Ergebnis ist jedenfalls eine leichtere Suppe als die, die früher gekocht wurden. Wenn am Ende trotzdem Fettaugen auf der Brühe sind, reichen ein paar Spritzer Zitronensaft, und sie lösen sich auf.

Elisabetta Gaddoni, kulturradio  

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