"The Catch" - Skizzen aus dem Notizbuch des Gastrokritikers; © Thomas Platt
Bild: Thomas Platt

Restaurantkritik - The Catch

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Japanische Izakayas könnte man mit Brasserien, Pubs oder auch Wirtshäusern vergleichen. Im Unterschied zu unseren Kneipen sind diese dem Reiswein Sake verpflichteten Orte stets mit einem Speiseangebot verbunden, das über den Imbiss hinausgeht. Naturgemäß spielt frischer Fisch dort eine tragende Rolle. Inzwischen existiert auch bei uns im Binnenland eine Versorgung mit Fisch und Meeresfrüchten, die ein Restaurant solchen Typs ermöglicht.

Am Zusammenfluss von Mommsen- und Bleibtreustraße ist vor einiger Zeit "The Catch" vor Anker gegangen. In den langgestreckten, für Gastronomie gut geeigneten Räumen und auf der Boulevardterrasse zur Mommsenstraße stricken nun Ruslan Kim am Sushi-Posten und Sergej aus Riga am Herd und Grill an einem Izakaya-Konzept, das zum Westteil der Hauptstadt passt.

Das Design des Interieurs mit viel Holz, bunten Stoffen und modernistischen Leuchtkörpern bewegt sich wie das Mobiliar zwischen Bistrot und Lounge und legt fröhliche Unbekümmertheit nahe, die sich gerne dort einstellt, wo die Raumgestaltung vom Gast her gedacht ist.

Der Service trägt diesen Geist mit und ist wohl auch kompetenter als in den meisten Restaurationen rundum. Schließlich sind Speisen aus einer anderen Kultur durchaus erklärungsbedürftig.

Frisch und üppig

Sushi kennt zwar inzwischen jeder, doch in der "Catch"-Ausprägung sind die Reiswickel mit Thunfisch, Lachs oder Königskrabbe nicht selbstverständlich. Das betrifft sowohl die Frische des Fischs, seinen relativ üppigen Einsatz als auch die Machart zum Beispiel mit dezenter Zwiebel beim Negitoro (vom saftigen Bauchlappen des Blauflossen-Thuns) oder mit Mayonnaise, Avocado und Lachsrogen (in Japan wäre das Tobiko, der Rogen vom Fliegenfisch) bei Kamtschatka/Königskrabbe.

Interessantes Detail: Sehr aufmerksam wurde der obligatorische Wasabi-Meerrettich cremig erweitert und damit sozusagen auf Essstärke herabgemildert. Freilich handelt es sich nicht um einen Abrieb von der frischen Wurzel, aber in dieser Fasson erscheint die grüne Paste von ihrer besten Seite.

Einen klareren Eindruck von der Fisch-Qualität erhält man beim Sashimi, das zum Beispiel feine, dunkelrot leuchtende Scheiben vom Thunfisch oder von der japanischen Gelbschwanzmakrele und schottischem Lachs, malerisch an ein Bananenblatt gelehnt, auf Eiswürfeln versammelt.

Ein Gewinn für Berlin

Die warme Küche stellt derweil ein Brokkoli- und ein Garnelen-Tempura her. Beide sind fest. Im ersten Fall ist das willkommen, im zweiten weniger. Zudem kann man sich darüber streiten, ob die meist auf Zitrusbasis gegründeten Dips beziehungsweise Saucen (zu den argentinischen Garnelen etwa mit Chili, Erdnuss, Honig, Knoblauch, Kokos und schwarzem Pfeffer) so süß sein müssen. Damit nehmen sie den Speisen die fischig-jodige Note und passen sie in den mitteleuropäisch-amerikanischen Geschmackshorizont ein.

Der in der spanischen Gastronomie entwickelte Josper-Ofen liefert exakt gegrillte Speisen. Die mit Shichimi-Glasur (eine Gewürzmischung, in der neben Chili Sesam und Mandarinenschale eine Rolle spielen) bezogene halbe Aubergine mit Bonitoflocken sowie griechischem Joghurt und die Süßkartoffel in einer markanten Paprika-Knoblauch-Sauce sprechen sowohl für das Gerät als auch für Sergej. Und auch für eine Neugründung, die in dieser Form ein Gewinn für Berlin ist.

Thomas Platt, rbbKultur

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