Dante Alighieri; Statue in Neapel © Bildagentur-online/AGF-Valetta/dpa
Bildagentur-online/AGF-Valetta/dpa
Bild: Bildagentur-online/AGF-Valetta/dpa

Zum 700. Todestag Dante Alighieris - Dante und das Essen

In seinem Meisterwerk "Die Göttliche Komödie" erzählt Italiens Nationaldichter Dante Alighieri von seiner Reise ins Jenseits. Kochen und essen kommen dabei häufig als Motive vor, um abwegige Lebensführungen und die entsprechenden Strafen zu versinnbildlichen. Das Brot hingegen ist für ihn Symbol des Lebens und der Heimat und wird im Paradies zur göttlichen Speise, die Wissen, Erleuchtung und Erlösung bringt. Elisabetta Gaddoni über Dantes Haltung zum Essen anlässlich seines 700. Todestages am 14. September.

Dante Alighieri war es wichtig, seinen Leser*innen zu vermitteln, dass er wirklich im Jenseits war - mit Leib und Sinnen und nicht nur metaphorisch, wie im Traum oder in einer Halluzination. So enthalten die grellen Szenen, die er in der "Göttlichen Komödie", vor allem im "Inferno" und im "Purgatorio" beschreibt, viele Hinweise auf Düfte und Gerüche, auf Kälte und Hitze, Nässe und Trockenheit.

Lebensmittel und Kochutensilien als Requisiten der Bestrafung

Lebensmittel und Kochutensilien sind meist Requisiten, um die Art der Bestrafung zu schildern, die die Persönlichkeiten erleiden, denen er auf seiner Reise begegnet. Im "Inferno" werden diejenigen, die aufgrund der Völlerei in der Hölle gelandet sind, von Teufeln bestraft, die wie grässliche Köche aussehen. Ihre Sklaven drücken die Sünder mit spitzem Besteck in den kochenden Sud, damit sie unten bleiben und 'einheitlich' schmoren. Woanders liegen die Gefräßigen im stinkigen Schlamm, einem ewigen kalten Regen ausgesetzt und werden vom hungrigen dreiköpfigen Hund Zerberus zerfleischt.

Der Horrortrip setzt sich auch in anderen Höllenkreisen fort, wie bei den Gewalttätigen, die im Blut gesotten werden oder bei den Verrätern, die sich von Leichen ernähren müssen, als seien sie Brot.

Besonders grausam ist das Treffen mit Graf Ugolino, der mit seinen Kindern und Enkeln eingesperrt worden war und sie schließlich aus Hunger aß: Er muss bis in alle Ewigkeit an einem Schädel nagen.

Dante Alighieri erleuchtet mit seinem Buch 'Die Goettliche Kommoedie' die Stadt Florenz; Gemälde v. Domenico di Michelino © picture-alliance / akg-images | akg-images / Rabatti - Domingie
Bild: akg-images/Rabatti-Domingie/dpa

Brot ohne Salz

Im "Purgatorio" (Läuterberg) gibt es zwar auch unersättliche Schlemmer - darunter viele Adeligen, Päpste und Kardinäle, die aber leichtere Strafen büßen müssen, weil sie vor dem Tod Reue gezeigt haben oder weil für sie gebetet worden ist. Sie müssen einfach 'leer kauen' - also ohne Inhalt, sind abgemagert, dürfen keine duftenden Äpfel von den Bäumen pflücken, die dort erstaunlicherweise wachsen und kein frisches Quellwasser trinken. Sie müssen Verzicht üben - was sie im Leben nicht konnten.

Im "Paradies" erhalten Essensmetaphern eine positive Bedeutung: Die Engel speisen Engelsbrot (Pane degli angeli: so wurde eine alte Backpulvermarke in Italien benannt!). Das ist das Brot der Wahrheit, die man nur in Gott finden kann und dessen Genuss einen festlichen, kollektiven und erlösenden Charakter hat.

Für Dante selbst steht Brot für das Leben, für die Bindung zur Heimat. In den Zeilen, in denen er auf sein Exil angesprochen wird, heißt es, er werde lange "salziges Brot" essen müssen, statt Brot ohne Salz, das noch heute für die Toskana typisch ist (sog. 'pane sciocco').

Kleider machen keine Leute

Dante selbst wird von seinen Zeitgenossen als jemanden beschrieben, der den Prunk mancher Mächtigen seiner Zeit verachtete. Zwar war er in den fast 20 Exiljahren auf die Gastfreundlichkeit mancher Adeligen angewiesen, aber einige Anekdoten zeigen, wie er den Luxus verschmähte, in dem sich die Adeligen und die aufsteigenden reichen Handelsfamilien schwelgten. Er soll bei einer Einladung zu bescheiden angezogen gewesen, worauf der Gastgeber ihn ganz hinten am Tisch sitzen ließ. Bei der zweiten Einladung ging er in seinen besten Kleidern und wurde entsprechend vorne am Tisch hingesetzt. Sobald ihm die Speisen und der Wein serviert wurden, goss er sie auf seine Kleider. Den erschrockenen Tischgästen erklärte er, dass die Einladung ja seinen Kleidern galt, nicht ihm, daher sollen diese die Delikatessen genießen.

Florenz war Anfang des 14. Jahrhunderts eine reiche Stadt, in der mächtige Handelsfamilien immer mehr Wohlstand und Einfluss gewannen und sich mit Festen und Banketten zelebrierten. Städte wie Florenz und Neapel waren lebendige kulturelle Zentren; in Florenz entfaltet sich der Dolce Stil Novo als raffinierte literarische Strömung.

Entsprechend wurden auch die Sitten feiner: Es wurde üblich am Tisch zu sitzen, anstatt zu liegen. In dieser Zeit erschienen die ersten Kochbücher, darunter das "Liber de coquina". Die 183 Rezepte geben etwas Aufschluss über die Küche an den Höfen im späten Mittelalter. Gegessen wurde vor allem Gemüse, Fleisch von Schwein, Lamm, Huhn - Wild gab es selbst bei den Reichen nur an Feiertagen und Rinder galten damals noch nicht als Fleischlieferanten.

In der "Göttlichen Komödie" werden selten Rezepte erwähnt. Im "Purgatorio" trifft Dante bei den Gierigen auf einen Papst, der Aale in Vernaccia-Wein reinigen und anschließend auf dem Grill rösten ließ: Wahrscheinlich war das ein fleischloses Freitagsgericht für wohlhabende Geistliche.

Dante selbst verrät in seinen Werken wenig über seine kulinarischen Vorlieben. Auf sein Lieblingsessen angesprochen, soll es geantwortet haben: Eier mit Salz.

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

Mehr

Weitere Rezensionen

Restaurant "Die Horn" © Elisabetta Gaddoni
Elisabetta Gaddoni

Traditionelle Knödel treffen auf erlesene Zutaten - "Die Horn": Knödel in Kreuzberg

Knödel stehen in der Regel für deftige, rustikale Küche. Nicht so in "Die Horn", dem kleinen Lokal mit schattiger Gartenterrasse, das ein junges Team vor einem halben Jahr eröffnet hat. Knödel werden hier in fünf verschiedenen, geschmacklich zeitgemäßen Varianten angeboten - u.a. mit feinem Rindergulasch, mit Auberginen-Caponata oder mit Japanischem Pilzragout. Ähnlich ansprechend ist die Getränkekarte mit wenigen gut ausgewählten Weinen und vielen Biersorten, Aperitifs und Cocktails.

Bewertung:
Pizza; © Elisabetta Gaddoni
Elisabetta Gaddoni

Margherita & Quattro Stagioni treffen auf neue Kreationen - Pizza: Vom Arme-Leute-Essen zum Gourmetgericht

Dass "Pizza" weltweit das bekannteste Wort der italienischen Sprache ist, überrascht nicht: Kaum ein Gericht ist auf allen Kontinenten so beliebt wie die runde belegte Teigscheibe. In ihrer aktuellen Form ist Pizza eher eine moderne Kreation, aber ihre Geschichte reicht bis in die Spätantike zurück. Im Laufe der Zeit hat sich Pizza stets entwickelt und den veränderten Bedingungen angepasst. Vom sättigenden Essen für arme Leute, wie sie es früher in Neapel war, ist Pizza heute immer mehr ein Gourmet-Gericht geworden, bei dem die Qualität der Zutaten und die lange Gärung des Teigs immer wichtiger sind.