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Take Away-Empfehlungen - Kochboxen mit Herz

Irgendwann werden sie ja mal wieder aufmachen dürfen, die Restaurants. Und vielleicht haben manche in der Lockdown-Zeit sogar neue Ideen entwickelt und ihre Küchentechniken verfeinert. Unser Gastrokritiker Thomas Platt stellt heute drei Restaurants vor, die für ihre Take-Away-Kunden äußerst bemerkenswerte Kochboxen kreiiert haben.

Man darf mit einer Menge Renaissancen rechnen, wenn denn die sogenannte Normalität peu à peu zurückkehren sollte. Zu ihr werden auch die Cafés und Restaurants gehören, die Hotelgastronomie, diverse Imbissstätten und nicht zuletzt auch viele Freundschaften. Ihre Wiederauffrischung wird sowohl an vertrauten Orten stattfinden als gezwungenermaßen auch an neuen. Denn ziemlich viele Gastronomiebetriebe werden das lange Verbot des Kerngeschäfts nicht überleben.

Schnitzel mit einem der besten Kartoffelsalate Berlins

Leicht wird dabei die Kneipe und ihre spezifische Art der Beköstigung übersehen; im guten wie im schlechten steht sie für das, was wir im Moment noch meiden müssen: die Nähe. Immerhin einen durchaus kulinarisch zu nennenden Vorgeschmack darauf bietet das "April" im Umkreis des Winterfeldtmarktes. In der beliebten Restauration mit der großen Boulevard-Terrasse, gibt es einfache, aber akkurate Gasthausküche. Sie ist mit einer tüchtigen Portion jenes Gewürzes versehen, das nirgends im Gewürzbord steht: mit Herz.

Die April-Inhaber Pamela und Bo Strohschein verpacken ein klassisches Schnitzel (16,50 Euro) im Großformat mit Kartoffelsalat und Grünsalat sozusagen in eine monothematische Kochbox. Die Hauptsache ist ziemlich wienerisch in der Machart, was auch für die Auswahl des Fleisches gilt. Denn in der namensgebenden Stadt bevorzugt ein Großteil der Gäste das gegenüber Kalb aromatischere Schweinefleisch. Dort schert man sich im übrigen nicht darum, dass diese Version in Deutschland von Amts wegen "Wiener Art“ genannt werden muss.

In der Hauptstadt Österreichs absolut konkurrenzfähig wäre auch der mit wenigen Zutaten auskommende, gradlinige Kartoffelsalat, ganz sicher einer der besten von ganz Berlin. Spitze Säure fährt da wie ein Pfeil durch die Kartoffel und schließt die Vorzüge der erdig-süßlich-speckigen Sorte Linda auf. Eine vorzügliche Weinauswahl sowie ausgesuchte Delikatessen im Schraubglas (darunter das hier bereits empfohlene, wohl unschlagbare sizilianische Tomatensugo von "Tùdia") runden ein Angebot ab, dessen Zukunft zu Teilen auch weiterhin in der sofagerechten Begleitung des Homechilling liegen dürfte.

Fluffig-feste Erbsenbratwürste

Keine Wiedergeburt nötig hat eine Küche, die auf tierische Zutaten ganz verzichtet. Während der Krise hat sich die vegane Ernährung als Trend fortgesetzt und vermutlich sogar beschleunigt. Der allgemeinen Suche nach Abwechslung auf dem Teller – über lange Monate durfte die Chuzpe reifen, gewohnte Pfade zu verlassen – kommt auf diesem Gebiet die "Schlemmerbox" (39 Euro) von Chefköchin Josita Hartanto vom Restaurant "Lucky Leek" mit erkennbarem Gestaltungswillen nach.

Aus einem Karton, dessen Rauminhalt vorbildlich genutzt wird, hebt der Hungrige als erstes zwei fluffig-feste Erbsenbratwürste und eine dunkle, herzhafte Boulette aus Soja- und Weizenprotein, die sich übrigens besser für einen Burger eignet als die meisten Pattys aus faserigem Rind. Die Käse aus Linsen, Kokosöl und Chili und aus Cashew mit getrockneter Tomate und Kräutern nach Art eines Frischkäses sind nicht nur als vielversprechende Innovationen interessant, sondern auch vom originellen Geschmack her und nicht zuletzt einem Mundgefühl, das die letzten Vorbehalte, die gegenüber einer früher als sektiererisch verschrieenen Ernährungsweise bestehen könnten, souverän beiseite schiebt.

Das cremige Reistatar "Better than Mett" mit Aubergine schließlich liefert eine überzeugende Begründung, warum das Lokal im Guide Michelin mit dem Bib Gourmand ausgezeichnet wurde. Für den trocken mitgelieferten mediterranen Couscous und das Dinkel-Mandel-Pancake-Pulver sollte man sich wenigstens ein bisschen in der Werkstatt auskennen, die jeder hat, der Küche.

Beliebte Sushi

Mit Renaissancen kennt sich die örtliche Sushi-Tradition bestens aus. Früh totgesagt, immer wieder auferstanden, im Grunde nie ganz weg, behauptet sich die Trendkost aus den Achtziger Jahren vor allem, weil sie zu den Fast food-Angeboten gehört, die konzeptionell am meisten überzeugen. Am Beispiel einer Auswahl von "Flying Fish Sushi" kann der Gast erleben, warum die mundgerechte Kombination aus rohem Fisch, ausgekühltem Reis und Algenpapier außerhalb Japans überhaupt so ungemein beliebt werden konnte.

Denn die meisten Stätten dieser ambulanten Beköstigung, bei denen Sushi zum Accessoire aus billigsten Zutaten verkommen ist, lassen eine solche Beobachtung nicht zu. Im ruhigen Schöneberg dagegen sind Butterfisch, Garnele, Flussaal, Krebsfleischimitat (Surimi) und Fischrogen sowie natürlich Lachs (hervorragend in karamellisierter Form!) und Thun in den typischen Rollen und Happen so gut vertreten, dass man ihrer tatsächlich gewahr wird und den Sinn des ganzen versteht. Avocado, Cranberry, Mayonnaise, Radicchio, Rucola, Schnittlauch, Sesam und Zitronenzeste akzentuieren – und signalisieren einmal mehr, dass man im Fliegenden Fisch mit dem erforderlichen Ethos zu Werke geht.

Thomas Platt, rbbKultur

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