Malakeh; © Thomas Platt
Bild: Thomas Platt

Spezialitäten der Levante - "Malakeh"

Bewertung:

Der Name bedeutet Königin. Aber im Restaurant dieses Namens sind keine Royalisten am Werk.

Es ist eben nur so, dass seine Inhaberin den Namen Malakeh Jazmati trägt. Sie macht eher in respektvoller Thronferne von sich reden: nämlich als herausragende Vertreterin der levantinischen Küche in der deutschen Hauptstadt. Allenfalls mit ihrer Kochshow ist sie eine Quotenkönigin gewesen, in den Orient News des jordanischen Fernsehens. Doch das ist Jahre her. Gezwungen ihre Heimat zu verlassen, hat die junge Syrerin vis-à-vis des Sozialpalasts an der Grenze von Schöne- und Kreuzberg eine neue Wirkungsstätte gefunden.

Die Atmosphäre im übersichtlichen Raum am Ostufer der Potsdamer Straße könnte man mit nüchterner Pracht beschreiben. Oder mit einer Art von Gemütlichkeit, die zugleich eine Botschaft hat. Eine Wand ist der syrischen Version des Walhalla gewidmet, mit Bildern von Künstlern, Denkern und Politikern des Landes, darunter in großem Format der im Exil verstorbene Dichter und Diplomat Nizar Qabbani. An den Tischen kommen Bequemlichkeit und Geselligkeit vor Konzept und Design.

Eine besondere Gabe

Der sogenannte Mix Vorspeisenteller mit Fladenbrot vereinigt nicht nur einen ultrafrischen, mit Zitrone angespitzten, mit Tomate, Walnüssen und Granatapfelkernen untermischten Petersiliensalat mit einem ganz vorzüglichen Hummus sowie einer leicht rauchigen Auberginencreme mit süßlichen Noten, sondern führt den Gast auch zur Erkenntnis, dass hier jemand unzweifelhaft eine ganz besondere Gabe besitzt, Zutaten und Gewürze äußerst fein aufeinander abzustimmen.

Dieses integrative Talent lässt das Schwere leicht erscheinen, das Deftige elegant, das Duftige bodenständig und das Akzentuierte unaufdringlich sowie das Ganze deutlich mehr als seine Teile. Bei "Maklobeh" zum Beispiel ist es zunächst der mit Hilfe eines Topfes zum Hügel geformte, dabei locker gebliebene Reis selber, der vor allem durch Zimt und Kardamomsaat, aber auch Mandel, Gabel für Gabel so interessant bleibt, dass das obenauf drapierte Fleisch von der geschmorten Lammkeule beinahe wie eine Zugabe wirkt.

Bei "Shish Burak" sind es buttrige Graupen, die das milde Timbre eines Gerichtes aus mit Hackfleisch gefüllten Teigtaschen (die man in Italien Tortelloni nennen würde, wenn die Hülle nicht ganz so massiv wäre) und üppiger Zitronen-Yoghurtsauce vorgibt.

Eine neue Orientküche

Zu einem Trend, der im nächsten Jahr den Ton noch wesentlich deutlicher angeben wird, gehört Frau Jazmati schon jetzt. Denn oberhalb des Imbiss' etabliert sich eine neue Orientküche, die über Grenzen und Kulturen hinweg einen kreativen Synkretismus pflegt. Zu ihnen gehört im Casualbereich das israelische "Layla" und das "Mani" in der Torstraße sowie vor allem Gal Ben Moshes Restaurant "Prism", die große Sternehoffnung der Berliner Gourmets.

Es dürfte sich nicht um reinen Zufall handeln, wenn man dem Spitzenkoch im "Malakeh" begegnet. Levante ante portas!

Thomas Platt, rbbKultur

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