Josl, Außenansicht; © Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Südalpenländische Spezialitäten - Josl

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Mit österreichischer Küche verbinden die meisten von uns Wiener Schnitzel, oft in Bettlaken-Format serviert. Bei "Josl", dem kleinen Lokal mit Wohnzimmeratmosphäre in Berlin-Charlottenburg, steht aber eine ganz andere Spezialität im Mittelpunkt: Kärntner Kasnudeln, gefüllte Teigtaschen, die das Restaurant täglich frisch herstellt.

"Kasnudeln" bedeutet nicht, dass die Teigtaschen unter einer schweren Haube Bergkäse ersticken. Mit Kas ist Quark gemeint, oder Topfen: zusammen mit Kartoffeln und Kräutern bildet dieser die Füllung für die Nudeln. Auf der Karte stehen drei Varianten, traditionell, oder mit Fleischfüllung, oder noch saisonal abgestimmt, mit Kürbis-Topfen-Füllung.

Natürlich gibt es auch andere Klassiker der österreichischen Küche, von Frittatensuppe und Tafelspitzsalat bis Backhendl und Braugulasch sowie Schnitzel an besonderen Wochenenden. Aber Kasnudeln muss man bei Josl probieren: Sie stehen für die kulinarische Tradition Kärntens, der südlichsten Region Österreichs.

Josl, Kasnudeln; © Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Milde Nudeln, penetrante Säure

Wir hatten die Herbstlichen, mit Kürbis und Quark-Füllung, abgeschmeckt mit Kräutern und Nussbutter. Der Nudelteig war gut und schmeckte tatsächlich wie frisch gemacht, die Füllung war sehr mild. Die drei gefüllten Nudeln waren auf einem großen Teller mit gemischtem Salat und gegrillten und eingelegten Kürbisspalten angerichtet. Leider lagen sie dann auch in der viel zu säuerlichen Salatvinaigrette, die sie geschmacklich überdeckt hat.

Ein Extra-Teller für den Salat hätte nicht geschadet. Und vielleicht auch eine vierte Nudeltasche, damit man richtig auf den Geschmack gekommen wäre: Kasnudeln sind ja viel kleiner als Maultaschen. Während die Portionen beim Österreicher meist viel zu groß sind, sind sie hier eher klein und preisgünstig gerechnet, weil sie wahrscheinlich als einer von mehreren Gängen gedacht sind. Und das ist an sich eine gute Idee.

Aller guten Dinge sind drei

So habe ich eine kleine Portion Backhendl bestellt: drei panierte Hähnchenstücke, perfekt gebraten, zart und saftig, mit einem kleinen, lauwarmen Kartoffelsalat, der für meinen Geschmack ebenfalls viel zu säuerlich abgeschmeckt war, aber als Beilage zum Hähnchen nicht so störend war wie die saure Salatvinaigrette für die Nudeln.

Das Dessert wiederum hat alles wettgemacht: Kaiserschmarrn, wie nur Österreicher es blind können. Der Teig cremig luftig, nicht zu süß, und der Zwetschgenröster angenehm gewürzt, dazu Rum-Rosinen.

Grüner Veltliner, das Hirter Privat Pils vom Fass aus einer der ältesten Privatbrauereien Österreichs und nicht zuletzt einer der Betreiber, der an den Tischen serviert und den schlagfertigen Österreicher wie aus dem Bilderbuch verkörpert, tragen dazu bei, dass es im Lokal angenehm lebhaft zugeht. Dass das "Josl" selbst mitten in der Woche sehr gut besucht ist, zeigt, dass die unkomplizierte, nicht überteuerte Küche und die herzliche Wohnzimmer-Atmosphäre von den Gästen sehr geschätzt werden.

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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