Gazzo Pizza
Bild: rbb / Elisabeth Gaddoni

Geschmackssache - Gazzo Pizza

Bewertung:

Pizza gehört hierzulande zu den beliebtesten Gerichten, wenn es darum geht, was Schnelles und Unkompliziertes zu essen. Allerdings wird die Qualität nicht überall dem Ruf gerecht, den diese uralte neapolitanische Spezialität in der ganzen Welt genießt. Es gibt aber immer mehr Lokale, wie das "Gazzo" in Berlin-Neukölln, die Pizza ernst nehmen und zum Gourmetgericht erklären.

Wer das Wort "Gazzo" im italienischen Wörterbuch sucht, wird nicht fündig werden, auch nicht unter den Vornamen.

"Gazzo" soll nichts weiter sein, als die lustige Anspielung auf ein bestimmtes Wort, das Italiener oft ausrufen, wobei in Süditalien das C oft wie ein G ausgesprochen wird. Diese unkonventionelle Art zeigt sich auch im Umgang mit dem traditionellen Gericht Pizza.

Hier wird Sauerteig verwendet, statt Hefe -, was aber mittlerweile auch andere Lokale in Berlin tun. Außerdem werden für den Belag ausgewählte Zutaten verwendet, sowohl italienischer oder mediterraner Art  wie Büffelmozzarella oder Feta , als auch nordische, wie Dänischer Schimmelkäse, alles meistens bio und regional und trotzdem nicht überteuert.

Interessanter Belag, nichtssagender Teig

Von den 11 Pizzen, die zur Auswahl stehen, haben wir drei probiert: einmal mit Sardellen, Kapern, Chili, Mozzarella und Tomate, einmal mit Büffel-Burrata,  - das sind Mozzarella-Flocken in Sahne, eine Spezialität aus Süditalien, die jetzt auch in Brandenburg hergestellt wird -, dazu scharfe Salami, Pimientos del Padron, Mozzarella und Tomate, und als dritte die Variante mit gekochtem Schinken von schwäbisch-hällischem Schwein, Austernpilzen, Büffel-Ricotta, Thymian, Mozzarella und Tomate.
Der Belag war bei allen drei ansprechend und nicht zu "übergewichtig", die Zutaten harmonisch ausgewählt.

Der Teig war aber viel zu weich; selbst die leicht verkokelte Kruste am Rand wirkte spongecakeartig. Konsistenz und Geschmack verleihen der Pizza normalerweise besonders glutenreiche Mehlsorten: Sie machen den Teig schmackhaft und sorgen für eine bissfeste und poröse Struktur. Hier war aber wenig Eigengeschmack zu erkennen, und der unbelegte Rand, der mindestens 3-4 cm breit ist, wirkt, so weich und wenig durchgebacken, fast wie eine Sättigungsbeilage.

Dennoch lag die Pizza danach nicht schwer im Magen. Die Aussage der Betreiber, der lange Gärprozess beim Sauerteig mache die Pizza bekömmlicher, ist wohl zutreffend. Bekömmlichkeit allein reicht aber nicht aus, um eine wirklich gute Pizza auszumachen.

Amalfi-Küste gleich um die Ecke

Neugierig bin ich auf das "Gazzo" geworden, weil neulich eine italienische Online-Zeitung das Lokal in der Top 10 der besten Pizzerien außerhalb Italiens erwähnte: zwar an der letzten Stelle, nach Lokalen in Metropolen wie Paris, Oslo, Kopenhagen, London, usw., aber immerhin als einziges in Deutschland und in Berlin.

Und vor allem als einziges Lokal von den 10, das nicht von Italienern geführt wird. Gazzos Wirte sind ein Norweger und ein Deutscher, der früher im Grill Royale gearbeitet hat. Das fand ich interessant, zumal eine Pizza, die mir in Berlin sehr gut schmeckt, - die vom "Gasthaus Figl"- , auch nicht von Italienern, sondern von Tirolern gemacht wird, mit schmackhaftem Teig und regionalem Belag.

Also es geht nicht darum, dass Pizza hier so wie in Italien zu sein hat, sondern, dass sie in ihren Bestandteilen stimmig ist.  Bei "Gazzo" aber überzeugt die Pizza nur aufgrund des interessanten Belags.

Das mögen andere anders beurteilen, denn selbst an einem Mittwoch Abend war das Lokal voll. Dennoch war der Service sehr freundlich, und das Softeis aus Büffelmilch mit Salz, Karamell und Short-Bread-Würfeln und -Streuseln zum Schluss hat einiges wettgemacht.

So wie auch die Amalfi-Küste als Wandposter und die laute neapolitanische Musik in der Damentoilette, das absolute Highlight des schlicht aber geschmacksvoll eingerichteten Lokals.

Elisabeth Gaddoni, rbbKultur

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