Frau Bünger macht Mittag: Mirella Bünger und Ihre Geschäftspartnerin Claudia Schulz; © Thomas Platt
Bild: Thomas Platt

Selbstbedienungsrestaurant - "Frau Bünger macht Mittag"

Bewertung:

Ein Metzgerei-Imbiss als Mittagsadresse, der mal kein Ort zur schnellen Abfertigung Hungriger ist. Wer "Frau Bünger" eigentlich ist und wie es ihm geschmeckt hat, verrät unser Restaurantkritiker Thomas Platt.

Sie geben sich die größte Mühe, dass die Kartoffeln nicht in die Nähe jenes jämmerlichen Zustands geraten, der für Kantinen typisch ist. Sie nehmen auch nicht irgend eine Sorte, sondern es sind straffe, gelbfleischige Drillinge, die butterbeglänzt in einer irdenen Form liegen, gleich neben Bouletten, tüchtig mit Majoran gewürzt und ein wirklich seltenes Mal in Berlin: nicht versalzen.

Es dürfte sich zudem seit Menschengedenken um die ersten Klopse dieser Art handeln, denen man etwas weniger Fleisch und ein bisschen mehr Brötchenanteil wünscht. Gerade dass sie den Einwand nicht ganz verstehen, zeigt auch, dass sie keinesfalls mit einer Betriebsküche oder Mensa verwechselt werden möchten. Dies unterstreicht der Kartoffel-Gurkensalat mit geschmälzten Zwiebeln, einer der besten der Stadt.

Metzgerei-Imbiss als urbane Mittagsadresse

Sie – das sind Mirella Bünger und Ihre Geschäftspartnerin Claudia Schulz. Die eine ist die Gattin von Berlins renommiertesten Metzger, dem Fleischsommelier Jens-Uwe Bünger, und betreibt noch die Müsli-Manufaktur "Goldkörner", die andere besitzt reiche Erfahrung in der Berliner Gastronomie. Beide haben ein Faible fürs Kochen und Begasten. Am ehesten ist diese urbane Mittagsadresse einem Metzgerei-Imbiss verwandt, allerdings ohne dessen so häufig arg ernüchternde Atmosphäre mit Stehtischen vor der Türe und einer schmalen Anrichte in der Ecke eines Verkaufsraum.

Stattdessen steht bequemes Mobiliar auf dem Pflaster und im Innenraum, das luftig gestaltet wurde. Am Kopfende des Raumes erheben sich die Vitrinen, eine gekühlt, eine für Warmes, und der verbindende Tresen wie ein Altar, im Hintergrund mit einem modernen Ofen als Tabernakel. Übrigens: Das Flair des nahen Savignyplatzes ist hier unbehelligt zu spüren.

Frau Bünger macht Mittag: Mirella Bünger und Ihre Geschäftspartnerin Claudia Schulz; © Thomas Platt
Bild: Thomas Platt

Kein Ort zur schnellen Abfertigung Hungriger

Unter Wärmestrahlern liegt der exzellente Fleischkäse mit Chili, ohne dabei sonderlich zu schwitzen. Ihn kann man mit einem Klacks süßen Senf stilgerecht im Laugenbrötchen davontragen. Allerdings ist der Ort nicht für die schnelle Abfertigung vieler Hungriger gedacht, sondern zum Verweilen - etwa bei Rahmspinat mit Spiegelei und den bereits genannten Drillingen.

Die großzügige Zugabe von Sahne gibt den schlappen grünen Blättern einen süßlichen Ton, der auch deshalb nicht jedermanns Sache sein dürfte, weil ihm zum Beispiel mit Pfeffer oder Muskat kein Kontrapunkt gegenübersteht. Die Lieblichkeit beherrscht auch die Gemüsetaler, die beinahe vollständig aus Kruste bestehen und den vorzüglichen, nämlich diskret gewürzten Kräuterquark ein wenig in den Schatten drängen.

Ambitioniertes Dessert

Dafür können sich die Champignons in der Rahmsauce aromatisch gut entfalten und bekommen mit Köttbullar einen Partner, deren Rustikalität sich in Grenzen hält. Insgesamt gelingt es am Zusammenfluss von Bleibtreu- und Niebuhrstraße recht gut, die pragmatische Seite eines Imbisses mit einer gewissen Eleganz, ja mit Stil zu verbinden - und das bei Preisen fast durchweg unter 10 Euro.

Der Crumble als Dessert, im Grunde ein Streuselkuchen ohne Boden, mit roten Früchten, Mandelsplittern und einem hintergründigen Orangenton signalisiert, dass die Ambitionen der beiden Damen sich so bald nicht zur Ruhe setzen werden.

Thomas Platt, rbbKultur

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