Ackerbohnen mit Pecorino; © Elisabetta Gaddoni
Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Den Frühling kulinarisch begrüßen - 1. Mai-Menü für Daheimgebliebene

Am 1. Mai fahren viele ins Grüne, machen Ausflüge und picknicken. So wäre es auch dieses Jahr, wenn das Wetter mitmachen würde und die Pandemie vorbei wäre. Denjenigen, die den Feiertag zu Hause verbringen und den Frühling kulinarisch begrüßen möchten, sei ein unkompliziertes Menü empfohlen, das Zutaten wie Ackerbohnen, Brennnessel und Rhabarber leicht und genießerisch zusammenbringt.

Ackerbohnen sind die klassische Zutat für den Salat, der in Italien bei 1. Mai-Ausflügen unentbehrlich ist. Für "Fave e pecorino" werden die ganz jungen, zarten Ackerbohnen verwendet, die noch nicht geschält und gegart werden müssen. Um diese Hülsenfrüchte zu kosten, ist jetzt genau die richtige Zeit. In wenigen Wochen werden sie hart und bitter sein: Kein Wunder, dass man sie früher für den Winter getrocknet oder schlimmstenfalls an die Tiere verfüttert hat – so erklärt sich vielleicht der unelegante Spitzname "Saubohnen".

Mit Olivenöl, Salz, Pfeffer und geraspeltem Schafskäse angerichtet, sind sie der farbenfrohe Auftakt beim Picknick, für den Gruppen und Familien am 1. Mai rituell die Stadt verlassen. Nur, dass anstelle der sogenannten "gita fuori porta" - des Ausfluges "außerhalb des Stadttores" - dieses Jahr eher ein Ausflug nicht viel weiter als außerhalb der Haustür möglich sein wird.

Halb so wild

Ein kurzer Spaziergang reicht aus, um eine der Zutaten für das Gericht zu besorgen, die uns mit diesem etwas gedämpften Feiertag versöhnt: Brennnessel. Die sonst listigen Pflanzen sind in dieser Jahreszeit auch jung, zart, wenig stachelig und kulinarisch interessant. Sind diese höher als 20 bis 25 cm, neigen die Blätter dazu, zu faserig und bitter zu werden; außerdem steigt die Konzentration am nicht so gut verträglichen Oxalat.

Mit Handschuhen, Schere und einem großen Sack gilt es, so viele Jungtriebe wie möglich mitzunehmen, da die Ernte beim Kochen extrem schrumpft. Für Kartoffelgnocchi mit Brennnessel brauchen wir mindestens eine gute Handvoll gekochter Brennnessel, die dann fein gehackt werden. Für den Teig brauchen wir dann noch Parmesan, etwas Ei und Mehl, Muskat und Pfeffer - und Butter zum Anrichten. Vielleicht kein wirklich leichtes Low-Carb-Gericht, aber dafür ist Brennnessel sehr gesund: Seit Jahrhunderten ist sie als Heilpflanze bekannt, wirkt basisch und enthält jede Menge Vitamine und Mineralien, vor allem Eisen - vorausgesetzt, man pflückt sie nicht am Straßenrand.

Brennnessel soll eine bereinigende Wirkung haben - nicht nur für den Körper, sondern auch für die Seele, denn schon der berühmte König Babylons, Nabucodonosor, soll sich sieben Jahre nur von Brennnesseln ernährt haben, um seine Weisheit wiederzufinden. Es ist also nicht auszuschließen, dass das Kraut auch gegen finstere Pandemie-Gedanken helfen könnte …

Rhabarber wehrt sich auch mittels Oxalat davor, zu massiv geerntet zu werden. Jungpflanzen sind daher auch wieder von Vorteil, weil sie wenig davon enthalten. Vor allem die dünnen roten Stauden des Himbeerrhabarbers passen besonders gut zu Desserts und Drinks. Mit frischem Ingwer und etwas Zucker gekocht und dann püriert, ergibt der Rhabarber eine sirupartige, fruchtige Creme, die sich bestens eignet, um beim Erdbeer-Tiramisù die Schicht Löffelbiskuit zu bestreichen.

Für den passenden Drink, einen Rhabarber-Ingwer-Spritz, gehört jeweils ein Löffel des Rhabarber-Ingwer-Pürees ins Glas. Dieses wird dann mit Eiswürfeln, Prosecco oder alternativ mit Bitter Lemon aufgefüllt, dazu kommen ein Zweig Minze und eine Erdbeere als Deko.

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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