Taverne Platia: Hof © Elisabetta Gaddoni
Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Traditionelle griechische Küche, gekonnt und zeitgemäß zubereitet - Die "Taverne Platia" in Schöneberg

Bewertung:

Gute griechische Küche reicht sicher nicht aus, um die Sorge um die verheerenden Waldbrände am Mittelmeer zu mindern. Dennoch schafft es das Lokal im denkmalgeschützten Hof hinter dem Postamt Schöneberg, mit akkurat zubereiteten Klassikern und mit typisch griechischer Freundlichkeit Urlaubsstimmung aufkommen zu lassen.

"Bricks" heißen die historischen Höfe, die die Schöneberger Hauptstraße und Belziger Straße verbinden. In einer ehemaligen Lagerhalle des Postamtes hat sich seit November 2020 die "Taverne Platia" niedergelassen. Zurzeit sitzen die Gäste nur draußen im Hof, so dass bei gut besuchten Abenden der Geräuschpegel tatsächlich an einen Marktplatz erinnert, passend zum Restaurantnamen. Der Wirt ist schon seit Jahrzehnten in der Berliner Gastronomie aktiv: viele kennen ihn von der "Taverna Ousia" in der Grunewaldstraße, die nun der Bruder betreibt.

Taverne Platia: Vorspeisenteller für Zwei © Elisabetta Gaddoni

Klassiker "light"

Trotz des Ortswechsels ist das kulinarische Programm ähnlich geblieben. Es sind die Klassiker der griechischen Küche, die das Restaurant anbietet, nach eigener Aussage "die Küche der Großeltern". Aber diejenigen, die traditionelle griechische Küche tendenziell als etwas zu rustikal empfinden, sollen beruhigt sein: Die Gerichte sind alles andere als schwer, die Zubereitung gekonnt und der Geschmack stimmig und ausgeglichen.

Zwar ist die Vorspeisenplatte sättigend, aber nur deswegen, weil die einzelnen Bestandteile – ob Fava-Püree, Zucchini-Bällchen oder die winzigen Käse-Blätterteigtaschen - so ansprechend sind, dass es schwerfällt, sich zu zügeln und Platz für anderes zu lassen.

Moussaka, ein Gericht, das oft in Form eines öligen, kalorienschweren Briketts auf den Tisch kommt, ist zart und wolkenleicht, wenn auch mit etwas zu wenig Auberginenanteil.

Taverne Platia: Gegrillter Oktopus © Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Der gegrillte Pulpo, ein oft misslungenes Gericht, war an dem Abend aromatisch mariniert und gegrillt, dennoch butterzart.

Die kleinen Calamari, schmackhaft aber innen noch etwas zu weich und gelierend, hätten wiederum etwas länger auf dem Grill verweilen können.

Gastfreundlichkeit wie aus dem Bilderbuch

Die Eile hatte wahrscheinlich mit dem Hochbetrieb zu tun: Der Hof war sehr voll und für Gäste, die nicht reserviert hatten, wurden immer wieder Tische in den Hof gebracht, bis dieser fast voll war. Umso erstaunlicher ist es, dass Patron und Mitarbeiter es dennoch schaffen, entspannt und herzlich jeden Gast so freundlich und persönlich zu begrüßen, als handle es sich um ein Unikat. Selbst den rituellen Händedruck hat man sich hier trotz Covid nicht abgewöhnt.

Taverne Platia: Dessertvariation © Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Dass es bei so viel Publikum dennoch klappt, die Bestellungen ohne lange Wartezeiten zu servieren, hat womöglich auch damit zu tun, dass vieles direkt vom Grill kommt und dass fast alle Gerichte dieselbe, unkomplizierte Beilage haben: fein geschnittenen Salat mit roten Zwiebeln. Dies reduziert womöglich den Aufwand für die Küche und erlaubt, trotz Qualität die Preise moderat zu halten. Zur Rechnung kam als Abschiedsgruß aus der Küche eine Dessertvariation mit Loukoumades, frittierten Pfannkuchenbällchen mit Honig und Zimt, meist eine schwere und zuckersüße Angelegenheit, hier aber luftig und delikat.

Schlicht, aber mit Qualität

Ansprechendes Ambiente, traditionelle griechische Küche, gekonnt und zeitgemäß leicht zubereitet, unkomplizierte Weine und eine Gastfreundlichkeit, die nur in Berlin übertrieben wirkt: diese Kombination erklärt vielleicht, warum die "Taverne Platia" sehr gut besucht ist. Dass medizinische Schutzmasken und Kontaktverfolgung hier kein Thema sind, als sei Covid Schnee von gestern, trägt vielleicht auch zur entrückten Urlaubsstimmung bei.

Zum Glück aller bietet der Hof Platz genug, um dort mit dem passenden Tischabstand Küche und Sommerabend dennoch genießen zu können.

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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