Maiyarap – Thai-Nudelbar in Berlin-Kreuzberg; © Thomas Platt
Bild: Thomas Platt

Thai Noodle Bar - "Maiyarap"

Bewertung:

Die thailändische Küche ist in Berlin wohl ein wenig ins Hintertreffen geraten. Der asiatische Konkurrenz, allen voran der vietnamesischen, ist es in jüngerer Zeit gelungen, sich in den Vordergrund zu schieben. Wie dem zum Trotz, existiert ein kurioser Ort in Kreuzberg: Er beweist, dass das kulinarische Thailand viel mehr sein kann als essbare Urlaubserinnerung.

Maiyarap – Thai-Nudelbar in Berlin-Kreuzberg; © Thomas Platt
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Das "Maiyarap" liegt an einer Stelle in Kreuzberg, wo sich die geschäftige Oranienstraße gerade wieder beruhigt hat. Es ist eigentlich mehr Imbiss als ausgewachsenes Restaurant mit ziemlich unterschiedlichen Gelegenheiten, sich niederzulassen: eine Mischung aus Camping und Festzeltgarnitur auf dem Trottoir, drinnen ein Anflug von Bistro um eine Herdzeile, wo in hohen Töpfen Suppe simmert.

Ein Hang zum Süßen und Scharfen

Am anderen Ende des Lokals öffnet sich unverhofft eine Terrasse mit Blick auf ein ebenfalls überraschendes Hinterhof-Brachland und weiter zum Ufer der Skalitzer Straße hin. Der ruhige Gleichmut, mit dem dort alles geschieht, hebt die Klause zusätzlich hervor. Serviert werden dort vorzügliche Suppen mit einem Hang zum Süßen und Scharfen sowie ein paar kleine Gerichte als Zufahrtswege einer Tradition, die aus dem östlichen Thailand in der Nachbarschaft von Kambodscha stammt.

Maiyarap – Thai-Nudelbar in Berlin-Kreuzberg; © Thomas Platt
Bild: Thomas Platt

Auch wenn sie ein wenig plakativ daherkommt, handelt es sich im Maiyarap um eher derbe Volksküche, die wenig Rücksicht nimmt auf europäische Gewohnheiten. Sie wirkt erfrischend echt, nicht nur wegen der ungewöhnlichen Rezepte (Pink Nudelsuppe zum Beispiel oder Schweineblut oder aber fermentierter roter Tofu in gesüßter Suppe), sondern auch, weil man zum Genuss kein außergewöhnlich lebendiges Empfindungsvermögen mitbringen muss.

Ebenfalls spricht für Authentizität, dass industrielle Zutaten wenig Raum geboten wird (wobei die federnd elastischen, fast weisswurstartige Konsistenz der "Kanom Jeep Gung", gedämpfte Dim Sum einen Schatten des Zweifels wirft).

Hier besteht die Karte nicht auf einer registerartigen Aufzählung von Speisen, die jede Abwandlung in den Rang einer bedeutungsvollen Position erheben, sondern eine kleine konzentrierte Karte.

Im Mittelpunkt stehen Suppen mit Reisnudeln etwa in Spätzlestärke. Unter ihnen "Gieuw Tiew Tom Yam" – vom Namen her vermutlich die vertrauteste – mit Erdnüssen, Chili, Thai-Sellerie und kräftiger Fish Sauce, die an Sardellen erinnert. Sie gibt es wahlweise mit Tofu oder Shrimps und Fischbällchen (zwischen 12 und 14 Euro, wie alle Suppen hier).

Interessanter ist die ins Süßsaure spielende "Gieuw Tiew Yen Tafo" mit dem deutlichen Umami-Ton von fermentiertem Tofu. Den Suppen gemeinsam ist ein Fond, der den Namen verdient. Er liefert Substanz und zusammen mit lieblichen Noten die Basis für die Entfaltung von Kräutern, Sprossen und Schärfe.

Freude am Mittag

Der Rest gruppiert sich darum. Darunter ist "Pad Thai", ein "trockenes" Gericht aus gebratenen Reisnudeln, schön sautierten Tofuwürfeln, knackigem Gemüse, Sprossen und Shiitake-Pilzen. Gedämpfte oder gebratene Teigtaschen mit Schweinefleisch-Garnelen-Füllung (man könnte auch von Garnelenwurst sprechen) und recht trocken gerösteter "crispy" Schweinebauch, die man in einer anderen Umgebung als dieser vielleicht als extravagant empfinden würde, komplettieren ein Programm, das vor allem am Mittag – sozusagen im Vorübergehen – Freude bereitet.

Es hat wenig Sinn, diese Speisen ausgiebig analytisch zu zerpflücken. Denn sie beschreiten einen Weg vom Gaumen zum Herzen, der nicht über den Verstand führt.

Thomas Platt, rbbKultur

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