Essen im "CU29"
Bild: Elisabetta Gaddoni

In der James-Simon-Galerie - Restaurant "CU29"

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Selten gehen Menschen in ein Museumsrestaurant, um richtig zu essen: Meist bleibt es nach dem Ausstellungsbesuch bei Kaffee und Kuchen oder bei kleinen Gerichten. Das Cu29, das im Juli im neuen Bau an der Museumsinsel eröffnet hat, bietet abends auch eine anspruchsvollere Karte an. Die Mittagsgerichte wecken allerdings kaum Neugier auf mehr.

Voll ist es um 13 Uhr im luftdurchfluteten, länglichen Raum: Beinah alle kleinen Tische sind besetzt. So wundert es nicht, dass es eine Weile dauert, bis jemand vom Service die Bestellung entgegennimmt.

Auf der Karte stehen einige, auf Englisch beschriebene Gerichte zur Auswahl: Salate in vielen Variationen, Kokosnuss-Erdnuss-Bowl, Klassiker der deutschen Küche wie Königsberger Klopse und Currywurst, Steak im Brotmantel, Lachscurry, Gemüse- Nudelsuppe, gebackene Süßkartoffel, Chicken Rolls mit Kartoffelgratin.

Ein Mix aus regionalen und internationalen Speisen also, bei denen Preise und Beschreibung frische und nicht allzu groß portionierte Gerichte erwarten lassen.

Misslungene Komposition

Unsere, Königsberger Klopse und Lachscurry, werden schnell nach der Bestellung serviert, wirken dennoch so gut wie lauwarm.

Beide sind auch in der Balance der einzelnen Komponenten seltsam unausgeglichen. Beim Lachscurry versinkt das Ministück Fisch in einer übertrieben großen Menge an schwerer, gelierender Currysauce, die sich mit der viel zu kargen Reisbeilage niemals bewältigen lässt.

Bei den Königsberger Klopsen, innen zu salzig und etwas trocken geraten, wäre wiederum etwas mehr helle Sauce willkommen. Sie bildet aber auf dem Teller nur zwei sehr kleine Spiegel, auf denen die Klopse elegant liegen. Dazu gibt es wenig Minikartoffeln und Rote Bete-Tatar, das ‚confit‘ sein sollte, aber viel zu säuerlich gewürzt ist.

Kantinenessen in beeindruckendem Ambiente

Möglicherweise liegt es an der Hektik in der Küche, dass die Gerichte heute nicht so genau komponiert sind. Aber auch abgesehen davon, ist in beiden Gängen geschmacklich nichts zu erkennen, was das Mittagsgericht eines Restaurants vom Niveau einer besseren Kantine abheben würde.

Der Wildsalat mit karamellisierten Nüssen und der Riesling dazu sind in Ordnung, so wie Espresso und Pflaumenkuchen: Dies wäre jedenfalls die sichere Wahl im Falle eines zweiten Besuchs.

Der beindruckende, vom Architekten David Chipperfield entworfene, Saal, der auf die Beton- und Glasästhetik des modernen Baus am Neuem Museum Bezug nimmt, ist jedenfalls sehenswert. Der Wasserblick über den Kupfergraben, auf den sich nicht nur der Name des Restaurants, sondern auch die kupferne Decke des Saals und viele Details der Inneneinrichtung beziehen, wird sich aber den Besuchern erst wieder im Sommer erschließen, wenn auch die Terrasse bespielt wird.

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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