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Ein kooperativer Supermarkt für Berlin - "SuperCoop": Die Supermarkt-Genossenschaft

Einen neuen Supermarkt in Berlin eröffnen, wo ohnehin fast an jeder Ecke einer steht: das klingt nicht besonders innovativ. Aber die "SuperCoop", die Food-Genossenschaft, die eine Gruppe junger Menschen jetzt gegründet hat, will anders sein: Der Supermarkt, den sie bald in den Weddinger Osram-Höfen eröffnen möchten, wird denen gehören, die dort einkaufen und sich ehrenamtlich engagieren. Daher suchen Initiatorin Johanna Kühner und ihre Mitstreiter*innen nach neuen Mitgliedern.

Food-Kooperativen, die Supermärkte betreiben, gibt es eigentlich schon lange. Sogar einige große Supermarktketten haben als Genossenschaft angefangen. Von den über 3.000 Foodcoops, die es zurzeit in Deutschland gibt, sind die meisten aber nur kleine Einkaufsgruppen für Bio- oder Fair-Trade-Produkte. Auf dem Land sind Foodcoops oft der einzige Weg, um die Grundversorgung zu sichern.

Die Vorbilder von Johanna Kühner und ihren Mitstreiter*innen sind aber anspruchsvoller: Die New Yorker "Park Slope Food Coop", die es seit 1973 gibt, zählt mittlerweile 17.000 Mitglieder; bei "La Louve", gegründet vor fünf Jahren von einem New Yorker in Paris, sind bis heute 5.000 Mitglieder aktiv.

Engagement und Mitbestimmung

Wiederum war es ein junger Mann aus Paris, der die Idee der "SuperCoop" nach Berlin getragen hat. Am Projekt eines gemeinschaftlichen Supermarkts arbeitet eine kleine Gruppe schon seit 2018, die Genossenschaft wurde aber pandemiebedingt erst Ende letzten Jahres gegründet. Bislang zählt diese über 130 Mitglieder. Um den nötigen Startkredit zu erhalten braucht, sie aber mindestens 500 Mitglieder.

In einer Crowdfunding-Aktion, deren Start für den 29. April geplant ist - abends und online-, wird Johanna Kühner zusammen mit ihrem Team und geladenen Gästen erklären, warum es wichtig ist, dass die Finanzierung des Projektes in der Hand der Mitglieder bleibt und nicht von großen Investoren abhängig ist. Die Höhe des Anteils, der gezeichnet werden muss, um Mitglied der "SuperCoop"-Genossenschaft zu werden, dürfte für die meisten zumutbar sein: 100 Euro, auch in Raten zahlbar. Jedes Mitglied verfügt dabei über eine Stimme - unabhängig von den gezeichneten Anteilen.

Bio und Vielfalt im Weddinger Kiez

Wenn sich genügend Mitglieder finden, wird nach dem Sommer die erste Filiale in den Osram-Höfen eröffnen, in Berlin-Wedding. Das Sortiment der "SuperCoop" wird hauptsächlich aus regionalen, biologisch erzeugten Produkten bestehen, aber aus Rücksicht auf die Kaufkraft der Kiez-Bewohner*innen wird es auch preisgünstigere Alternativen geben, wenn Bio-Produkte zu teuer sind. Was die "SuperCoop" jedenfalls gewährleisten will, ist Transparenz in der Preisgestaltung und in der Herkunft der Produkte. Gerade dies kommt in Supermärkten meist viel zu kurz, dabei sind faire Produktionsverhältnisse ein ebenso wichtiges Kriterium.

Damit die Genossenschaft Personalkosten spart und Produkte günstiger verkaufen kann, braucht sie so viele Mitglieder wie möglich, die bereit sind, drei Stunden im Monat mitzuarbeiten. Durch die Kooperationen mit lokalen Organisationen und Initiativen, wie dem Quartiermanagement und dem Projekt "Yeşil Çember", das die türkischsprachige Community für Umweltthemen sensibilisiert, möchte die "SuperCoop" viele Menschen aus der Nachbarschaft miteinzubeziehen. Der Supermarkt soll schließlich nicht für Gentrifizierung stehen, sondern Treffpunkt einer Gemeinschaft werden, für die Partizipation und Inklusion Priorität sind.

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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