Möhren (Quelle: Colourbox)
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Geschmackssache - Bunt, aber wenig beachtet: Karotten

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In diesen Wochen ist Spargel in aller Munde. Es gibt jedoch andere Gemüsesorten, die sehr wichtig sind, dennoch wird nie über sie gesprochen. Karotten, z.B., sind in Deutschland nach den Kartoffeln das am meisten verbreitete Gemüse, werden aber nur beachtet, wenn sie violett sind oder irgendeine andere Besonderheit aufweisen. Dabei haben Karotten eine Geschichte, die bis zur jungen Steinzeit zurückreicht, und sind in der Küche vielfältig und unverzichtbar.

Warum Karotten so wenig Beachtung finden, hat möglicherweise damit zu tun, dass sie über das ganze Jahr verfügbar und nicht besonders teuer sind. Karotten sind immer da und kommen in unzähligen Zubereitungen vor, ob bei Salaten, Suppen oder Eintöpfen oder in der Grundlage für den italienischen Soffritto mit Sellerie und Zwiebel. Auch an internationalen Spezialitäten wie Zimmes, dem typischen jüdischen Neujahrseintopf oder der Schweizer Rüblitorte mangelt es nicht. Karotten sind vielseitig: Sie sind süß, eignen sich aber ebenso für Herzhaftes oder Süßsaures und gerade, weil sie so unkompliziert sind, kommen sie beinahe in jeder Küche der Welt vor.

Karotten (oder Möhren) stammen wahrscheinlich aus Afghanistan, jedenfalls aus Vorderasien, so wie viele der Gemüsesorten, die wir kennen. In wilder Form sollen sie bereits in der frühen Steinzeit verbreitet gewesen sein und sind somit eine der ältesten Gemüsesorten überhaupt. Die Griechen und Römer schätzten vor allem die Heilwirkung von Blättern und Samen, denn zum Essen waren sie damals zu bitter, zu sauer und zu holzig. Auch der Anbau konnte sie nicht appetitlicher machen. Ab dem 10. Jahrhundert wurden sie von den Arabern über Spanien in Europa verbreitet, aber bis zur Renaissance blieben sie ein Gemüse für arme Bauern, das nur zur Sättigung taugte und lange an der reichen Tafel verschmäht wurde. Erst Caterina von Medici machte in ihrer Zeit als Königin in Paris die Karotte salonfähig. Kurioserweise heißt in Französisch das Verb "carotter" noch heute in etwa "schummeln" oder jemanden "austricksen".

Die Farbe Orange als Politikum

Dass Karotten meistens orange sind, liegt nicht an der Natur. Ursprünglich waren Karotten weiß-grau, gelb oder violett. Ende des 16. Jahrhunderts kamen niederländische Pflanzenzüchter auf die Idee, orange Karotten zu züchten, zur Ehre der Orange Dynastie, die das Land im Unabhängigkeitskrieg gegen Spanien geführt hatte. Die neue, attraktivere Farbe setzte sich überall durch, außerdem waren die neuen Sorten süßer, saftiger und weicher als die vorigen und, wie wir heute wissen, durch mehr Gehalt an Betakarotin wahrscheinlich auch gesünder. Das soll nicht heißen, dass die alten violetten Möhrensorten, die heute wieder gezüchtet werden, weniger gesund seien: sie sind weniger süß und enthalten oxidative Stoffe, sog. Anthocyane, ähnlich wie roter Traubensaft oder Rotwein oder schwarze Johannisbeeren. Der Übergang von violetten oder gelben Möhren zu orangenen ist durch Jahrhunderte Malerei belegt. Ab dem 16. Jahrhundert findet man oft in Gemälden Marktszenen, vor allem bei holländischen Malern wie Pieter Aersten, Frans Snyders und Nicolaes Maes: Dort sind nur weiße, violette und gelbe Möhren zu sehen. Später kamen in der Malerei nur noch orangene Karotten vor. Mit dieser Farbe bringen sie noch heute eine bunte Note in vielen Gerichten ein, ob in Rohkostsalaten, mit fein geraspelten Möhren, Äpfeln, Zitronensaft und Minze, oder bissfest gegart, mit Butter, Salbei, Zitronenschale oder auch nur mit etwas Vanille.

Elisabeth Gaddoni, kulturradio  

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