Zenner – Biergarten und Weingarten; © Elisabetta Gaddoni
Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Bier- und Weingarten im Treptower Park - "Zenner"

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In den letzten Jahren beherbergte das Haus Zenner eine Dependance des Dahlemer Jazzclubs "Eierschale" und sogar die Filiale einer Fastfood-Kette. Nach der Zeit des Niedergangs wird das älteste noch existierende Ausflugslokal Berlins an der Spree nun saniert und bald als attraktiver Ort für Kultur wiedereröffnet. Im Garten gibt es bereits seit Mitte Juni Bierspezialitäten, erlesene Weine und ein Speisenangebot, das sowohl qualitativ als auch preislich mit der populären "Gasthaus Zenner"-Tradition bricht – und auf ein jüngeres, urbanes Publikum zielt.

Idyllisch am Spreeufer gelegen, mit Blick auf die Insel der Jugend, war das Haus Zenner bereits Anfang des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Kaffeehaus und Ausflugsziel – mit Gastronomie und Blasmusik. Zu DDR-Zeiten wurde das kriegsbeschädigte Gebäude abgerissen, neu gebaut und als Gaststätte betrieben. Nach der Wende hätte es eine umfassende Renovierung nötig gehabt, aber die Stadt hat kaum in diese historische Immobilie investiert. Nach der Insolvenz des letzten Betreibers wurde der Komplex neu ausgeschrieben und die neuen Pächter, die aus der Berliner Clubszene kommen, haben es sich zur Aufgabe gemacht, das traditionsreiche Etablissement zu neuem Leben zu erwecken.

Zenner – Superbowl, Königsberger Klopse und Pommes mit Trüffel; © Elisabetta Gaddoni
Superbowl, Königsberger Klopse und Pommes mit Trüffel | Bild: Elisabetta Gaddoni

Superfood und Currywurst

Kein Grillfleischgeruch weht durch die Luft, stattdessen locken eine Bier- und eine Weinbar. Auf den jeweiligen Karten sind u.a. Bowls, Tapas, Flammkuchen und Beef Tatar zu finden, dazu Bierspezialitäten und erlesene Weine. Klassiker wie Pommes, Curry- und Bratwurst gibt es zwar auch – aber in höherer Qualität ("Bio-Bratwurst vom Müritzer Weidelandschwein mit Kartoffelstampf, Weißbier-Rahmsauerkraut und Dunkelbiersoße"), mit ausgesuchten Beilagen (z.B. Pommes mit Austernpilzen oder Pulled Pork), ansprechend angerichtet und mit dem geschmacklichen Pfiff, der sich von den typischen Biergartenspeisen absetzt.

In feiner Ausführung sind auch Gerichte wie Knödel, Spätzle, Maultaschen und Königsberger Klopse zu haben. Letztere haben wir probiert: Sie waren angenehm, aber fast zu sahnig und hätten eventuell von etwas mehr Zitronensaft und -schale profitiert. Die wie handgeschnitzt aussehenden, knusprigen Pommes waren markant mit Trüffelpesto aromatisiert. Die "Superfood-Bowl" mit Birne, Halloumi-Käse und Süßkartoffelwürfeln, Quinoa, Pflücksalat und gerösteten Kürbiskernen war ansehnlich zusammengestellt und mit einer köstlichen Vinaigrette angemacht.

Für etwas Anbindung an die Geschichte des Ortes sorgt das Berliner Bürgerbräu Pils, einst auf der anderen Seite der Spree hergestellt und nun exklusiv für "Zenner" wieder aufgelegt.

Orange Wine und Bürgerbräu

Die Karte ähnelt der eines modernen Berliner Bistros, mit Preisen, die bei den größeren Gerichten mäßig gerechnet sind, bei den kleineren wiederum etwas höher liegen: unter 7,00 Euro sind nur Pommes Natur mit Ketchup (3,50 Euro) oder kleine Tapas zu haben (4,50 Euro).

Die größere Auswahl und die höhere Qualität entsprechen sicherlich eher dem heutigen Geschmack als das urige Wurst- und Nackensteak-Angebot der typischen Biergärten. Die Ausrichtung der Karte und die Preisgestaltung werden aber womöglich eher jene Kundschaft anlocken, die bereits die anderen hippen Orte der Stadt bevölkert und in denen Orange Wine, Craftbeer und Streetfood ebenso wie die englische Sprache zum Standard geworden sind – und die sich alle ein bisschen ähneln.

Ob sich der Wunsch des Bezirksbürgermeisters bewahrheiten wird, der "Zenner" möge wieder ein Ort "zum Beisammensein für Jung und Alt" werden, sei dahingestellt. Immerhin haben die Betreiber vor, für eine Video-Dokumentation ehemalige Gäste anzusprechen, um mit ihren Erzählungen die Geschichte des Ortes zu vervollständigen.

Sonnenuntergang und Wasserblick

Qualität hat ihren Preis, ebenso wie gutes Personal – und wenn die neuen Betreiber es schaffen wollen, die hohe Pacht zu verkraften und die Mammutaufgabe der Renovierung erfolgreich abzuschließen, sind sie auf eine zahlungskräftige und ausgehfreudige Kundschaft angewiesen. Zumal die Covid-Hygienemaßnahmen zusätzliches Personal und eine Reduzierung der Sitzplätze von maximal 1.500 auf die Hälfte verlangen. Das hat wiederum für die Kundschaft Vorteile: Der Biergarten wirkt zurzeit nie zu voll und bei Fußball-EM-Übertragungen schauen die Menschen auf mehreren Screens, die an verschiedenen Stellen angebracht sind, so dass keine Ansammlungen entstehen.

Aber auch nach der Fußball-Überdosis wird das Verweilen im riesigen Garten zu empfehlen sein, sei es auch nur, um bei Sonnenuntergang etwas zu trinken – bei lässiger DJ-Musik und mit garantiert unvergleichlichem Wasserblick.

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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