Shaam: Falafel mit Hummus; © Thomas Platt
Bild: Thomas Platt

Syrische Spezialitäten - "Shaam"

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Die Küche eines heißen Landes passt nun prächtig in eine Zeit, in der wir uns wieder an die Kälte gewöhnen müssen. Es ist aber nicht ihre blühende Schärfe und fruchtige Lieblichkeit, die uns beispringt, sondern die Phantasie. Gerade die Speisen des Orients lenken die Gedanken immer wieder auf eine pralle Sonne und scharf umrissene Schatten. Ausgerechnet in einem kleinen Neuköllner Restaurant am Ufer einer vielbefahrenen Magistrale kann man sich nun seine Portion Sommer abholen – zusammen mit einem Kurztrip durch die Damaszener Küche.

Das "Shaam" ist wie viele andere Lokale, die Gerichte aus dem Nahen Osten anbieten, ein Mittelding zwischen Gasthaus und Imbiss. Das Ambiente wird von den Gartheken rechts und links der Eingangstür regiert. Bereits aufgehellt durch die Freundlichkeit des Personals, wird der pragmatische bis karge Eindruck durch die Ankunft der Speisen ins Heitere verschoben. Sobald orientalische Düfte wie Kardamom, Nelke und Zimt von den Tellern aufsteigen, schweift man sowieso in die Ferne.

Sehr herzhaft schmecken Muttabal, Mini-Donoughts. Zum frisch angerichteten Taboulé-Salat aus Bulgur, Tomate, Zwiebel, Olivenöl, Zitrone und vor allem viel Petersilie geben sie eine ausgezeichnete Begleitung ab. Das trifft auch auf die herzhaften Kibbe zu, teebraune Krapfen aus Bulgur und Hackfleisch.

Offenkundig achten die Köche darauf, dass das verwendete Frittieröl beizeiten erneuert wird, was den knusprigen Kartoffelscheiben vom "Crispy Teller" genauso anzumerken ist wie den überdurchschnittlichen Falafel, die mit einer Paste aus geschältem Sesam, sauer marinierter Bete und Gurke serviert werden.

Shaam: Foul; © Thomas Platt
Bild: Thomas Platt

Zu Recht gelobt wird der hier "Hähnschen Schawarma" genannte Teller. Neben schöner Knusprigkeit besitzt das gegrillte Fleisch Saft und so etwas wie einen Anflug von geschmacklicher Tiefe. Die wiederum fehlt den mit Knoblauch, Tahina und Zitrone gewürzten Auberginen, vermutlich, weil sie nicht gründlich genug Grillhitze abbekommen haben. Auch "Foul mit Olive", Saubohnen in Öl, bleibt ein bisschen blass. Demgegenüber gehört der Hummus zu den besten Reiseerlebnissen im tiefen Neukölln (Preise zwischen 4 und 8,80 Euro).

Thomas Platt, rbbKultur

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