Restaurant Grand Tang - Skizzen aus dem Notizbuch des Rezensenten; © Thomas Platt
Bild: Thomas Platt

Gehobene chinesische Küche - "Grand Tang"

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Consommé double, Mockturtle, Oxtail: Kaum zu glauben, dass man sich ausgerechnet hier daran erinnert fühlt, dass es früher einmal solche Essenzen in großen Hotels gegeben hat.

Das ist schon so lange her, dass man gar nicht mehr genau weiss, ob man es wirklich erlebt oder bloß in einem Roman gelesen hat. Auch der Ort könnte Schauplatz einer fiktiven Handlung sein, denn bei ihm handelt es sich um kein gewöhnliches chinesisches Restaurant.

Die Kulisse deutet eher auf ein in die Jahre gekommenes Adria-Restaurant, das von einem Karajan-Fan betrieben wird. Doch die Kuriositäten beschränken sich nicht auf Klassik-Plattencover, neckische Schirmlämpchen und Rustikalmobiliar aus den Siebzigern, das zwischen weiss Rigipsdecke und zerschlissener Auslegware ein bisschen Atmosphäre zu heraufzubeschwören sucht.

Jenseits von Filet, Brust, Keule und Riesengarnele

Tatsächlich ist die eigentliche Attraktion in Rufweite der Wilmerdorfer Straße eine Speisekarte, die auch in einer chinesischen Großstadt Kenner anlocken würde (sie tut es auch in der deutschen Hauptstadt, wie viele chinesische Runden dort beweisen). Sie wirbt mit einem breiten Angebot von Speisen, die um die sogenannten unedlen Teile der Tiere keinen Bogen machen. Denn jenseits von Filet, Brust, Keule und Riesengarnele wohnt der Geschmack.

Irgendwo zwischen Ochsenschwanz, Gulasch und Sauer-Scharf-Suppe ist das Aroma der gekochten Rindersehne gelagert. Obwohl das auch Stelze genannte Stück vom Rinderbein einen extrem tiefen, anhaltenden Geschmack der mit Sternanis und Zimt akzentuierten Brühe mitgegeben hat, besitzt es noch einen höchst angenehmen Biss und vor allem unvergleichlichen Ausdruck.

Intensives Geschmackserlebnis

Von ähnlicher Intensität ist der Topf mit Lammrippchen, dessen Schotenschärfe von viel Knoblauch quasi in die Breite gezogen wird, und auch der Seefisch mit Sojasprossen und hypnotischem Sichuan-Pfeffer sowie die schmalen Streifen vom Schweineohr (Österreicher könnten sie mit Beuschel verwechseln), wie ein Salat angemacht mit Chiliöl und Koriander.

Gurkensalat und Meeresfrüchtesuppe auf chinesische Art

Selbst noch so profane Dinge wie ein grüner Gurkensalat, sautierte breite Bohnen oder die Meeresfrüchtesuppe mit Seidentofu und gequirlten Ei sind weit von dem entfernt vom risikolosen Duktus, der Speisegaststätten aus dem Reich der Mitte bei uns üblicherweise zu eigen ist. Herauszuheben wären noch die frittierten Sichuan Sesam Knödel mit Klebereisfüllung (sie eignen sich vorzüglich zum Eintunken in die rötlich schimmernden Saucen) und die nur leicht geschärften geschmorten Auberginenstäbe in süßlicher Soyatunke. Eher abzuraten ist von den Teigtaschen, zuzuraten ist eine vorherige Reservierung.

Thomas Platt, rbbKultur

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