Eine Handvoll Kaffeebohnen © Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Gute Qualität zu günstigem Preis - ist das möglich? - Was macht guten Kaffee aus?

Kaffeetrinker haben in diesem von Pandemie und Lockdown geprägten Jahr wahrscheinlich noch mehr Kaffee getrunken als sonst. Und sich letztendlich gefreut, dass Kaffee für ein Luxusgut gar nicht so teuer ist. Warum eigentlich? Kann es hochwertigen Kaffee so günstig geben? Garantieren Bio- und Fair Trade-Siegel eine höhere Qualität und bessere Arbeitsbedingungen für die Produzenten?

Kaffee ist ein Riesengeschäft: der Konsum nimmt stets zu und das Angebot im Supermarkt wird immer weniger überschaubar. Was auffällt: die Preise für ein Luxusgut wie Kaffee sind relativ niedrig. Kein Wunder: Supermarkt-Ketten bieten Produkte wie Kaffee oder Olivenöl oft unter dem Preis an - als Lockangebote. Bei den Verbrauchern entsteht dann leider der Eindruck, das sei der reale Preis für Kaffee.

Niedrige Einkaufspreise

Aber auch ohne Sonderangebote kostet Kaffee im Supermarkt im Schnitt um die 10 Euro pro Kilo. Einmal die Kaffeesteuer abgezogen, die Röster bezahlen müssen, bleiben weniger als 8 Euro übrig. Transport- und Verpackungskosten und der Gewinn des Supermarkts lassen zusätzlich die Gewinnmarge schrumpfen. Um dennoch lukrativ zu arbeiten, setzen die großen Importeure niedrige Einkaufspreise durch.

Viel Aufwand, wenig Gewinn

Ein Kilo Rohkaffee kostet auf dem Weltmarkt - mit Schwankungen - ca. 1,60 bis 1,70 Euro. Das bleibt für die Qualität des Kaffees nicht ohne Folgen. Anbau, schnelle Verarbeitung nach der Ernte, das Aussortieren der schlechten oder unreifen Kirschen, Waschung, Fermentierung und Trocknung unter ständigem Wenden: der komplexe Produktions- und Verarbeitungsprozess, der so wichtig für die Qualität des Kaffees ist, verlangen eine Sorgfalt, die bei solchen Preisen schwer zu leisten ist.

Caffelatte Sunrise © Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Erst recht nicht, wenn Kaffee zum Beispiel per Hand geerntet werden soll, wie im Hochland von Äthiopien oder Kenia. So stammt der Kaffee, der günstig im Supermarkt zu finden ist, hauptsächlich aus Monokulturen, aus großen Plantagen in Südamerika und Vietnam. Oft kaufen Röster einen Anteil besseren Kaffees, vermischen ihn aber mit Kaffeebohnen minderwertiger Qualität. Das Ergebnis ist der 0-8-15- Kaffee, der schwarz wie Kohle geröstet wird, damit er überhaupt noch einen Geschmack hergibt und von dem einem übel wird.

Aber dadurch, dass viele Kaffee mit viel Milch trinken, merken sie es nicht. Deutschland gilt ohnehin unter Fachleuten als das Land mit der schlechtesten Kaffeequalität. Unter 15 Euro pro Kilo gerösteten Kaffee sei keine akzeptable Qualität zu erwarten, selbst wenn auf der Packung ein Fair Trade- oder Bio-Siegel steht.

Qualität ist die beste Selbsthilfe

Fair Trade garantiert keine gute Qualität, sondern zahlt den Kaffeebauern gegen die Einhaltung von sozialen, ökologischen und ökonomischen Standards einen Mindestpreis, falls der Weltpreis für Kaffee unter ein bestimmtes Niveau fällt. Die Bauern erhalten aber keinen Anreiz dazu, Anbau und Verarbeitung zu verbessern, um durch eine höhere Qualität dauerhaft bessere Preise zu erzielen - und schließlich der Armutsspirale zu entkommen. Außerdem kostet jede Zertifizierung Geld - so wie auch die Biozertifizierung. Die Kaffeebauern bekommen zwar mehr für ihre Produkte, müssen aber die Kosten für die Zertifizierung bezahlen - und am Ende bleibt wieder wenig übrig.

Viele kleine Röstereien, die auf Qualität setzen, verzichten daher bewusst auf Siegel. Sie kaufen hochwertigen Kaffee direkt bei Kooperativen: zu einem höheren Preis als dem Marktpreis, sind im engen Kontakt mit den Bauern und erhalten dadurch einen Einblick darüber, wie Kaffee produziert und verarbeitet wird. Ihr aromatischer Kaffee ist daher viel teurer als der aus dem Supermarkt, aber in der Regel auch viel besser.

Allerdings spenden einige, wie zum Beispiel der Online-Shop "Coffee Circle" aus Berlin, einen Teil der Einkünfte für Gesundheits- und Bildungsprojekte, die direkt in den Dörfern umgesetzt werden, und unterstützen die Bauern mit professioneller Fortbildung, damit sie einen besseren Kaffee produzieren, mehr Geld verdienen und Interesse haben, die Landschaft zu schützen, in der der Kaffee wächst.

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

Weitere Rezensionen

Take away Essen © www.imago-images.de
www.imago-images.de

Take Away-Empfehlungen - Kochboxen mit Herz

Irgendwann werden sie ja mal wieder aufmachen dürfen, die Restaurants. Und vielleicht haben manche in der Lockdown-Zeit sogar neue Ideen entwickelt und ihre Küchentechniken verfeinert. Unser Gastrokritiker Thomas Platt stellt heute drei Restaurants vor, die für ihre Take-Away-Kunden äußerst bemerkenswerte Kochboxen kreiiert haben.

Download (mp3, 5 MB)
Osterlamm auf griechische Art; © dpa/gourmet-vision
dpa/gourmet-vision

Ein unkompliziertes Festtagsgericht mit Tradition - Osterklassiker Lamm

Kaum ein Gericht hat mehr symbolischen Wert, wenn es um die Osterküche geht: Das Lamm steht im Christentum stellvertretend für das Opfer Jesu. Aber auch in anderen Religionen hat das Lamm einen großen Stellenwert. Das erklärt sich auch damit, dass es das einzige Tier ist, dessen Haltung auch in schwierigen landschaftlichen und klimatischen Verhältnissen möglich ist. Außerdem haben Lammgerichte auch den Vorteil, dass sie unkompliziert sind und immer gelingen: ob als Grillgut, Ofenbraten oder geschmorter Eintopf.

Download (mp3, 4 MB)
Radicchio – Tardivo di Treviso; © Elisabetta Gaddoni
Elisabetta Gaddoni

Das zartbittere Gemüse veredelt jedes Gericht - Radicchio: Die Blüten des Winters

Für Spargel, Spinat und anderes regionales Frühlingsgemüse ist es noch zu früh. Dafür finden wir im Handel noch bis Mitte/Ende April die edelsten Gewächse, die der Winter hervorbringt: "Tardivo di Treviso" und "Variegato di Castelfranco" - zwei Radicchio-Spezialitäten aus Venetien, die jedes Gericht - von Pasta und Risotto bis Salat und Quiche - veredeln.