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Brandenburger Tapas an der Havel - Restaurant "Fritz am Markt" in Werder

Bewertung:

In Werder, dem Eiland an der Havel, hat im Parterre des Hotels "mein.werder" - direkt am Markt gelegen - im vergangenen Herbst ein Restaurant eröffnet, das sich dem üblichen touristischen Niveau entzieht und stattdessen eine mediterrane Idee adaptiert.

Es kann gut sein, dass es eine anthropologisch fixierte Sehnsucht nach Inseln gibt. Umgeben vom Wasser wie von einer Schutzhülle, scheint sich der Wunsch nach Geborgenheit, Entspannung und Wohlbehagen schneller einzustellen als auf dem Festland, dem weiten Feld der Ungewissheit.

Wenn sich dann noch die profanen Einrichtungen des öffentlichen Lebens wie Geschäfte, Supermärkte, Schulen, Tankstellen, Bushaltestellen und Parkplätze weitgehend zurückgezogen haben, dann bekommt das Walten von Ruhe und stillgelegter Zeit fast etwas Irreales. Es dürfte bezeichnend sein, dass es ein Gassenhauer wie "Hotel California" ist, der diese Stimmung angemessen zu illustrieren versteht. Oft senden dann nur noch Eisdielen, Hotels und Restaurants ein Lebenszeichen.

Eine mediterrane Idee

Auch auf Werder, dem Eiland an der Havel, liegt der Eindruck nahe, sich in einer Wohnung aus lauter Wohnzimmern zu befinden. Zum Glück gibt es da noch eine Küche, eine besondere sogar und auch noch direkt am Markt. Im Parterre des Hotels "mein.werder" wurde im vergangenen Herbst ein Restaurant eröffnet, das sich dem üblichen touristischen Niveau entzieht. Küchenchef Christian Heymer, erfahren im Gourmetsektor, versucht erst gar nicht, mit Schweineschnitzel, Pommes, gebackenem Camembert & Co. mitzuhalten. Stattdessen adaptiert er eine mediterrane Idee.

fritz am markt – Speise; © meinwerder-hotel.de

Schweinebauch und Ochsen-Onglet zu "kleinen" Preisen

Eingekellerte Bete plus grünem Apfel in Rapsölemulsion, Blutampfer mit Fischbrötchen oder Räucheraal mit Gurken, sauer eingeweckten Radieschen und Schweinebauch in Paprikasaft, Selleriespaghetti und gepuffter Schwarte, Pappardelle mit gebranntem Mangold und Tomatenconfit oder aber ein ausgesprochen zartes, im Biss noch festes Ochsen-Onglet (Nierenzapfen) mit Blumenkohl und Amaranth-Popcorn führen eindrucksvoll vor, dass ein schöner Ausblick nicht mit einem Schlag in die Baugegend bezahlt werden muss – zumal bei Preisen zwischen 9 und 12 Euro.

Überdies geben sie der penetranten Kleinschreibung auf der Speisekarte einen gewissen Sinn.

Thomas Platt, rbbKultur

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