Munch's Hus © SEBASTIAN GREUNER
Bild: © Munchs Hus/ Sebastian Greuner

Restaurantkritik - Munchs Hus

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Während in Berliner Szenebezirken Lokale öffnen und bald wieder schließen, gibt es in etwas unterbelichteten Ecken der Stadt wie dem Bülowbogen Lokale wie das "Munchs Hus", die seit Jahrzehnten bestehen und sich durch stabile gute Qualität auszeichnen. Ungeachtet des Hypes um die Neue Nordische Küche bietet das "Munchs Hus" klassische Gerichte, die alles andere als avantgardistisch sind, aber ebenso auf hervorragende Produkte und perfekte Zubereitung setzen.

Namensgeber des Hauses ist Edvard Munch, der berühmte Maler aus Norwegen, der Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin-Schöneberg lebte. Reproduktionen seiner Bilder hängen an den Wänden. Das "Munchs Hus", vor dessen Tür ein Verkehrsschild vor Elchen warnt, ist bislang deutschlandweit das einzige norwegische Restaurant. Allerdings betreibt die Inhaberfamilie seit Jahren auch die Kantine in den Skandinavischen Botschaften. Auf der Karte stehen vor allem Fischgerichte: Das wundert nicht, da Norwegen endlos lange Küsten hat. Fleischgerichte gibt es auch, von Entenbrustfilet und Schweinemedaillons bis hin zu Norwegens Nationalgericht "Lamm in Weißkohl" und zu nordischen Spezialitäten wie Elchbraten in karamellisierter Ziegenkäse-Wacholdersauce. Verschiedene Salate und ein einziges vegetarisches Hauptgericht, Kräuter-Crêpes mit vielerlei Gemüse auf Steinpilzsauce, ergänzen das Angebot.

Munchs Hus © SEBASTIAN GREUNER
Bild: © Munchs Hus/ SEBASTIAN GREUNER

Unprätentiös, aber köstlich

Besonders verlockend klangen Lengfisch- und Eismeersaiblingfilet. Das erste war leicht mit Bergpfeffer gewürzt, auf Sellerie-Kartoffelpüree und Rote-Bete-Stiften angerichtet und mit etwas Seehasenkaviar getoppt. Das Zweite, das Saiblingfilet, begleiteten geröstete Petersilienwurzelspalten und kleine Ofenkartoffel, mit einer leichten Zitronen-Avocado-Creme serviert. Das hört sich alles wenig kreativ und ungewöhnlich an, schmeckte aber hervorragend: sowohl der Fisch, perfekt gebraten, außen kross und innen noch etwas gelierend, als auch das feine und aromatische Sellerie-Kartoffel-Püree, so wie auch das Ofengemüse, schmackhaft und wie die anderen Speisen nicht überwürzt. Wenn Produkte und Zubereitung gut sind, kann man offensichtlich in den Eigengeschmack der Zutaten vertrauen.  

Bauernmädchen und Troll

Die Portionen sind zwar nicht für Wikinger gedacht, sind aber eher groß. Sie wirken aber nicht unangenehm sättigend, sondern leicht und ausgeglichen. So gab es noch Platz für zwei Nachtische: die Trollcreme, mit Blaubeeren, Moltebeeren und Vanilleeis, und das Verschleierte Norwegische Bauernmädchen: grüne, gegarte aber noch bissfeste Apfelstücke mit einem Hauch Zimt, Schlagsahne und karamellisierten Streuseln. Beide eher einfache Desserts, mit der obligatorischen Physalis-Frucht als Deko serviert, aber sehr frisch und ansprechend.

Seit 2001 zuverlässig gut

Für die angebotene Qualität sind Preise wie 18 Euro für Fischhauptgerichte und 7 Euro für die Desserts alles andere als hoch. Was an der Küche im "Munchs Hus" beeindruckt ist die zuverlässige Qualität, die sich durch die Jahre bewährt. Diese ist wahrscheinlich der Tatsache zu verdanken, dass der Koch und Betreiber seit 2001 immer derselbe ist – eine Kontinuität, die in Berlin selten ist. Die Weine sind auch gut ausgewählt: Der empfohlene Mosel-Riesling von Molitor passte perfekt zum Fisch. Und die Stimmung im Lokal ist lebendig, aber angenehm entspannt, da dieses weit genug von den Touristen- und Hipsterpfaden liegt.

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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Elisabetta Gaddoni

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