Rocket & Basil; © Elisabetta Gaddoni
"KWA O.G." | Bild: Elisabetta Gaddoni

Kosmopolitische Küche mit persischem Touch - "Rocket & Basil"

Bewertung:

Im kleinen Café-Deli „Rocket & Basil“ in Berlin-Schöneberg treffen die orientalischen Aromen der persischen Küche auf eine kosmopolitische, moderne Lunchkultur.

Eingangs der Lützowstraße, fast an der Ecke zur Potsdamer Straße, liegt etwas versteckt der kleine Laden mit weißer Fassade und weißem Interieur. Im Gewirr der vielen Cafés und Restaurants fällt das "Rocket & Basil" höchstens durch die zur Mittagszeit sehr gut besuchte Terrasse auf.

Die Folgen des Andrangs lassen sich gleich am Tresen erkennen: Hinter der Vitrine sind die meisten Behälter mit den Zutaten für die Salate – ob Graupen mit Granatapfelkernen, marinierter Feta oder Erbsen mit Minze – fast schon leergefegt. Auf der höheren Ablage liegen einsam zwei Chicken-Sandwiches.

Das Hauptgericht, auf das ich mich besonders gefreut hatte – Auberginen gefüllt mit Kürbis, Karotten, Mandeln und Kräutern – war ebenfalls ausverkauft. Das andere warme Hauptgericht war noch zu haben: Eintopf nach persischer Art. Das Rindfleisch, langsam gegart mit gelben Erbsen und getrockneten Limetten, wird serviert mit Salat, Yoghurtsauce mit Gurke und Rosenwasser sowie Reis.

Hochgenuss aus dem Topfboden

Das Fleisch war zwar etwas trocken geraten, dafür war der Reis mit der knusprigen safrangoldenen Kruste köstlich. Dieser Leckerbissen, das Tahdig, bildet sich am Boden des Reiskochers, wenn der Reis nach persischer Art zubereitet wird.

Die Betreiberinnen dieses Lokals, zwei Schwestern, sind seit ihrer Kindheit mit der persischen Küche vertraut, da ihre Mutter aus dem Iran stammt. Aufgewachsen in Australien, haben die beiden hier in Berlin Cateringevents in ausgewählten Locations organisiert, bevor sie im April dieses Deli-Café eröffnet haben. Hier bieten sie auf der Frühstücks- und Lunchkarte Gerichte an, die orientalische Einflüsse und die Vorlieben des jungen Großstadtpublikums verbinden, vieles dabei vegan oder glutenfrei.

Reisporridge mit Kardamom, Rhabarber, Blutorange, gerösteten Haselnüssen und Mandelmilch, oder auch Spiegelei im Brötchen mit Bacon, scharf-säuerlich mit Sumach und Harissa gewürzt, stehen auf der Karte, ebenso wie Omelette mit dem Auberginenmousse Baba Ghanoush. Unter den Kuchen fallen mir die Brownies aus Kakao und Tahinisauce mit Halva-Topping auf, eine etwas zu süße, aber geschmacklich sehr ungewöhnliche Kombination nach dem Rezept des Starkochs Yotam Ottolenghi, der die Neue Levante Küche zum Trend gemacht hat.

Gastronomie als Alltagsgeschäft

Vieles mehr soll am Wochenende zur Auswahl stehen, wenn das "Rocket & Basil" zum Brunch auftischt. Während der Woche beschränkt sich das Angebot auf Frühstück- oder Lunchgerichte. Allerdings ist man mit einem warmen Hauptgericht, einem Getränk und einer Süßigkeit schnell bei über 20 Euro, was für einen Mittagstisch nicht gerade bescheiden ist. Die Preise mögen an der Qualität der Zutaten liegen, die von der Kreuzberger Markthalle 9 stammen sollen. Allerdings scheint mir das Essen nicht auf der Höhe der Erwartungen, die die Bilder ihrer glamourösen Cateringevents hervorrufen, mit wunderschönen Gerichten wie dem Juwelenreis, der tatsächlich bei Tiffany ausgestellt werden könnte.

Es mag vielleicht auch ein ungünstiger Tag gewesen sein, an dem ich dort war: Das Lokal war sehr gut besucht und die Damen im Service wirkten etwas angestrengt. Diese Überforderung ist wahrscheinlich vorprogrammiert, wenn Gastronomie von Spitzenleistung eines gelegentlichen Events zum Alltagsgeschäft wird, in dem jeden Tag schnell etwas aufgetischt werden muss. Die Zeit wird zeigen, ob die kulinarische Begeisterung die Hürden des Alltags besteht.

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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