Außenansicht Restaurant "Hüttendomizil"
Bild: hd-huettendomizil.de

Restaurantkritik - Hüttendomizil

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Die rustikale Machart des Wiener Schnitzel ist bezeichnend für das Programm des Refugiums mit dem etwas verunglückten Namen, in dessen Innern, ein Tiefparterre, der Sensible sich fühlen kann, als seien die eigenen Kleider plötzlich auch aus Holz.

Es ist schwer zu ergründen, was am Kartoffelsalat steirisch sein soll. Kürbiskernöl als Signal fehlt, was dagegen reichlich Verwendung fand, sind Speck und vor allem Zucker, der diese Beilage zum Kalbsschnitzel (18,90 Euro) dem Hügel aus eingekochten Preiselbeeren thematisch annähert. Die gehören in Berlin – nicht in Wien – unbedingt zum Wiener Schnitzel (vermutlich wurde die Sitte sogar hier eingeführt), das gerne auch einmal vom Schwein stammen darf. Die rustikale Machart ist bezeichnend für das Programm des Refugiums mit dem etwas verunglückten Namen, in dessen Innern, ein Tiefparterre, der Sensible sich fühlen kann, als seien die eigenen Kleider plötzlich auch aus Holz.

Eine kleine Ode an die sparsame Hausfrau

Die süß-saure Tunke, die ausreichend zu erwärmen die Küche sich gar nicht erst die Mühe gemacht hat (immerhin knallt die Sonne), könnte nämlich auch von einem Gemüse stammen, das erst noch gezüchtet werden muss. Die Spargel wiederum mit akkurat geschälten Kartoffeln wirken häuslich und wie eine kleine Ode an die sparsame Hausfrau. Das gilt auch für die sehr gelungenen Senfeier mit Kartoffelpüree (8,50 Euro).

Tourist in der Heimatstadt

Tatsächlich erlaubt die Pracht des Ortes mit Blick auf das imposante Portal zum Bürgerpark, sich als Tourist zu fühlen in der Heimatstadt. Dass die Küche diesem herrlichen Gefühl nichts anzuhaben vermag, ist viel. Und vielleicht gehört auch die Lieblosigkeit, das vom Küchenschaffen ausgeht, zu eben jenen Maßnahmen, die einen daran hindern, in Freudenjauchzen auszubrechen.

Das würde doch nur die Nachbarn in Harnisch bringen, die während einer Rauchpause auf dem Balkon das Geschehen inspizieren.

Thomas Platt, kulturradio  

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