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Sprechende Pralinen und hochkarätige Milchbrötchen zur Verlobung - Essbare Botschaften der Liebe

Liebe geht durch den Magen - dieser alte, abgenutzte Spruch enthält einen Kern Wahrheit, denn für andere zu kochen oder ihnen Essbares zu schenken, ist vielleicht die einfachste und ehrlichste Art, Zuneigung zu zeigen. Daher sind Liebe und Essen seit Urzeiten eng miteinander verbunden.

Für essbare Botschaften der Liebe sind bis heute allerdings fast ausschließlich Frauen zuständig. Ein Musterbeispiel dafür sind Japanerinnen, die zum täglichen Beweis ihrer Liebe für ihre Partner und Kinder wunderschöne Bento-Boxen füllen. Menschen ohne Zeit oder kulinarische Veranlagung greifen zu Milchbrötchen mit verstecktem Verlobungsring oder zu Schokopralinen mit Liebessprüchen.

Ungleiche Rollenverteilung

Wahrscheinlich hat die ungleiche Rollenverteilung beim Kochen mit der Ursünde zu tun: Nachdem Eva Adam die verbotene Frucht angeboten hatte, mussten die Menschen, die bis dahin nur von geernteten Früchten gelebt hatten, ihr Essen selbst zubereiten. Sie haben mit der Unschuld sozusagen auch die "Herd-Immunität" verloren - und zum Kochen verdammt bis in alle Ewigkeit wurde die Schuldige, nämlich die Frau.

Ob die Erklärung überzeugt oder nicht: sicher ist, in der Geschichte gab es selten Männer, die für Frauen gekocht haben, es sei denn, sie wurden dafür bezahlt. Auch heute fallen Einladungen zum Essen von männlicher Seite eher in die Zeit des Kennenlernens. Meist bleibt es aber bei Einladungen ins Restaurant oder bei essbaren Geschenken. Ähnliches beobachtet man in der Tierwelt, zum Beispiel bei Grillen: Das Männchen bietet dem Weibchen eine essbare Gabe an, um sie paarungswillig zu stimmen.

Gutes macht lustvoll

Dabei muss es bei solchen Liebesgaben nicht unbedingt um sogenannte Aphrodisiaka gehen - also um Lebensmittel oder Substanzen, die angeblich die Liebeslust steigern. Für eine solche Wirkung, die seit der Antike ein Dauerbrenner und noch heute ein beliebtes Thema für Zeitschriften und Blogs ist, gibt es keine wissenschaftliche Grundlage. Es gibt natürlich Pflanzen und Lebensmittel, die gut für die Gesundheit sind und daher indirekt auch die Libido beeinflussen. Aber jeder weiß, dass Essen, das gut schmeckt und attraktiv aussieht, gute Laune macht und dass Wein oder alkoholhaltige Getränke die Selbstkontrolle schwächen und mutiger machen.

Die Ernährung war früher viel eintöniger und viel weniger gewürzt als heute. Alles, was einen ausgeprägten Geschmack hatte oder selten vorkam, wie zum Beispiel Spargel oder auch Erdbeeren und Kirschen, die ersten süßen Früchte nach dem Winter, oder kostbar und teuer waren wie Gewürze, Austern, Kaviar oder Schokolade, galt als besonders sinnlich und begehrlich.

Sprechende Pralinen

Schokolade ist heute nicht mehr so teuer und exklusiv wie früher, aber immer noch ein Klassiker, wenn es um Liebesgeschenke geht. Sie lässt sich vielfältig formen und elegant verpacken - und die Süße und der Schmelz im Mund rufen angenehme Assoziationen hervor.

Nicht zufällig heißen berühmte italienische Pralinen, die das typische Geschenk für Verliebte sind, so wie Küsse: "Baci Perugina". Verhüllt mit der Praline ist auch ein kleiner Papierstreifen mit Maximen über die Liebe von Persönlichkeiten der Geschichte - von Sappho und Konfuzius bis Neruda, meist in drei oder vier Sprachen übersetzt. "Baci Perugina" gibt es seit 1922 - sie sind also viel älter als "Ferrero-Küsschen" und heute immer noch sehr beliebt und vor allem aber für alle erschwinglich.

Früher, als Liebesgeschenke weder viel kosten noch auffallen sollten, waren in Italien Hühnereier oder Kräuterzweige dezente "Liebespfänder".

Brötchen mit Verlobungsring

Eine ähnliche symbolische Bedeutung hatten die sogennanten "Maritozzi": briocheartige Milchbrötchen, deren Rezept schon im Alten Rom bekannt war und die noch heute, mit Schlagsahne gefüllt, in römischen Bars verkauft werden. Junge Männer schenkten ihren Angebeteten einen Maritozzo, um ihnen die Absicht zu vermitteln, ihr Ehemann werden zu wollen: "Marito", daher das Wort "Maritozzo": "kleiner Ehemann".

In diesem Milchbrötchen konnte unter Umständen auch ein Verlobungsring oder ein Schmuckstück versteckt sein. Sollte heute jemand vorhaben, eine solche Liebesbotschaft vorzubereiten, kann Milchbrötchen selbst backen – was aber ziemlich aufwändig ist - oder sich Maritozzi in Berlin besorgen, bei der Bäckerei Sironi. Dort werden sie nach Traditionsrezept gebacken und gehören zum Sortiment. Für den Ring muss man allerdings selbst sorgen.

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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