GO Kebab im KWA © Johannes Paetzold
"KWA O.G." | Bild: Johannes Paetzold

Geschmackssache - "Kebab with Attitude"

Bewertung:

Im Grillrestaurant "Kebab with Attitude" in Berlin-Mitte wird die namengebende Speise mit besonderer Sorgfalt, regionalen Zutaten und Fleisch aus artgerechter Freilandhaltung zubereitet – erhältlich in drei Versionen. Kann man da noch von Fast Food sprechen?

Während man die Currywurst als Signature Dish der Hauptstadt sogar Staatsgästen vorsetzt und in Gourmetlokalen zur Delikatesse aufwertet, werden dem Kebap selten Ehren zuteil. Dabei beläuft sich der jährliche Umsatz, der mit der orientalischen Grillspeise erzielt wird, auf knapp zwei Milliarden Euro.

Im Unterschied zur süßsauren Wurst, die einst als warme Speise zum Kalten Krieg begann, hat das Kebap noch keine historische Dimension erlangt. Wie Fast Food insgesamt, wird es in der Regel aus billigen Rohstoffen hergestellt und richtet sich an Menschen, die sich für den Verzehr nicht viel Zeit nehmen. Nicht selten wird es im Gehen gegessen. Allein in Berlin existieren 1.600 sogenannte Dönerläden.

Spezialität in drei Versionen

Vielleicht ändert sich die Wahrnehmung nun. Denn mit dem von Deniz Buchholz und zwei Mitstreitern gegründeten Grillrestaurant "Kebab with Attitude" wird die Speise mit besonderer Sorgfalt zubereitet und auf gekachelten Tischen in einer bunten Thekenrestaurant-Atmosphäre serviert. Angeboten wird die Spezialität in drei Versionen: im Pide-Brot, im Dürüm-Fladen oder auf einem Tablett, sozusagen als Grillteller auf einem Tablett (Preise zwischen 7,50 und 14 Euro).

Neben dem ausgesprochen saftigen, markant gewürzten Beef (oder gegrillten Hähnchenfleisch) sind brökeliger Schafskäse, marinierte rote Zwiebeln, Salat, Gurken- und Zucchinischeiben sowie gepickelte Kräuter und Knoblauch in einem Dressing, das die versammelten Aromen nicht übertüncht.

Klassisch im Brot verzehrt, ist der Umfang beträchtlich, so dass der Essende einige Mühe darauf verwenden muss, unbekleckert davonzukommen. Schließlich bietet sich danach ein Besuch in den Kunstgalerien des Quartiers an.

Die Variante mit Mango-Cranberry-Chutney mit Koriander und Kokossauce setzt auf fruchtige Süße, verträgt sich aber weniger gut mit dem Grillaspekt als die "KWA – O.G." genannte mit Petersilienbutter und einfacher Tomatensauce.

Die Pommes frites dazu geben ein Rätsel auf. Sie changieren merkwürdigerweise zwischen Salz- und Bratkartoffeln, während der klassische Frittiergeschmack nicht im vollen Umfang auftritt. Ebenso merkwürdig leer bleibt das als Ketchup gedachte Tomatenpüree.

Wesentlich besser macht seine Sache der süßlich-scharfe Kichererbsensalat mit Hummus, Falafel und Spinat. Auf hohem Niveau bewegen sich der dickflüssige Ayran mit Minze und das salzige Ayran-Softeis.

"Natural Attitude. Our meat is exclusively sustainable & free range. All kebaps are homemade": Dieser Hinweis auf hochwertige regionale Zutaten – vor allem das Fleisch aus artgerechter Freilandhaltung – ist in Anbetracht der hohen Qualität durchaus ernst zu nehmen.

Thomas Platt, rbbKultur

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Schüssel mit gerösteten Kichererbsen; © imago-images
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