"Weimarer Dreieck" in Moabit © Restaurant Weimarer Dreieck
Bild: Restaurant Weimarer Dreieck

Geschmackssache - Weimarer Dreieck

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Während in Szenebezirken Lokale öffnen und bald wieder schließen, gibt es in ruhigen Gegenden wie dem so genannte Westfälischen Viertel in Berlin-Moabit Kiezrestaurants, die seit Jahrzehnten eine feste Adresse für die Nachbarschaft sind. Dazu gehört das "Weimarer Dreieck", das etwas versteckt am westlichen Ende der Essener Straße liegt und französisch-deutsch-polnisch inspirierte Bistroküche anbietet.

Der für ein Restaurant etwas ungewöhnliche Name bedarf einer Erklärung: Er bezieht sich auf die informellen Gespräche, die 1991 Polen, Frankreich und Deutschland initiierten, um Europa zu einer offenen Kulturgemeinschaft gemeinsam zu entwickeln. Dieser Dialog zwischen Nachbarstaaten besteht zwar noch, gestaltet sich aber in den letzten Jahren etwas schwierig. Was in der Politik nicht ganz klappen will, mag vielleicht in der Küche gelingen, scheint sich die Betreiberin dieses Lokals gedacht zu haben.

Sie stammt aus Polen, kombiniert die Küchen dieser drei Länder und bietet auf ihrer Karte typisch polnische Spezialitäten wie Pierogi (Maultaschen) oder Barschtsch sowie deutsch-französisch angehauchte Gerichte wie Rinderfilet mit Cognac-Pfeffer-Rahmsauce oder Kalbsgoulasch mit Kartoffeln und grünen Bohnen.

Essen im "Weimarer Dreieck" © Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Harmonie der Aromen

Pierogi hatten wir als Vorspeise, gebraten und mit Gemüse und Pilzen gefüllt und in einer sehr würzigen Pilzrahmsauce angerichtet. Probiert haben wir dann in Thymian und Honig mariniertes Hühnchen, aromatisch, zart und saftig, mit in Zitronensaft geschmortem Fenchelgemüse, Pinienkernen, Ofen-Kartoffelspalten und Salat. Zwar war das Huhn oben etwas dunkel geraten, wegen des Honigs, der im Ofen etwas zu stark karamellisiert ist, aber das hat geschmacklich nicht gestört.

Das andere Hauptgericht, Herings-Tatar mit Meerrettich-Creme auf Kartoffel-Apfel-Stampf und Rote-Bete-Reduktion, war sehr ansprechend als Schichttörtchen geformt, ähnlich wie der russische Hering im Pelzmantel, aber ohne klebrige Mayonnaise. Das war nicht nur sehr hübsch anzusehen, sondern auch sehr schmackhaft und harmonisch komponiert, mit einem ebenso ansprechenden Pflücksalat mit Radieschen serviert.  

Weimarer Dreieck in Moabit © Restaurant Weimarer Dreieck
Bild: Restaurant Weimarer Dreieck

Unaufgeregte Anmut

Selbst die Getränke sind im "Weimarer Dreieck" gut ausgewählt, vom erfrischenden Apéritif mit Gin und Tonic, Minze, Ingwer und Limette über die Weine aus Deutschland, Frankreich und Österreich bis zum polnischen Tyskie Bier vom Fass. Es handelt sich im "Weimarer Dreieck" nicht um gehobene Gastronomie, sondern um eine gepflegte Bistro-Küche, bei der alles frisch zubereitet und zu angemessenen Preisen angeboten wird.

Auch das Lokal, von den Räumen bis zum schönen Biergarten, ist liebevoll gestaltet. Letzteres gleicht einer kleinen Oase der Ruhe, da es in der Straße kaum Laufpublikum und Autoverkehr gibt, und lädt dazu ein, lange zu sitzen und zu plaudern. Abseits vom Tourismus und Szenentrubel wirkt das Lokal angenehm unaufgeregt und nur um eine stabile und zuverlässige Qualität bemüht – etwas, das in Berlins Gastronomie eher selten ist.

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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