Cafè LaMa Wilmersdorf
Bild: lama.cafe

Café in Wilmersdorf - "LaMa"

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Berlin ist keine Stadt mit ausgeprägter Kaffeekultur. Dies könnte prinzipiell eine gute Nachricht sein, denn so besteht die Hoffnung, dass wenigstens der Kaffee, also das Namens gebende Getränk, öfter mal in Ordnung ist. Denn in Kaffeestädten bekommt man es selten in einer Qualität, die nicht zu beanstanden wäre. In Wiener Kaffeehäusern zum Beispiel ist der Kaffee schauderhaft, was zählt, ist die Atmosphäre.

Womöglich handelt es sich dabei um das wichtigste Gut eines Cafés, denn dort tritt man zumeist nicht mit ähnlich festem Vorsatz ein wie in ein Restaurant. Eher wird man hineingeweht, und ehe man sich recht versieht, hat einen die Stimmung schon mitgenommen in Richtung Entspannung. Bei vielen dieser Stätten wird man jedoch das Gefühl nicht los, dass man vielleicht nur deshalb dort willkommen ist, weil es das Bild vom Café vervollständigt

LaMa ergänzt die Wilmersdorfer Café-Konzepte

Nicht im "LaMa". Im Gegenteil, es ergänzt dieWilmersdorfer Café-Konzepte um ein wichtiges Element. Mit dem "Café Bernstein" ist ein Traditionsort benachbart, der wie so viele andere auch einer Modernisierung zum Opfer gefallen ist, die es nun aussehen lässt wie die Coffeeshop-Filiale mit Breakfestofferte auf Englisch.

Ganz in der Nähe liegen das an den Wiener Typ angelehnte "Manzini" mit seinen livrierten Kellnern und einem unausgesprochenen Komment, der Künstler genauso anzieht wie Manager und Medienleute sowie das levantinisch-amerikanische "Benedict" aus Tel Aviv mit Frühstück von morgens bis mitternachts. In diesem Umfeld übernehmen die zwei ineinander laufenden Räume mit ihren spiegelblanken Panoramaschaufenstern (im Winter noch ein Hinterzimmer) den Part der jungen und vor allem auch jugendlichen Gründung. 

Zwischen Lounge und Mittagsbar mit etwas Industrial-Design

Im Stil gelagert zwischen Lounge, Mittagsbar mit einem Schuss Industrial-Design sowie auch ein bisschen Mutter-Kind, kann man sich am Nordufer des Hohenzollerndamms richtig ausbreiten (was etwas anderes ist als gehenlassen), ohne andere zu behelligen oder von ihnen gestört zu werden. Es liegt eine Unbekümmertheit in der Luft, die durchaus anstecken kann. Gefördert wird sie vom Kaffee, der hier endlich einmal tadellos ist (womit die Regel durchbrochen wird, dass in guten Cafés der Kaffee bloß mäßig ist), im Aroma röstig und mahlfrisch, einen Augenblick auch pfeffrig, ausgestattet mit einem karamelligen Körper, dessen Ausdruck Malz einschließt.

Café LaMa
Bild: Café LaMa

Mittagstisch deutlich über Kantinenniveau

Zu einem sogenannten Tagescafé gehört ein sogenannter Mittagstisch. Obwohl man den Grußruf "Mahlzeit!" hier schwerlich zu hören bekommen wird, gehören die Speisen in genau jene Klasse, allerdings deutlich über Kantinenniveau. Sowohl der säuerliche Linsen-, Bete-Möhre-Kartoffel- oder Brokkoli-Eintopf, das Hühner-Frikassee mit Erbsen, Möhren und Reis oder ein leider wenig gebuttertes Kartoffelpuree mit Spinat-Porree-Sauce und Bio-Spiegeleiern, die Pastasorten, eine gelungen mit Gorgonzola und Spinat, die andere, Penne, ebenfalls mit Huhn, wegen zu schwerer Sahnesauce am Thema (und am Esser) vorbei gekocht.

Keineswegs selbstverständlich dürfte sein, dass alles im Haus von einem veritablen Koch hergestellt wird, in der Regel aus Öko-Zutaten. Ebenfalls engagiert gemacht sind die vorwiegend mediterran inspirierten, voluminösen "Sauerteigstullen", beispielsweise mit Betecrème, Zucchinihobeln und Oregano, Brie, Birne, Feigensenf und Walnüssen oder mit Spiegeleiern, Serranoschinken und Avocado.

Kuchenempfehlung

Zu großer Form auf läuft das LaMa beim Kuchen. Prachtvolle Torten und glitzernde Schnitten gibt es nicht und auch sonst bleibt die Form offen wie beim Apfel-Pfirsich-Streusel oder Apfel-Aprikose auf Mürbteigboden, Käsekuchen mit und ohne Grieß, Zitronensandkuchen, Rührkuchen mit Apfel und (zum Teil auch in veganer Ausführung). Obwohl sie, wie gesagt wird, mit einer Messerspitze Pi mal Daumen hergestellt werden, nähert sich manches Süßwerk dem des Neuköllner Großmeisters "Martins Place" an.

Café LaMa
Bild: Café LaMa

Sobald die Sonne sich blicken lässt, sitzen die ersten schon auf der ausladenden Boulevard-Terrasse. Das Trottoir ist so breit, dass man gewiss auch von einem urbanen Strand sprechen kann. Den Wellengang dahinter ersetzen sechs Spuren mit brausendem Verkehr. Sehenswert ist die Kirche am Hohenzollernplatz schräg gegenüber, ein immer noch kühn wirkendes Zeugnis expressionistischer Architektur. Entworfen wurde sie von Joseph Klarwein, der nach seiner Flucht aus Deutschland in Israel bedeutende Gebäude errichtet hat, darunter der monumentale Kornspeicher im Hafen von Haifa, das Wahrzeichen der Stadt, und die Knesset in Jerusalem. 

Thomas Platt, rbbKultur

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