2 Gläser Hugo am Pool; © imago/JuNiArt
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Geschmackssache - Prosecco, der Prinz der Sommerweine

Prosecco gilt als der Sommerwein schlechthin: Bei Empfängen und festlichen Anlässen und sogar in Fernsehfilmen hat er hierzulande längst Sekt und Champagner verdrängt. Warum ist Prosecco so beliebt, was unterscheidet ihn vom Sekt und was können wir mit diesem perligen, leichten Wein tun, außer ihn gut gekühlt zu trinken?

Das Besondere am Prosecco ist nicht die Menge an Kohlensäure, die ihn zum Schaumwein macht, sondern die Herkunft: Die Trauben sollen aus bestimmten Gebieten stammen, in den Regionen Venetien und Friaul-Julisch-Venetien. Der Name selbst stammt aus einem Vorort von Triest, Prosecco, weil früher eine bestimmte Rebsorte, die für diesen Wein verwendet wird, vor allem dort angebaut wurde.

Später verlagerte sich der Anbau aber nach Westen, in die klassischen Prosecco-Gebiete Venetiens, wie Conegliano und Valdobbiadene. Diese Gegend ist im Juli von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden, weil die Prosecco-Produktion die Landschaft positiv geprägt hat. Durch das Erbrecht sind die Ländereien immer durch alle Erben geteilt worden, die dann Kleinbauern geblieben sind: So ist eine kleinteilige, vielfältige Landschaft entstanden.

Allerdings bereitet die weltweit steigende Anfrage nach Prosecco Umweltverbänden in Italien große Sorgen, weil der Prosecco-Anbau enorm wächst und dazu tendiert, zu einer pestizidlastigen Monokultur zu werden.

Unkompliziert und vielseitig

Prosecco wird wie günstiger Sekt hergestellt: Die Gärung findet nicht in der Flasche statt, wie bei den teureren Schaumweinen Champagner und Crémant, sondern in Drucktanks. Das macht das Verfahren einfacher, und die moderaten Preise erklären vielleicht auch, warum Prosecco mittlerweile der meist exportierte italienische Wein ist.

Allerdings gibt es bei der Qualität große Unterschiede. Prosecco DOC sind die anspruchsloseren Produkte und machen die große Masse der Produktion aus. Viel besser, und um einiges teurer, sind die DOCG-Superiore-Marken aus den Anbaugebieten Asolo und Valdobbiadene. Da die Trauben oft an Berghängen angebaut und nach Qualitätskriterien gekeltert werden, haben diese Weine mehr Aroma und Struktur.

Ein guter Prosecco ist, verglichen zu Sekt in derselben Preisklasse, wahrscheinlich angenehmer, hat feinere Perlen, eine gewisse Frische, Frucht und Leichtigkeit, ist trocken, aber nicht beißend trocken. Er eignet sich als Aperitif auch tagsüber, weil er einen moderaten Alkoholgehalt hat, und kann unkompliziert alle möglichen Gerichte begleiten.

Eventuelle "Reste" können gut in der Küche verwendet werden: Da Prosecco nicht sehr sauer und das Aroma eher dezent ist, eignet er sich zur Zubereitung von Risotto, von Fisch oder Meeresfrüchten, von hellem Fleisch, wie Kalb oder Huhn, für leichte helle Saucen oder Käsefondue, sowie für Obstsalate oder Sorbets.

Gelungenes Marketing

Diese Vielseitigkeit erklärt aber nicht alles. Dass Prosecco mittlerweile weltweit als Ikone des italienischen Lifestyles gilt, ist eher das Ergebnis einer erfolgreichen internationalen Marketingstrategie, die diesen Wein zum urbanen Happy-Hour-Getränk gemacht hat: Ein Wein für jeden Anlass, für den man kein Weinwissen haben muss.

Aperitifs mit Prosecco als Zutat sind sehr beliebt: vom Bellini, mit püriertem weißem Pfirsich, über Hugo, mit Holunderblütensirup, Minze und Limette, bis Aperol-Spritz. Dieser ist wahrscheinlich für Bars und Restaurants zum profitabelsten Getränk aller Zeiten geworden, da es oft kaum Aperol und Prosecco enthält, sondern fast nur Eiswürfel. Gefrorene runde Weintrauben anstelle der Eiswürfel würden das Getränk ebenso gut kühlen, ohne es wässrig zu machen. Diesem Ratschlag von mir sind meines Wissens allerdings noch kaum Barleute gefolgt ...

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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