Biergarten Moabiter Freiheit; © Elisabetta Gaddoni
Elisabetta Gaddoni
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Auch die Biergärten freuen sich auf Gäste - "Wir sind wieder da!": Wiedereröffnung der Gastronomie

Tische weit auseinanderstellen, Hygienemaßnahmen einhalten - das hat die Gastronomie schon im letzten Sommer geübt, aber das Überprüfen von COVID-Negativtests, das Einrichten von Teststationen und auch noch die Kontrolle, dass nicht Menschen aus mehr als zwei Haushalten am selben Tisch sitzen, ist neu und stellt selbst Profis vor Herausforderungen. Trotz aller Hürden ist die Freude der Wiedereröffnung groß.

Mehringdamm, Ecke Kreuzbergstraße: Im Biergarten des "Dolden Mädel"-Braugasthauses blickt Restaurantleiter Oliver Reimann ab und zu kritisch in den Himmel und sieht sich die Verteilung der Tische an. Schon jetzt fallen etwa 50 % der Sitzplätze aus. Bei Regen wird es noch etwas mehr werden. So geht es viele Gastronomen zurzeit. Nicht jede Terrasse oder jeder Garten verfügt über eine Überdachung oder über genügend Sonnenschirme, um alle Gäste vor Regen zu schützen.

Anders in den "Späth'schen Baumschulen" in Berlin-Treptow - trotz der beinah ländlichen Lage: Der neue Biergarten, der an der historischen Gärtnerei eröffnet, verfügt auch über ein großes überdachtes Veranstaltungszelt und Gewächshäuser mit Bestuhlung.

Empfang mit Testkontrolle

Verlust an Sitzplätzen und schlechtes Wetter sind nicht die einzigen Probleme, mit denen die Gastronomie derzeit zu tun hat. Die Überprüfung der Impf- und COVID-Test-Bescheinigungen bereiten auch Ute Sedelies Sorgen. Sie leitet das Restaurant "Nola’s am Weinberg" in Berlin-Mitte, das heute auch seine Terrasse wiedereröffnet. Einerseits ist es zur eigenen Sicherheit und der der Kundschaft wichtig, die Maßnahmen umzusetzen, andererseits ist es schwer für Menschen, die Gastgeber von Beruf sind, als Kontrolleure aufzutreten.

So wie im "Nola’s am Weinberg" wird es auch im Biergarten in den "Späth'schen Baumschulen" Schnelltests für Gäste geben, die ohne Testergebnis kommen: zumindest solange der Vorrat reicht.

Doldenmädel Braugasthaus – Eingang; © Elisabetta Gaddoni

Schwieriger wird es sein, zu überprüfen, ob an einem Tisch tatsächlich nur Menschen aus zwei Haushalten sitzen. Nick Hamann, Mitbetreiber des Biergartens in den "Späth'schen Baumschulen", wird ein Modell umsetzen, das woanders mit Erfolg erprobt worden ist: An jedem Tisch wird es nur vier Stühle geben. Mehr Kontrolle kann man nicht leisten, denn aus Datenschutzgründen ist es nicht erlaubt, nach den Personalien der Gäste zu fragen. Allerdings setzen immer mehr Gaststätten auf die Luca-App, die in anderen Bundesländern sehr gut angenommen worden ist.

Testlauf mit Wetterhindernissen

Trotz der vielen Sorgen darf die Küche nicht in den Hintergrund geraten. Im "Dolden Mädel"-Braugasthaus wird es die normale Karte geben, u.a. mit Spargelgerichten und Bio-Rindfleisch vom eigenen Bauernhof, dazu Dutzende von Craft Beer-Sorten. Der Biergarten "Späthi's" in den "Späth'schen Baumschulen" bietet vieles vom Grill an, auf dem Teller angerichtet und an den Tisch serviert - wie eben im Gartenrestaurant.

Gegrilltes gibt es auch im Biergarten "Moabiter Freiheit" - dazu Pastagerichte, Salate und Weine aus der Pfalz. Es ist aber erstmal ein etwas reduziertes Angebot, meint Leiter Oliver Sandke. Ein Teil des Personals sei neu und müsse sich noch einspielen. Außerdem wäre es nicht sinnvoll, große Vorräte anzulegen, ohne zu wissen, wie es weitergeht. Das sieht die Leiterin des "Nola’s am Weinberg" nicht anders. Von ihrer schweizerisch inspirierten Karte wird es auch ein abgespecktes Angebot geben, da beim unsteten Wetter nicht klar ist, ob die Terrasse durchgängig bewirtschaftet werden kann.

Dennoch lassen sich die Gastronomieprofis die Laune nicht verderben. Sie freuen sich, dass ein bisschen Normalität wieder einkehrt und sind zuversichtlich, ihre Lokale bald ganz eröffnen zu können.

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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