Restaurant Kink im Pfefferberg – Gartenterrasse; © Elisabetta Gaddoni
Elisabetta Gaddoni
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Bar & Restaurant im Pfefferberg - "Kink" - Neue Geschmackserlebnisse im Sommergarten

Bewertung:

Durch die Pandemie musste das "Kink" mehrmals seine Eröffnung verschieben und im Herbst eine lange Pause einlegen. Jetzt ist das beeindruckend gestaltete Lokal im Komplex der ehemaligen Brauerei im Pfefferberg aber geöffnet und bietet in einem der schönsten Sommergärten Berlins eine verspielte Aromaküche an, die mit ungewöhnlichen Kombinationen fasziniert.

Eine große Gartenterrasse ist zurzeit für Gastronomen die beste Voraussetzung, um nach den schwierigen Lockdown-Monaten wieder mal profitabler zu arbeiten. Das Restaurant "Kink", im letzten Jahr nur in den Sommermonaten geöffnet, verfügt sogar über einen der schönsten Gärten Berlins überhaupt.

Den historischen Komplex des Pfefferbergs, Berlins ältester Brauerei, erreicht man ein Stockwerk oberhalb der Straßenebene über einen sehr großen, schattigen Garten, der bis vor einigen Jahren großflächig als Biergarten genutzt wurde. Neue Lokale sind dann eingezogen und haben vor allem Touristen angezogen, so dass viel des ursprünglichen Charmes verlorengegangen war.

Flair und Qualität

Mit dem "Kink" ist ein Lokal eingezogen, das hohe Qualität und informelle Atmosphäre vereinen will. Die beiden beeindruckend gestalteten hohen Räume, in denen jeweils Bar und Restaurant untergebracht sind, muten eher nach moderner Cocktailbar im Industrie-Stil an, als nach gediegenem Restaurant. So ist die Getränkekarte nicht minder anspruchsvoll als die Speisekarte: Sie schließt neben erlesenen Weinen und Bieren auch eine Auswahl an Mixgetränken mit fermentierten Zutaten oder destillierten Aromen aus dem eigenen Labor ein.

Bemerkenswert ist, dass hinter diesem großen und sehr gelungenen Projekt keine solide Investorengruppe steckt, sondern die Begeisterung zweier junger Männer. Mit einem ebenso jungen Team bedienen sie ihre Gäste erstmal im Sommergarten, in der Hoffnung, bald auch die zwei großen Hallen mit hohen Decken, Neonlichtskulptur und Podest bespielen zu können.

Die erste Begrüßung und die Tischanweisung in Standardenglisch zeigen, dass der Ort auf ein internationales Publikum eingestellt ist, das zurzeit mangels Touristen unterrepräsentiert ist. An den Tischen geht es dann leger, sympathisch und zugewandt auf Deutsch weiter.

Restaurant Kink im Pfefferberg – Grünes Risotto und Pulpo; © Elisabetta GaddoniGrünes Risotto und Pulpo

Tanz der Aromen

Die Speisekarte schließt eine kleine Auswahl an Gerichten ein: fünf kleinere, fünf Hauptgerichte und drei Desserts. Wie heute modisch, sind nur die Grundzutaten angegeben. Wir entscheiden uns für Römersalat, Spargel, Risotto und Pulpo und sind gespannt, wie sich die anderen, teilweise exotischen Komponenten dazu verhalten.

Kimchi-Gurke, Minze, Zitronenconfit und ein Klecks Romesco-Sauce machen als kleine geschmackliche Akzente die zwei Römersalatherzen interessanter – ihre frische, ansprechende Note erhalten sie allerdings von einer fruchtigen und säuerlichen Marinade. Diese Harmonie fehlt leider beim Spargel, der zwar angenehm bissfest gegart, aber geschmacklich von einer viel zu markanten Sauce übergedeckt ist, bei der der Sake- und Miso-Geschmack alles andere verdrängt. Der Versuch, ein konventionelles Gericht wie Spargel abseits der üblichen Pfade zu präsentieren, ist zwar verständlich, aber hier wäre weniger mehr.

Beim Risotto verstärken sich alle Zutaten - Spargel, Erbsen, grüne Sauce und Pecorino – gegenseitig und zielen auf einen runden und intensiven Geschmack hin, der mindestens so grün wirkt wie die Farbe des Gerichts. Die säuerlichen, rosafarbenen Rhabarberwürfel sorgen wiederum für einen kleinen geschmacklichen und farblichen Kontrast. Das Spiel der Aromen ist beim zarten, gegrillten Pulpo viel subtiler, mit der süßlich-herben Tamarillo-Sauce und der fruchtigen Chilicreme als Kontrapunkt zum milden, leicht bitteren Oktopusfleisch und zu den zerbröselten würzigen Kalamata-Oliven.

Spargel und Meerrettich im Dessert?

Dieses gelungene Zusammenspiel findet sich bei den Desserts wieder. Das Meerrettichsorbet, eigentlich eine kleine Wolke, ist auf einer Art gefrorener Meerrettichyoghurt-Spirale mit Biskuit-Boden angerichtet, dazu Sesam-Krümel und Akzente von Mango und Passionsfrucht. Beim Spargelsorbet gehen die Aromen von Spargel, Miso-Karamell, schwarzem Sesam und schwarzem Knoblauch so ineinander über wie Farbtupfer in der impressionistischen Malerei.

Restaurant Kink – Meerrettichsorbet; © Elisabetta Gaddoni
Meerrettichsorbet | Bild: Elisabetta Gaddoni

Unabhängig davon, ob die Gerichte immer den eigenen Geschmack hundertprozentig treffen: diese Art Küche ist jedenfalls lebendig und unterhaltsam. Nur ein Detail muss stutzig machen: Bei aller Liebe für Dill möchte man diesem Kraut nicht unbedingt in jedem Gericht begegnen!

Seit Jahren bemüht sich die Sterneküche, Aroma und Textur der Zutaten aufzuwerten und durch ungewöhnliche Kombinationen neue Geschmackserlebnisse zu ermöglichen. Die Karte im "Kink" zeugt von der Absicht, diese experimentierfreudige Küche (und Cocktailkunst, so wie sie auch im Dessertrestaurant "Coda" parallel dazu entwickelt wird) einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, zu Preisen, die zwar etwas gehoben, aber für die Qualität berechtigt sind.

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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