Schüssel mit gerösteten Kichererbsen; © imago-images
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Geschmackssache - Kichererbsen

Hülsenfrüchte waren jahrtausendelang das Fleisch der armen Leute. Was früher Not war, kann heute ein Genuss sein: Kichererbsen sind nicht nur nahrhaft und gesund, sondern auch äußerst vielseitig.

Kichererbsen sind nicht nur nahrhaft und gesund, sondern auch äußerst vielseitig, und kommen in beinahe allen Küchen der Welt vor. Es mag sein, dass Kichererbsen Liebhaber*innen dieser Hülsenfrucht heiter stimmen. Am Ursprung des Namens liegt es aber nicht. Dieser stammt aus dem Lateinischen "Cicer", und Marcus Tullius Cicero, der bekannte Redner, verdankte wohl seinen Nachnamen einem Vorfahren, der eine kichererbsenförmige Warze auf der Nase hatte.

Ob es stimmt oder nicht, dem Ratschlag, seiner Karriere zuliebe den etwas lächerlichen Nachnamen zu ändern, lehnte er selbstbewusst ab. Schließlich hatten es Zeitgenossen wie Scaurus ("der Knochige") und Catulus ("Hündchen") trotz ihrer Namen als Politiker weit gebracht.

Für Dichter und Gladiatoren

Sicher galten Kichererbsen schon immer als Arme-Leute-Essen. Im alten Ägypten waren sie beim Bau der Pyramiden Stärkung für die Sklaven, im alten Rom Speise für die Gladiatoren vor dem Kampf und Futter für die Pferde vor der Schlacht. Dennoch waren sie ein beliebtes Essen.

Kichererbsen wurden frittiert und mit Honig und der Fischsauce Garum gewürzt oder mit Getreidebrei gegessen (puls). Und Kichererbsen mit gebackenen Nudelstreifen (lagane) gibt es unverändert noch heute in der Küche Süditaliens – ein Gericht, für das bereits der Dichter Horaz schwärmte. Kichererbsen wachsen auch dort, wo der Boden wenig hergibt und es oft Dürren gibt, sichern also eiweißreiche Nahrung auch in schweren Jahren.

Kichererbsen: Schüssel mit Hummus; © imago-images/Alex9500
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Gericht des Friedens

Gerichte mit Kichererbsen gibt es beinahe in der ganzen Welt, vor allem in den größten Anbauländern Indien und Pakistan. Nicht nur als Zutat in Curry-Gerichten: Kichererbsenmehl ist in Indien z. B. Basis für das Pakora, die Frittierpanade für Gemüse. Typische Eintöpfe mit Kichererbsen sind die verschiedenen Olla-Podrida-Varianten, die es Spanien und Lateinamerika gibt, ebenso wie einige marokkanische Tajine-Gerichte. Kichererbsen sind die Hauptzutat von orientalischen Spezialitäten wie Falafel und Hummus, die wir leider meist auf Imbissniveau kennen.

Die zurzeit sehr moderne Levante-Küche will aber Hummus als edle Spezialität aufwerten. Mittlerweile gibt es in Berlin sogar Hummus-Festivals: Die Kichererbsencreme wird dabei als panorientalisches Gericht und als Symbol der israelisch-arabischen Völkerverständigung gefeiert. Allerdings denkt jedes Land in der Region, Hummus sei die eigene nationale Erfindung!

Aus der Kombüse

Auch in Italien gibt es unzählige Gerichte mit Kichererbsen, vor allem Suppen. Dabei schwören viele, dass über Nacht eingeweichte und dann 2-3 Stunden lang gekochte Kichererbsen viel intensiver schmecken, als Kichererbsen aus dem Glas. Das lässt sich aber mit der schnellen Küche von heute schlecht vereinbaren.

Eine Besonderheit unter den vielen Spezialitäten ist die dünne Focaccia aus Kichererbsenmehl, Wasser, Salz und Olivenöl, die im Pizzaofen gebacken wird und in der Toskana Cecina, in Ligurien Farinata und in Nizza Socca heißt. Panelle sind in Sizilien kleine, frittierte Portionen von Kichererbsenpüree.

Was heute eine beliebte Street-Food-Spezialität ist, war früher das Brot der Armen – oder der Matrosen, da trockene Kichererbsen haltbarer Vorrat für Schiffe waren. Man sagt sogar, dass mit Kichererbsen die Löcher der Holzbretter gestopft wurden, damit das Meereswasser nicht in den Laderaum eindringen konnte. Manchmal passierte es aber trotzdem, und mit der Pampe aus eingeweichten Kichererbsen entstand diese Focaccia, die am Deck direkt an der Sonne gebacken wurde. So will es die Legende …

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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