"Hoffmann und Devrient im Weinkeller Lutter und Wegner" - Gemälde um 1832 von Karl Themann nach Skizze von Hoffmann um 1818 © akg-images/dpa
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"Hoffmann und Devrient im Weinkeller Lutter und Wegner" (Gemälde um 1832 v. Karl Themann nach Skizze von E.T.A. Hoffmann um 1818) | Bild: akg-images/dpa

Schaumwein mit Geschichte - E.T.A. Hoffmann und der Sekt

Der Schriftsteller, Komponist, Kapellmeister und Karikaturist E.T.A. Hoffmann, der morgen vor 200 Jahren starb, war vor allem ein geselliger Mensch. Er saß gerne in Weinstuben und ließ sich bei den anregenden Gesprächen mit anderen Künstlern und Literaten durch Schaumwein in Stimmung bringen. Gerade während eines dieser fröhlichen Treffen in seinem Stammlokal "Lutter & Wegner" am Berliner Gendarmenmarkt kam Sekt zu seinem heutigen Namen.

Das war nicht der einzige deutsche Beitrag zur Geschichte des Schaumweins. Die Pioniere der deutschen Sekterzeugung waren junge Winzer, die ab Ende des 18. Jahrhunderts von Deutschland nach Frankreich gingen und dort erfolgreiche Champagnerhäuser gründeten. Das erklärt, warum bekannte französische Kellereien bis heute deutsche Namen tragen.

"Sekt" - ein Wort mit zufälliger Bedeutung

"Sekt" stammt eigentlich aus dem lateinischen Wort "siccum" für "trocken". Verwendet wurde das Wort im 17. und 18. Jahrhundert für den sogennanten "vinum hispanicum", den sherryartigen "iberischen Wein". Den meinte William Shakespeare, als er im Stück "Heinrich IV." den genussfreudigen Falstaff nach "sack" schwärmen ließ. Nur durch einen Zufall kam es in Berlin zur heutigen Bedeutung des Wortes Sekt.

E.T.A. Hoffmann u. Ludwig Devrient im Weinkeller von "Lutter und Wegner" in Berlin © dpa
E.T.A. Hoffmann (re.) u. Ludwig Devrient im Weinkeller von "Lutter und Wegner" in Berlin | Bild: dpa

E.T.A. Hoffmann pflegte jeden Abend in der Gaststätte "Lutter & Wegner" am Berliner Gendarmenmarkt auf seinem Freund und Zechbruder Ludwig Devrient zu warten. Der Schauspieler spielte gegenüber im Nationaltheater. Eines Abends im November 1825, als dieser gerade von seinem Auftritt als Falstaff in die Weinstube kam, soll er seine Bestellung mit dem Falstaff-Zitat "Bring er mir Sect, Schurke!" gegeben haben. Der Kellner verstand das nicht, brachte daher keinen Sherry an den Tisch, sondern den schäumenden Wein, den die beiden jeden Abend in Mengen zu sich nahmen. So soll sich allmählich das deutsche Wort für Schaumwein etabliert haben.

Amtlich wurde der Name "Sekt" erst 1925, nachdem die Bezeichnung "Champagner" infolge des Versailler Vertrags den deutschen Herstellern untersagt wurde.

Modisches Getränk der High Society

Champagner begleitete ab Anfang des 19. Jahrhunderts als neues, modisches Getränk die Treffen der feinen Gesellschaft in Berlin sowie in anderen europäischen Metropolen.

E.T.A. Hoffmann lockte mit seinem Besuch in angesagten Lokalen rund um den Gendarmenmarkt Nachtschwärmer, Touristen und andere Literaten. Er wohnte gleich um die Ecke und unterhielt Abend für Abend die Tafelrunde mit skurrilen Spuk- und Gespenstergeschichten. Das "Lutter & Wegner", zu dessen Stammkunden auch Carl Maria von Weber, der junge Heinrich Heine, Adelbert von Chamisso und Joseph Freiherr von Eichendorff zählten, wurde schnell zum Geheimtipp und Inbegriff des Berliner Nachlebens. Das malerische Gewölbe des Lokals inspirierte das Bühnenbild der Oper "Hoffmanns Erzählungen", die Jacques Offenbach zum Libretto der Franzosen Jules Barbier und Michel Carré komponierte – womit der Dichter zu einer weltweit bekannten Opernfigur wurde.

Weinwissen aus Frankreich, Geschäftssinn aus Deutschland

In derselben Zeit wanderten viele junge Winzer aus Süd- und Westdeutschland Richtung Frankreich aus, um Erfahrungen in der Herstellung von Champagner zu sammeln. Einige blieben dort und gründeten eigene Kellereien, deren Namen noch heute eine große Rolle spielen, wie bei den bekannten Marken Heidsieck, Deutz, Mumm und Krug. Der Schlüssel zum Erfolg war vor allem ihr Talent im Vertrieb: Schaumwein wurde schon damals in großen Mengen nach Deutschland und England exportiert, und die Kenntnis dieser beiden Sprachen war nützlicher als die des Französischen.

Einige von ihnen zogen nach Deutschland zurück und gründeten im Laufe des 19. Jahrhunderts in allen deutschen Weinbaugebieten Sekthäuser, deren Produkte sich bald als Konkurrenten des französischen Champagner einen Namen machten. "Rheingold", ein Riesling-Sekt aus dem Hause Söhnlein in Wiesbaden, gewann bei der Weltausstellung in Paris 1876 die erste Goldmedaille für deutschen Sekt.

Einige Firmennamen, die wir noch heute auf dem Weinregal in Supermarkt finden, stammen aus diesen "Boom"-Jahren - u.a. Kessler, Henkell, Deinhard, Kupferberg, Kloss & Forster und Oppmann.

Weltmeister im Sekttrinken

Diese Vorliebe für Sekt hält hierzulande noch an: Nirgendwo in der Welt werde so viel Sekt wie in Deutschland getrunken. Von 19 Millionen Hektoliter Schaumwein, die 2018 weltweit verkauft wurden, fielen 3,2 Millionen auf Deutschland. Die steigende Nachfrage hat auch damit zu tun, dass Schaumwein immer mehr auch als Zutat für Aperitifs und Cocktails verwendet wird. Allerdings hat der Konsum alkoholhaltiger Getränke in zwei Jahren Pandemie nachgelassen, und somit auch der Genuss von Sekt. Kein Wunder: Prickelnde Weine verbinden wir meist mit Geselligkeit und mit sozialen und festlichen Anlässen. Fallen diese aus, dann ist es schwer, sich allein in den eigenen vier Wänden auf Sektlaune zu bringen. Und da bietet Piccolo, die um 1930 erfundene Viertel-Flasche-Portion für einsam Trinkende, auch keinen Trost.

Damit hätten E.T.A. Hoffmann und seine Freunde, die angeblich an einem Abend bis zu sechs Flasche Champagner pro Person leeren konnten, jedenfalls nicht viel anfangen können.

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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