Restaurant Ryong © Elisabetta Gaddoni
Elisabetta Gaddoni
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Unkomplizierte, raffinierte Gerichte - vegetarisch & vegan - "Ryong" - japanisch-vietnamesische Küche in Prenzlauer Berg

Bewertung:

So wie das Mutterhaus bietet das letzten Sommer eröffnete "Ryong 2" in Prenzlauer Berg unkomplizierte, dennoch raffinierte Gerichte, die von der japanischen und vietnamesischen Küche inspiriert sind. Auf der Karte sind vegetarische und vegane Speisen, die den Geschmack des jungen Ausgehpublikums treffen: Appetizer, Reis-Gemüse-Bowls, Nudelsuppen und Burger im vietnamesischem Reismehlbrötchen, ansprechend komponiert und harmonisch gewürzt.

Die Namen der Gerichte muten fantasievoll und augenzwinkernd fernöstlich an: "Dragon Eye", "Golden Temple", "Firework", "Dragon Seeds". Letztere sind Chiasamen, die sich auch in der Limonade befindet, die ich gleich am Anfang bestelle: "1000 Eyes" - mit Ingwer, einem aromatischen Pandanblatt als Deko (Pandan ist eine asiatische Palme mit essbaren Blättern, die den Speisen eine Vanillenote verleihen) und vielen schwimmenden Chiasamen, die nicht nur optisch verspielt wirken, sondern dem Getränk eine gelierende, teil nussige Note verleihen.

Restaurant Ryong: Vorspeisen © Elisabetta Gaddoni

Ausgefallene Vorspeisen

Ausgefallen sind erst recht die Vorspeisen: "Golden Temple" sind drei warme, gebratene Tofu-Würfel, in denen sich ein Stück eingelegter Rettich verbirgt. Diese sind mit geschmolzenem veganem Käse getoppt, mit frischer Minze und einem Wirrwarr aus Chili-und Rettichfäden garniert und mit einer milden Sauce aus Miso, Soja und Chili abgeschmeckt.

Aromareiche Miniaturen

"Summer Leaves" sind eine Art Sushi in frischen Senfkohlblättern gerollt, mit einer Füllung aus Reisnudeln, Seitan, Tofu, Gurke und Mango - auch das mit einem fruchtigen, aromatischen veganen Dressing serviert.

Ansprechend sind auch die "Autumn Leaves", in schmale Streifen geschnittene, aber bissfeste Kombu-Algen "mit roten Zwiebeln und Peperoni, serviert auf einem Chinakohlblatt mit Nori-Mayonnaise und einem Dressing aus Sojasauce, Limette, Sesamöl, etwas Chili und Lauch“ – die Beschreibung auf der Speisekarte verrät, wie viele kleinen Geschmacksakzente in diesen Miniaturen kombiniert werden.

Bei den Hauptgerichten spielt sich die anspruchsvolle Kombinatorik in größerem Rahmen ab. Ob in den Bowls mit Reis, Nudeln oder in den Burgern im Reismehlbrötchen - die verschiedensten Salate und Kräuter und die fruchtigen Dressings spielen die Hauptrolle.

Restaurant Ryong: Pho Blend Rest © Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Reichhaltige Hauptgerichte

In der etwas zu süßlich geratenen "Tokio Bowl" ist der körnige Rundreis mit etwas Tamago - dem würzigen japanischen Schichtomelette - und eingelegten Gurken, gegrillten Süßkartoffeln, Edamame-Bohnen, Spinat und Rote Bete angerichtet. Marinierte Seitanstreifen spielen hier geschmacklich als zähen Fleischersatz eine Nebenrolle, ebenso wie im Reisbandnudelsalat "Pho Blend", bei dem die Suppe in einer Extraschale serviert wird.

Beide Portionen sind so groß und sättigend, dass sie keinen Platz für Nachtische übriglassen. Wir optieren für den besten aller Desserts: einen Kaffee nach vietnamesischer Art aus der hübschen kleinen Kanne und mit süßer Kondensmilch.

Elegantes Interieur, ruhige Terrasse

Das beschränkte Angebot an Weinen und Bieren und die große Auswahl an Limonaden, Long Drinks und Cocktails lässt erkennen, dass sich das Angebot vor allem an die junge Kundschaft richtet, die in Prenzlauer Berg unterwegs ist. Dafür stehen auch die moderaten Preise - Vorspeisen kosten um die 4,50 Euro, Hauptgerichte zwischen 9,00 und 14,50 Euro - und nicht zuletzt auch die Sitzhocker, die für noch nicht Rückenlädierte wohl kein Problem sind.

Die große Terrasse, auf einem breiten Bürgersteig an der ruhigen Rykestrasse gelegen, lädt allerdings auch zum langen Verweilen ein, ebenso wie das wunderschön gestaltete Interieur, von japanisch-puristischer Eleganz gekennzeichnet. Die distanzierten Tische und das freundliche Bestehen auf die Anti-Covid-Vorschriften seitens des Personals vermitteln jedenfalls das Gefühl, auch innen sorglos sitzen zu können.

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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