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Bild: seren dal / BRLO Gastronomie

Restaurantkritik - Die Stunde der Take-aways: "BRLO" und "Cookies & Co"

Von den Schließungen als erste betroffen, wird die Gastronomie wohl noch länger im künstlichen Koma ausharren müssen, und auch nach den sogenannten Lockerungen werden Abstandsvorschriften in den Restaurants das Platzangebot halbieren.

Während die einen die leere Zeit als Urlaub betrachten, andere den Kopf in den Sand stecken, versuchen viele mit einem Abhol- und Lieferservice wenigstens einen Teil der vorherigen Einnahmen hereinzubekommen. Zu ihnen gehört Ben Pommer, der als Chefkoch und Manager das moderne Brauereirestaurant "Brlo" führt.

BRLO

Man kann beim Containerdorf am Rande des Gleisdreieck-Parks ab Mittag vorbeischauen, um an einem der Biergarten-Stände eine Bratwurst vom Havelländer Bioschwein mit Kartoffel-Gurkensalat in Empfang zu nehmen (man darf auch mit dem Auto vorfahren, um am Werksverkauf Bierkästen einzuladen; ausserdem Lieferservice bis 19 Uhr) oder Speisen abholen, die man zu Hause in fünf bis maximal eine Viertelstunde am Herd verzehrfertig macht.

Pommer hat sich gegen die Ausgabe warmer Speisen entschieden, weil er seine Speisen so serviert sehen will, wie sie gedacht sind. Deshalb sind seine Schritt für Schritt-Anleitungen bereits Vorstufen eines Kochkurses und dürften auch darum Anklang finden. Dieses Verfahren hat zudem den Vorteil, dass man sich mit Gerichten für mehrere Tage eindecken kann. Ihr Charakter bietet nicht nur herzhaften bis sublimen Genuss, sondern erlaubt auch einen Ausblick auf die Küche nach der Katastrophe.

Mit Kochanleitung

In ihr wird Gemüse und Varianten beziehungsweise die Präzision seiner Zubereitung eine weitaus größere Rolle spielen, als das bis dato der Fall ist. Dafür sind Pommers im Smoker geräucherter und dann im Ofen gebackener Blumenkohl mit Pale Ale-Glasur und Schnippelbohnen-Vinaigrette (das Signatur Dish des Hauses) und der ebenfalls leicht geräucherte Brokkoli als Püree mit Nussbutter und im ganzen gebacken mit fermentierten Radieschen sowie Feta gute Beispiele.

Fermentierter schwarzer Knoblauch im Kartoffelpüree bildet gewissermaßen die Tonart des gegrillten Rippenbogens (dem "Louisiana-Cut") von Tieren aus der Schwäbisch-Hällischen-Erzeugergemeinschaft, ergänzt von einer Honey-Whisky-Barbecuesauce. Beim mit Nussbutter vakuumierten und vorgegarten Spargel spielt die Zubereitungszeit eine entscheidende Rolle — in wohltuendem Unterschied allgemeinen Gemüsetradition. Spargel wird mit gebeiztem Lachs angeboten.

Cookies & Co.

Obwohl im Brlo das Spitzeneis von "Rosa Canina" angeboten wird, kann man zu Dessertzwecken (und überhaupt) auch das "Cookies & Co." ansteuern. Die kleine Bäckerei mit Ladencafé ist ohnehin ein enormer Gewinn für Berlin, denn dort folgt eine Frau nicht nur Backrezepten, sondern zugleich eine Berufung.

Mira Koretzky aus Moskau, die über Tel Aviv ihren weg auf den Prenzlauer Berg fand, ist eine Königin des Blätterteiges. Ihre mit verschiedenen Füllungen versehenen zylindrischen Brioches (darunter Ananas-Ingwer-Zitronengras, Haselnusscrème mit gerösteten Mandeln, Schwarzwälder Kirsch und Erdbeer-Aperol oder auch mit Bacon und Cream Cheese) können als Nachtisch genauso dienen wie als Frühstück oder eben als kleines Zwischenhoch irgendwann am Tag.

Zuletzt erfand sie Cookies mit Miso und Erdnussbutter. Diese grandiosen Großplätzchen, in denen Salz, Karamell und Röstnoten sich aneinander steigern, übertreffen mühelos das Ausdrucksspektrum so mancher Torte. Auch bei Mira Koretsky scheint es ratsam, nicht nur den aktuellen Appetit zu stillen.

Thomas Platt, rbbKultur

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