Bento-Box; © Kaoru Iriyama
Kaoru Iriyama
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Liebe auf Japanisch - Bento-Box und Misosuppe

Noch mehr als in anderen Kulturen ist Kochen in Japan der beste Weg, um jemandem Liebe zu erweisen. Dies gilt zumindest für die Frauen: Von der frisch zubereiteten Miso-Suppe bis zur Lunch-Box, die Ehemännern und Kindern mitgegeben wird: die meisten Frauen stehen im Land der aufgehenden Sonne sehr früh auf, um ihre Familie mit liebevoll zubereitetem und abwechslungsreichem Essen zu versorgen.

Dass viele Japanerinnen heutzutage berufstätig sind und wenig Zeit haben, tut dieser Tradition keinen Abbruch, beobachtet Kaoru Iriyama, Köchin, Kochbuchautorin und Vermittlerin japanischer Esskultur in Berlin.

Eine Aufgabe mit Tradition

Wie wirbt in Japan ein Mann um die Hand einer Frau? Er sagt ihr, er möchte jeden Morgen mit dem Duft ihrer Miso-Suppe aufstehen. Dieser Spruch, der westliche Frauen sofort in die Flucht treiben würde, scheint selbst im heutigen Japan bei zukünftigen Bräuten immer noch zu wirken. Die Perspektive, ein Leben lang vor dem Ehemann aufzustehen und schon frühmorgens am Herd zu werkeln, wird offensichtlich als Ehre empfunden.

Die Familie mit gesundem und schmackhaftem Essen zu versorgen, ist in Japan immer Aufgabe der Frauen gewesen, meint Kaoru Iriyama, Köchin und Kochbuchautorin. Eigentlich ist sie als Doktorandin der Politikwissenschaft nach Deutschland gekommen, aber die Leidenschaft für das Kochen hat sie dazu gebracht, ein Jahr bei einem berühmten japanischen Küchenmeister eine Lehre zu absolvieren.

Heute ist sie in Deutschland für Events und Kochsendungen sehr gefragt. Aber eher als eine Köchin sieht sich Kaoru als Botschafterin der japanischen Esskultur. Dabei spielt die Erfahrung in der Sterneküche eine ebenso große Rolle wie das, was sie von den Frauen ihrer Familie gelernt hat.

Kaoru Iriyama; © Privat
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Alles Gute ist fünf

Früher waren die Frauen meistens nicht berufstätig und der Ehemann erwartete als Familienernährer liebevoll bekocht zu werden. So ist Kaorus Mutter auch immer früh aufgestanden und hat eine Miso-Suppe frisch zubereitet, die der Vater mit gegrilltem Lachs oder Makrele, fermentierten Bohnen und Reis aus dem Reiskocher zum Frühstück zu sich genommen hat.

Die Vorbereitung des Frühstücks war aber noch nicht alles: Hinzu kamen die Bento-Boxen, die liebevoll und vielfältig gefüllten Lunch-Boxen für das Mittagessen, die sowohl dem Vater als auch der Schülerin Kaoru mitgegeben wurden. Den idealen Inhalt hat Kaorus Großmutter so beschrieben: "Klein bisschen von Berg, klein bisschen vom Meer, klein bisschen vom Feld, alles in kleinen Portionen".

Bei den Zutaten, die sich nicht vermischen sollten – dafür ist die Bento-Box innen in verschiedene Bereiche aufgeteilt – sollten möglichst fünf Farben vertreten sein: weiß vom Reis, schwarz von Algen, braun oder gelb von den Eiern oder vom Omelette, vom Fisch oder Fleisch, rot und grün vom Gemüse. Wenn diese fünf Farben in einer Box zu finden sind, sei das Essen ernährungswissenschaftlich ausgewogen.

Band der Liebe - mittels Bento-Box

Gesundes Essen muss gut schmecken und gut aussehen, damit es angenommen wird. Deswegen werden Bento-Boxen individuell nach Geschmack abgestimmt und bei Kindern oft mit kunstvoll geschnitztem Gemüse oder mit Dekorationen geschmückt, die an populäre Anime-Zeichentrickfiguren erinnern. Selbst moderne, berufstätige Frauen lassen es sich nicht nehmen, täglich für ihre Ehemänner und Kinder anspruchsvolle Bento-Boxen zuzubereiten.

Kaoru Iriyama erzählt von einer ehemaligen Studienkollegin, die heute hochrangige Beamtin in einem Ministerium ist und ein Kind hat. Da ihr Mann, der auch viel arbeitet, meist erst spät abends nach Hause kommt, steht sie trotz extremer Müdigkeit frühmorgens auf und packt ihm eine Bento-Box. Ihr Glaube: Solange er ihr Essen isst, wird die Ehe weiterhin bestehen – selbst wenn sich die beiden kaum noch sehen!

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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