Manuela Reichart; Foto: Anna-Katharina Schulz/ rbb

Vergessene Autorinnen wiederentdecken - Reihe: Die Überlesenen

Jedes Jahr gibt es wieder unendlich viele Neuerscheinungen - viele Bücher, die es lohnen, gelesen zu werden und viele, die man getrost vergessen kann. Ob Romane Bestand haben, erweist sich erst sehr viel später. Unsere Literaturexpertin Manuela Reichart stellt in einer neuen Reihe Autorinnen vor, deren Werk jung und stark geblieben ist, die trotzdem nicht bekannt bei uns sind und "überlesen" wurden im Kanon der wichtigen Autorinnen und Autoren.

Henriette Hardenberg: "Dichtungen" und "Südliches Herz"; Montage: rbbKultur
Arche

Vergessene Autorinnen wiederentdecken - Die Überlesenen: Henriette Hardenberg

Die dänische Schriftstellerin Karin Michaëlis war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts berühmt und ungemein produktiv: Ungefähr 60 Romane und Erzählungen hat sie ge­schrieben. Fast immer geht es um das Verhältnis zwischen Frauen und Män­nern, um unglückliche Ehen oder fehlgeschlagene Versuche, glücklich miteinander zu werden. Unbdingt lesen: d e n Bestseller aus dem Jahr 1910 "Das gefährliche Alter".

Elizabeth Bowen, irische Autorin; © dpa/United Archives
dpa/United Archives

Vergessene Autorinnen wiederentdecken - Die Überlesenen: Elizabeth Bowen

Die englisch-irische Autorin Elizabeth Bowen hat im Zentrum ihrer Romane und Erzählungen immer wieder höchst interessante Frauenfiguren, die ihr allerdings oft Kritik einbrachten. In einer Besprechung konnte man 1949 über diese Heldinnen etwa lesen: "Mit fanatischer Beharrlichkeit führen sie Eltern und Freunde hinters Licht, haben uneheliche Kinder, beginnen Affären mit Männern, die sie kaum kennen, und schrecken selbst vor Mord nicht zurück." Was damals negativ gemeint war, macht heute neugierig.

Sylvia Townsend Warner, 1927; © imago-images/United Archives International
imago-images/United Archives International

Vergessene Autorinnen wiederentdecken - Die Überlesenen: Sylvia T. Warner

Der Debütroman von Sylvia T. Warner, "Lolly Willowes", stand vor einigen Jahren nicht nur auf der Auswahl-Liste der 100 besten englischsprachigen Romane der Zeitung The Guardian. Er war schon bei Erscheinen 1926 enorm erfolgreich. Die erste deutsche Übersetzung erschien 1930, Ende der 1970er und dann noch einmal 1992 gab es deutsche Neu-Ausgaben dieses ebenso komischen wie hellsichtigen, bösartigen und empfindsamen Romans.

Leonora Carrington © picture alliance / akg-images / Marion Kalter
picture alliance / akg-images / Marion Kalter

Vergessene Autorinnen wiederentdecken - Die Überlesenen: Leonora Carrington

Vor zehn Jahren ist sie in Mexiko gestorben, mit 94 Jahren: die Malerin und Schriftstellerin Leonora Carrington, oft eher als langjährige Geliebte und große Liebe von Max Ernst bekannt. Dabei war sie sowohl eine äußerst eigenständige bildende Künstlerin, deren Bilder heute auf dem Kunstmarkt begehrt sind, als auch Schriftstellerin.

Die US-amerikanische Schriftstellerin Carson McCullers 1959 © akg-images
akg-images

Vergessene Autorinnen wiederentdecken - Die Überlesenen: Carson McCullers

Sie gehört zu den berühmtesten Unbekannten der amerikanischen Nachkriegsliteratur: Carson McCullers. Auch wer nie eine Zeile von ihr gelesen hat, kennt vielleicht den Titel ihres berühmtesten Werks "Das Herz ist ein einsamer Jäger". Manuela Reichart stellt die große Südstaatenautorin vor.

Grace Paley, Schriftstellerin © Effigie/Leemage/dpa
Effigie/Leemage/dpa

Vergessene Autorinnen wiederentdecken - Die Überlesenen: Grace Paley

Bei der 48. PEN-Konferenz 1986 in New York waren unter den 117 Teilnehmern, die dort das Wort ergriffen, nur 16 Frauen. PEN-Präsident Norman Mailer begründete das damals damit, dass es sich bei den Rednern um "wirkliche Schriftsteller" handeln müsse. Nach dieser Rechtfertigung ergriff die Schriftstellerin das Wort, um die es in unserer Reihe "Die Überlesenen" heute gehen soll: Grace Paley. Manuela Reichart stellt sie vor.

Schriftstellerin Flannery O'Connor © Floyd Jillson
Atlanta Journal-Constitution/AP

Vergessene Autor:innen wiederentdecken - Die Überlesenen: Flannery O'Connor

In dieser Folge geht es um die amerikanische Südstaatenautorin Flannery O’Connor. Auf die Frage, welchen Rat sie jungen Autorinnen und Autoren geben würde, hat sie einmal geantwortet: "Mein Rat ist - zu lesen und zu schreiben und zu schauen und zu hören. Nimm dich selber nicht so wichtig wie das, was um dich herum passiert und wenn du unbedingt über dich selber schreiben musst, bewahre Abstand und beurteile dich mit den Augen und der Strenge eines Fremden."

Janet Frame © picture-alliance/ dpa/ Sam_Henderson
picture-alliance/ dpa/ Sam_Henderson

Vergessene Autorinnen wiederentdecken - Die Überlesenen: Janet Frame

Die neuseeländische Autorin Janet Frame steht heute im Zentrum unserer Erinnerungsreihe "Die Überlesenen". Janet Frame führte ein zurückgezogenes Leben. Vor 30 Jahren allerdings stand sie plötzlich im besonderen Licht der Öffentlichkeit, weil ihre Autobiografie "Ein Engel an meiner Tafel" prominent für das Kino verfilmt wurde. Manuela Reichart stellt diese überlesene Autorin vor.

Marieluise Fleißer © picture-alliance/ dpa/ dpaweb
picture-alliance/ dpa/ dpaweb

Vergessene Autorinnen wiederentdecken - Die Überlesenen: Marieluise Fleißer

In der Reihe "Die Überlesenen", die Autorinnen gewidmet ist, die es unbedingt lohnen, wieder gelesen zu werden, geht es hier um Marieluise Fleißer, die 1974 in Ingolstadt starb, wo sie fast 60 ihrer 72 Lebensjahre verbracht hatte. Berühmt wurde sie mit der Uraufführung ihres Stücks "Pioniere in Ingolstadt" 1929 in Berlin, inszeniert von Bertolt Brecht.

Podcasts

Rahel, damit Sie mich kennen © rbb/Birgit Beßler
rbb/Birgit Beßler

rbbKultur Rahel, damit Sie mich kennen

Rahel Levin Varnhagen von Ense – in ihrem Salon trifft sich das Who is who Berlins um 1800. Anspruchsvoll ist sie und emanzipiert. Ihr bewegtes Leben war geprägt von großen Zeitumbrüchen, von Freundschaften und der Suche nach der wahren Liebe und nicht zuletzt von dem Umstand, dass sie Jüdin war. Frau und Jüdin – genug, um ein Leben lang um Anerkennung kämpfen zu müssen.

Podcast | Clever Girls © rbbKultur
rbbKultur

rbbKultur Clever Girls – rebellisch, feministisch, wegweisend

Berühmte Brandenburgerinnen – Einmal pro Woche stellen wir hier Brandenburgerinnen vor, die das Zeug zum Role Model haben. Spannende - aber weitgehend vergessene - feministische Vorbilder wie:

- Justine Siegemundin – Hebamme, die im 17. Jahrhundert das erste deutsche Lehrbuch für Geburtshilfe geschrieben hat.
- Erna Kretschmann - engagierte Naturschützerin und Erfinderin des Eulen-Symbols für Naturschutzgebiete.
- Johanna Louise Pirl – Glashüttenbesitzerin und Selfmadefrau in der rein männlichen Geschäftswelt des 18. Jahrhunderts.

Mehr Literatur

Walter Serner Preis 2021; © rbbKultur
rbbKultur

- Walter Serner Preis 2021

"Sprich nicht zu oft zu zynisch. Sei es immer." Walter Serner in "Letzte Lockerung. Manifest dada"

Autorinnen und Autoren sind herzlich eingeladen, sich bis zum 24. Oktober 2021 mit unveröffentlichten Kurzgeschichten zu bewerben, die dieses Mal vor allem in der erzählerischen Tradition von Walter Serners scharfkantigem und satirischem Humor stehen.

Sachbücher des Monats (Foto: © Colourbox); Montage: rbbKultur
Colourbox

Die Sachbücher des Monats

Themen beleuchten, Probleme analysieren, Lösungen diskutieren: Sachbücher bieten in einer immer komplexeren Welt Orientierung – aber wer kennt schon die Neuerscheinungen auf dem deutschsprachigen Büchermarkt? 24 namhafte Jurorinnen und Juroren aus Wissenschaft und Publizistik bewerten Monat für Monat neue Sachbücher nach Relevanz, Originalität und Lesbarkeit. Ihre Funde sammeln wir als "Sachbücher des Monats" und ergänzen sie durch die "Besondere Empfehlung" eines ausgewählten Lesers – eine Lesehilfe für ein interessiertes Publikum.

Josephine Mark: "Trip mit Tropf"; Montage: rbbKultur
Kibitz Verlag

- Comic des Monats

Die besten Neuerscheinungen oder auch die lohnendsten Wiederentdeckungen. In unserer Rubrik "Comic des Monats" machen wir auf spannende Lektüre aufmerksam.

Unsere Comic-Expertin Andrea Heinze wählt aus den vielen Neuerscheinungen der grafischen Literatur ihre Empfehlungen aus. Dazu gibt unveröffentlichtes Material Einblick in die Arbeit der Künstlerinnen und Künstler.