Take Away © imago images / Sabine Gudath
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Pfand- und Leihsysteme - Take Away ohne Verpackungsmüll

Restaurantbesuche sind zurzeit nicht erlaubt, aber viele Lokale bieten Essen zum Mitnehmen an oder liefern Gerichte direkt nach Hause: eine angenehme Abwechslung für die, die müde sind, jeden Abend selbst am Herd zu stehen. Eine unökologische und unästhetische Folge ist die Verpackung - von Styropor- und Aluschalen bis Plastikboxen und Pizza-Kartons. Zu Einwegbehältern gibt es aber mittlerweile nachhaltige Alternativen, wie Pfand- oder Leihsysteme, die Essen zum Mitnehmen auch viel ansehnlicher machen.

Einweckgläser eignen sich für den Transport von Suppen und Eintöpfen sehr gut. Der nostalgische Look macht sie beliebt und erklärt wahrscheinlich auch, warum einige Supermärkte, Gaststätten und Feinkostgeschäfte sie als Pfandbehälter verwenden. Allerdings sind sie schwerer und zerbrechlicher als Kunststoff. So greifen einige der Mehrwegsysteme, die in den letzten Jahren entwickelt worden sind, doch eher zu diesem Material.

Auch infolge der Vorschriften der EU und der Bundesregierung, die der Gastronomie vorschreiben, Einweg-Plastik zu reduzieren, haben sich Firmen und Projekte Gedanken über umweltverträgliche Alternativen gemacht.

Pfand- oder Leihsysteme

Deutschlandweit zu finden sind die grünen Kunststoff-Mehrwegschalen mit Deckel des Pfandsystems REBOWL, vom selben Start-up entwickelt, das die Coffee-to-go-Mehrwegbecher ReCup in Umlauf gebracht hat. 5,- Euro Pfand kostet die Schale. Diese kann bei allen Restaurants zurückgeben werden, die das System benutzen.

So funktioniert es auch bei RECIRCLE, einem Mehrwegsystem, das in Berlin noch wenig verbreitet ist. Für die auberginefarbenen Kunststoffschalen in 4 verschiedenen Größen sind 10,- Euro Pfand fällig.

Mit oder ohne?

Bei mehreren Portionen könnte die relativ hohe Auslage zur Motivationsbremse werden. So gibt es als Alternative auch Mehrwegsysteme ganz ohne Pfand, wie z.B. VYTAL, auch deutschlandweit aktiv. Die meist urbane und digitalaffine Kundschaft registriert sich vor dem ersten Kauf in einer App. Die Kunststoffgefäße erhält man mit dem Essen als Leihgabe. Die einzige Bedingung: die Behälter sollen innerhalb von zwei Wochen bei einem der Restaurants zurückgegeben werden, die bei diesem System mitmachen, sonst fallen Gebühren an.

Öko aus Plastik?

Die meisten Mehrwegbehälter sind immer noch aus Plastik. Da stellt sich die Frage, ob man sie überhaupt als nachhaltig bezeichnen kann. Laut Auskunft der Unternehmen ist das Material - meist Polypropylen - 100% recycelbar, BPA-frei, also ohne gesundheitsschädliche Chemie, mikrowellen- und spülmaschinenfest - und die Behälter können mindestens 200x benutzt werden.

Aber für diejenigen, die lieber Metall als Plastik mögen, gibt es auch stylische Behälter aus Edelstahl mit Retro-Look der Firma EcoBox. Diese verwendet das Berliner Projekt TIFFIN-LOOP, gegen ein Pfand von 15,- Euro.

Auf den Homepages der Firmen, die Mehrwegsysteme anbieten, finden sich auf einer Karte Namen und Adressen der Restaurants und Feinkostgeschäfte, die am System teilnehmen.

Kein "Covid To Go"

In Zeiten der Pandemie könnte man bezweifeln, ob eine Rückgabe von gebrauchtem Leergut überhaupt hygienisch sei. Die Vorschriften untersagen aktuell nur das Nachfüllen von mitgebrachten Gefäßen seitens der Restaurants. Das heißt, das Leergut, das zurückgegeben wird, darf nicht in die Küche, sondern muss zum gebrauchten Geschirr abgelegt und in der Spülmaschine bei 80 Grad gespült werden.

Es wäre zu erwarten gewesen, dass es durch die Pandemie auch in Sachen Verpackung Rückschritte geben würde. Die Lokale, die Mehrwegsysteme anbieten - meistens Restaurants mit hohem Qualitätsanspruch oder mit vegetarisch-veganer, junger und umweltbewusster Kundschaft - berichten lediglich von einem kleinen Einbruch zu Beginn des ersten Lockdowns, als die Übertragungswege von Covid-19 noch nicht klar waren. In den letzten Monaten sei die Nachfrage aber wieder gestiegen.

Noch seien die Kundinnen und Kunden, die anstatt der üblichen Einwegverpackung Mehrwegschalen verlangen, zwar immer noch eine Minderheit, aber das Interesse nimmt zu - wahrscheinlich auch, weil viele in den Lockdown-Monaten gemerkt haben, wie schnell zu Hause der Plastik- und Papiermüll wächst.

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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