Knoblauch geflochten; © Elisabetta Gaddoni
Elisabetta Gaddoni
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Hausmittel gegen das Unglück - Aberglaube am Tisch

Freitag der 17. gilt in Italien als Pechtag schlechthin. Hotelzimmer oder Sitzplätze im Flugzeug mit der Zahl 17 sucht man umsonst, außerdem ist der Freitag im christlich geprägten Kulturraum als der Tag, an dem Jesus starb, ohnehin vorbelastet. Viele dieser althergebrachten Überzeugungen betreffen auch Essen und Trinken. Elisabetta Gaddoni gibt einen Überblick über Handlungen, die noch heute in Italien und anderen Ländern im Alltag - oft unbewusst - berücksichtigt werden, um Pech zu vertreiben oder Glück zu beschwören.

Eptacaidecaidephobie: so wird wissenschaftlich die Angst vor der Zahl 17 bezeichnet, die viele Menschen in Italien empfinden. Einige behaupten, der 17. sei der Monatstag gewesen, an dem laut dem Alten Testament die Sintflut stattgefunden hat. Im alten Griechenland störte die Zahl 17 die Reihenfolge von 16 und 18, die als perfekte Zahlen galten. Die Alten Römer sahen in der römischen Zahl XVII das Anagramm der Schrift "Vixi" ("Ich habe gelebt"), die auf Gräber eingraviert wurde.

Wie dem auch sei: Menschen haben sich im Laufe der Zeit ein endloses Repertoire angelegt, um wenigstens das Gefühl zu haben, das unbeherrschbare Schicksal zu beinflussen.

Grobes Salz © Zoonar.com / Heinz Leitner / dpa
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Goldwertes Salz

Ausgeschüttetes Salz, ein umgedrehter Brotlaib, Knoblauch an der Tür: Dass die meisten dieser beschwörenden Handlungen Alltagslebensmittel betreffen, liegt auf der Hand. Salz zum Beispiel war früher sehr teuer: Mit Salz wurden Löhne bezahlt und Lebensmittel konserviert. Es auszuschütten war daher verpönt und musste auch Unheil mit sich bringen. Daher die Sitte, die früher offene Salzschale lieber auf den Tisch zu stellen, anstatt sie von Hand zu Hand zu reichen.

Brot fallen lassen, galt erst recht als unannehmbares Missgeschick, da Brot laut dem "Vater Unser"-Gebet von Gott den Menschen direkt als Lebensgrundlage gegeben wird.

Lohn des Henkers

Noch heute pflegen ältere Leute ein auf den Boden gefallenes Stück Brot zu heben und zu küssen, bevor sie es wieder auf den Tisch legen. Die noch wache Erinnerung an harte Zeiten, Krieg und Hunger spielen dabei möglicherweise eine größere Rolle als die Religion.

Andere Sitten beruhen aber eher auf historischen Begebenheiten. Brotlaibe sollten zum Beispiel nie umgedreht liegen, denn in Frankreich zu Zeiten von Karl dem VII. waren Brotlaibe die Belohnung der Henker. Als Geste der Verachtung legten Bäcker die Brotlaibe, die für die Henker bestimmt waren, umgedreht auf den Tresen - also mit dem Boden nach oben.

Da die Henker dagegen protestierten, sollen einfallsreiche Bäcker viel später – angeblich Mitte des 19. Jahrhunderts in der Stadt Turin - das Kastenbrot erfunden haben, damit sie das Brot weiterhin pechbringend umgedreht reichen konnten, ohne dass die Henker es merkten.

Heiliges Öl

Als heilig gilt im Mittelmeerraum auch Olivenöl, da es nicht nur für die Ernährung, sondern auch zum Haltbarmachen von Lebensmitteln verwendet wurde. Geweihtes Olivenöl, mit Parfüm vermischt, wird seit jeher auch in der kirchlichen Liturgie verwendet. Daher bringt das Verschütten von Öl auch Unheil.

Etwas Wein durfte man wiederum schon immer verschütten - ohne, dass dies Pech bringt. Wichtig ist dabei immer die Gegenhandlung: Bei Wein hilft, den Finger im verschütteten Wein anzufeuchten, sich am Nacken zu tupfen und sich dabei etwas zu wünschen.

Bei Salz soll eine kleine Prise hinter die linke Schulter geworfen werden; beim Öl streut man etwas Salz über den Ölfleck, dann sei das Schlimmste abgewendet.

Nicht nur gegen Vampire

Eine ganze Reihe Hausmittel, mit denen nicht selbstverschuldete Gefahren abgewendet werden sollten, sehen als Hauptzutat Knoblauch, Zwiebel und Chili vor. Hier vermischen sich die Erkenntnisse aus der traditionellen Heilpflanzenkunde mit dem Aberglauben: Was gegen Krankheiten hilft, wird wohl auch böse Geister vertreiben.

Knoblauchzöpfe an der Tür schützen seit jeher vom Balkan bis zum Mittelmeer vor Fluch, Unheil und unerwünschtem Besuch aus dem Jenseits. In Griechenland reiche dazu sogar, das Wort Knoblauch laut auszusprechen (skordo). In Neapel ist dies mit einem aufwändigeren Prozedere verbunden: Die Sprechformel "Aglio, fravaglio/fattura ca nun quaglio, corna, bicorna, capa r’alice e capa r’aglio", begleitet von drei Mal auf den Boden spucken und dreimal das beidhändige Hornzeichen auf den Boden gerichtet, soll effektiv Flüche und sogenannte böse Blicke fernhalten.

Getrocknete Chilis © Zoonar.com / H. Leitner / dpa
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Zwiebeln spricht man ähnliche Eigenschaften zu, allerdings taugen diese auch zum Voraussagen der Zukunft. Eine eingeschnittene Zwiebel, die dennoch gesprossen ist, hat früher in Norditalien jungen Frauen bestätigt, dass ihre Liebe erwidert wurde.

Ein paar Chilis unter dem Kopfkissen des Ehemannes sollten ihn wiederum vor Untreue abhalten.

Teuflische Nüsse, magische Granatäpfel

Eine besondere Rolle kommt im Volksglauben der Walnuss zu. Walnüsse waren im Alten Rom Spielzeug für Kinder. Im Mittelalter mutierte die Walnuss aber zur Frucht eines Baumes, der den Hexen geweiht war. Dementsprechend bedarf sie einer besonderen Handhabung: Unreife Walnüsse, Grundlage für den Likör Nocino, müssen unbedingt in der Johannisnacht geerntet werden, damit die bösen Kräfte entschärft werden. Zudem müssen sie immer in ungerader Zahl verwendet werden. Diese letzte Vorschrift findet sich sogar immer noch in modernen Nocino-Rezepten.

Walnüsse und Granatapfel auf Teller © Karlotta Ehrenberg/dpa
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Granatäpfel waren wiederum immer ein beliebtes Geschenk, um jemandem Reichtum und Fruchtbarkeit zu wünschen.

Auch in Asien werden noch heute ungeschrieben Vorschriften in Sachen Essen streng beobachtet. Nudeln dürfen zum Beispiel niemals mit dem Zähnen oder mit Besteck durchgeschnitten werden, sondern sollten in ihrer vollen Länge gesaugt werden. Das Durchtrennen könnte die Langlebigkeit kompromittieren. Auch sollten Essstäbchen niemals vertikal im Essen stecken, da dies an die Räucherstäbchen erinnert, die bei der Totenwache brennen.

Monatsblutung und Küchenverbot

Während viele dieser Handlungen heutzutage eher für ein Lächeln sorgen, wenn wir andere dabei beobachten oder uns selbst dabei erwischen, gibt es auch solche, die weitaus weniger harmlos und offen diskriminierend sind. Noch bis vor einigen Jahrzehnten hielt sich in vielen Ländern der Glaube, dass menstruierende Frauen fern von der Küche bleiben sollten: Milch und Wein würden unter ihrem Einfluss sauer werden, das Essen schlecht schmecken und Konserven, die für das ganze Jahr reichen sollten - Tomatensauce, Marmeladen, eingelegtes Gemüse - würden umkippen.

Wenn Frauen dafür mal ausnahmsweise frei bekommen hätten, wäre sogar was Gutes dabei gewesen. Nur, sie müssten an den Tagen trotz Periode andere, oft noch härtere Arbeiten verrichten.

Teurer Aberglaube

Bezeichnend ist, dass viele Formen des Aberglaubens gerade in der Zeit der Renaissance Hochkonjunktur hatten. Möglicherweise machte gerade dieser Umbruch die Menschen unsicher. Bei allen Unterschieden könnten wir auch heute den Eindruck bekommen, dass unsere, von wissenschaftlichen Erkenntnissen gesättigte Epoche, bei vielen Menschen die Sehnsucht nach Magie, Esoterik oder einfach nach Homöopathie erweckt - der bislang teuersten Form des Aberglaubens.

Dies auszulachen hilft wenig, denn das Glauben versetzt bekanntlich auch Berge. Und wie der legendäre neapolitanische Theatermann Eduardo De Filippo sagte: Abergläubig zu sein sei zwar etwas für Ungebildete und Einfältige, es nicht zu sein bringe aber Pech!

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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