El Almacen de Fausto; © Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Argentinisches Café - "El Almacén de Fausto"

Einfache, liebevoll zubereitete Gerichte, von lateinamerikanischen Klassikern wie Burrito, Enchilada und Empanada bis Pasta, Milanesa a la Napolitana und anderen Spezialitäten der italienischen Einwanderer: Im kleinen argentinischen Café mit Kreuzberger Kiezatmosphäre erwecken sowohl die Küche als auch die entspannte Stimmung Urlaubsgefühl.

Essen gehen ist zurzeit auch ein bisschen wie verreisen, nach all den Wochen aufgezwungener Häuslichkeit. Wenn das Wetter auch noch mitmacht, wie es in den letzten Tagen der Fall war, können wir irgendwo sitzen und uns fast schon wie im Urlaub fühlen. Dafür sorgt zum Beispiel das kleine Lokal "El Almacén de Fausto" in der Katzbachstraße, zwischen den Berliner Bezirken Kreuzberg und Schöneberg.

"Almacén" heißt in Spanisch "Warenhaus", und das passt sogar ein bisschen zum Lokal, weil es auch eine Art Wein- und Feinkostladen ist, mit Wein- und Olivenöl-Flaschen, Pasta-Packungen, Sardinen und anderen Delikatessen in den Regalen. Andererseits ist das "Almacén" auch eine Art Wohnzimmer-Restaurant, das aus zwei Räumen besteht, mit hohen Stuck-Decken, ausgefallenen Tapeten an einigen Wänden und altmodischen, geschmackvoll ausgesuchten Möbeln: Die alte Holzgarderobe mit Intarsien ist ein echtes Prachtstück!

Innen stilvoll, außen sommerlich und urban

In Zeiten der Distanzierung wird es noch schwieriger, in den hübschen Räumen mehr als ein paar Tische unterzubringen, aber die Fenstertüren sind komplett offen, so dass es auch drinnen luftig ist. Aus den drei, vier Tischen, die immer draußen waren, sind jetzt acht oder neun geworden, da die Lokale sich jetzt coronabedingt auf den Bürgersteigen breitmachen dürfen. Die Katzbachstraße mit ihren großen Bäumen ist an sich zwar schön, aber tagsüber sehr stark befahren. Ab 18 Uhr ist die Rush Hour vorbei, und so wird das Draußensitzen gemütlich.

Jenseits von Steak

Argentinische Küche steht meist für Fleisch, bzw. für üppige Steaks vom Grill. Das trifft aber auf das Angebot im "El Almacén" nicht zu. Zum Standardangebot gehören kleine Bistrogerichte, vor allem lateinamerikanische Klassiker wie Burritos und Enchiladas – Wraps aus Mais- oder Weizentortillas mit Hühnchen, Rindfleisch oder Gemüse gefüllt – oder Empanadas – kleine gefüllte und gebackene Teigtaschen – sowie Mangosalat mit Curry-Vinaigrette. Fleisch gibt es in Form von Milanesa à la Napolitana, einer Schnitzelvariante mit Tomaten, Kochschinken und Käse-Topping, die die italienischen Einwanderer in Buenos Aires eingeführt haben.

Großmutters Erbe

Eine argentinische Kollegin erzählte mir, dass die Küche ihrer Heimat im Wesentlichen zwei Einflüsse vorweise: Die, deren Vorfahren aus Spanien stammen, würden ständig Fleisch essen wollen, und diejenigen mit italienischen Vorfahren würden Pasta bevorzugen. Bei Fausto, dem Wirt, trifft letzteres zu, denn seine Großmutter stammte aus Italien. Und tatsächlich erinnern die italienischen Gerichte, die Argentinier lieben, an die Art zu kochen, die in Italien in den Sechziger-, Siebzigerjahren üblich war: seien es Pasta-Gerichte oder ein Dessert wie Flan.

Bei Fausto schmeckt der Flan exakt wie der Crème Caramel meiner Mutter, als ich klein war: sehr üppig, mit vielen Eiern gemacht, ohne Sahne, nur mit Milch, die stundenlang gekocht und reduziert wird, und dann lange im Ofen im Wasserbad gegart, bis auf dem Karamell kleine Bläschen entstehen. Eine ziemliche Kalorienbombe, aber gut und absolut authentisch.

Aber selbst ohne Kindheitserinnerungen lassen sich im "El Almacén" angenehme Stunden verbringen, bei unkomplizierten, aber liebevoll zubereiteten Gerichten und ebenso unkomplizierten Weinen. Und einem freundlichen Gastgeber, der jeden empfängt wie bei sich zu Hause.

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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