Haferflocken © Elisabetta Gaddoni
Elisabetta Gaddoni
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Nahrhaftes Getreide, unverzichtbar für die gesunde Ernährung - Lange verschmäht, heute angesagt: Hafer

Schon im Alten Rom galt Hafer als Tierfutter, das Menschen nur in der Not zu sich nahmen. Dass die Germanen Hafer liebten, bestätigte bei den südländischen Zeitgenossen manche Vorurteile. Auch Bretonen, Waliser und Schotten teilen noch bis heute die Begeisterung für dieses Getreide. Während früher Hafersuppen eher Inbegriff für Durchhalteküche oder Schonkost war, sind Haferflocken, Haferbrot und "Hafermilch" heute unverzichtbar, wenn es um gesundes Essen geht. Was steckt dahinter?

"Wie kann man freiwillig Tierfutter essen?", das fragte sich Plinius, der für die Begeisterung der Germanen für Hafer kein Verständnis hatte. Ähnlich abfällig äußerte sich der Schriftsteller und Gelehrte Samuel Johnson 1755 in seinem Wörterbuch: "Ein Getreide, das in England an Pferde verfüttert wird, in Schottland dagegen an die Bevölkerung."

Hafer © McPHOTO / imago-images
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Hafer ist eine der älteste Getreidesorten überhaupt, aber so beliebt wie Weizen wurde er nie: Weil er schwer zu verarbeiten und leichter verderblich ist, durch den hohen Gehalt an Öl, aber vor allem, weil er sich kaum zum Brotbacken eignete.

Das mangelnde Interesse zeigt sich auch daran, dass dieses Getreide im Laufe der Geschichte kaum veredelt wurde. Hafer wächst aber robust und wetterfest, auch in Regionen, in denen Weizenanbau wegen der Kälte nicht in Frage kommt. So wurde er im Norden nicht nur als Tierfutter, sondern auch für den menschlichen Genuss angebaut. Nicht zufällig finden sich im Norden Frankreichs, in Irland, Wales und Schottland überdurchschnittlich viele Rezepte mit Hafer - über die traditionellen Oatcakes hinaus.

Durchhaltegetreide für Kriegszeiten

Beliebt oder nicht: Hafer ist sehr nahrhaft und war deshalb in Kriegs- und Hungerzeiten unverzichtbar. Mit dem Begriff "Haferkrieg" ist der Konflikt zwischen Hermann Göring und der Reichsforstbehörde in die Geschichte eingegangen, als im harten Kriegswinter 1942-43 der jagdbesessene Reichsmarschall die Haferreserven für Kleinkinder und Zivilisten zweckentfremden ließ, um die Wildtiere in seinen Jagdrevieren zu füttern.

Im Ersten Weltkrieg wurden in Australien und Neuseeland sogenannte ANZAC-Biscuits gebacken (ANZAC: Australian and New Zealand Army Corps), hart gebackene Kekse aus Haferflocken und Kokosnussraspeln, um Spenden zur Unterstützung der Soldaten zu sammeln – eine Tradition, die sich noch heute hält.

In Schweden steht Hafer für einen ganz anderen Krieg: den der Firma Oatly, die Hafertrunk als Milchersatz produziert, und den Milchproduzenten des Landes. Mit der Unterstützung der Bauern in Südschweden, die mit dem Haferanbau den Verlust der staatlichen Subventionen auffangen konnten, und mit einer ausgefeilten und aggressiven Marketingpolitik ("Kippt die Milch weg!") hat es Oatly geschafft, die eigene "Hafermilch" bekannt und beliebt zu machen, während der Milchkonsum in Schweden erheblich zurückgegangen ist.

Schlank wie Gänse

Die Firma hat sehr auf das ökologische Thema und auf das Argument gesetzt, CO2-Emissionen dadurch zu verringern. Ob dies bei einem Global Player, der mittlerweile enorme Mengen in der ganzen Welt vertreibt, noch gegeben ist, sei dahingestellt. Aber Hafer ist heute vor allem zum Inbegriff gesunder Ernährung geworden: Wie bei allen Gesundheitstrends waren hier die USA Vorreiter.

Ob im Müsli, in der Suppe für den rituellen, entlastenden "Hafertag" oder allgemein als Zutat für die Frühlingsdiät ist Hafer heute unverzichtbar, denn das Getreide ist zwar sehr nahrhaft, soll dennoch schlank machen, wahrscheinlich aufgrund der enthaltenen Ballaststoffe. Bauern beobachten, dass mit Hafer gefütterte Gänse zwar kräftig und stark werden, aber nicht fett.

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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