Marcel Proust © picture alliance / Heritage-Images
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- Lesen und hören Sie mit uns!

Wir haben uns vorgenommen, mit Ihnen zusammen Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" zu lesen, denn besonders große Vorhaben bewältigt man am besten gemeinsam. Schreiben Sie uns!

Sie wollten schon immer "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" lesen? Besonders große Vorhaben bewältigt man am besten gemeinsam. Deswegen haben wir uns vorgenommen, mit Ihnen zusammen Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" zu lesen bzw. zu hören.

Wir begleiten die Lesung mit einer wöchentlichen Kolumne der Autorin und Journalistin Doris Anselm, die einerseits die großen Momente dieses Romanzyklus feiert und andererseits zum Durchhalten und Dranbleiben anfeuert, denn dieses Werk ist wie eine Gipfeltour: herausfordernd aber jede Mühe wert!

Darüber wollen wir auch mit Ihnen ins Gespräch kommen. Kommentieren und tauschen Sie sich aus. Schreiben Sie uns eine Mail an proustlesen@rbbkultur.de.

Oder treten Sie unserer Facebook Gruppe "Proust lesen mit rbbKultur" bei: www.facebook.com/groups/4824467260960056

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Antwort auf [Elsa Windeck] vom 10.04.2021 um 20:31
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495 Kommentare

  1. 495.

    Liebe Frau Lethaus, es tut uns leid, dass Sie keine Antwort erhalten haben... könnten Sie die Fotos direkt an proustlesen@rbbkultur.de senden? Dort erhalten Sie mit Sicherheit eine Antwort. Schonmal vielen Dank für die tolle Idee.

  2. 493.

    Da will ich mich doch auch mal wieder melden.Bin noch dabei, höre und lese weiter mit Begeisterung und kann Sie alle nur ermuntern so fleißig weiter zu kommentieren ,gerade in dieser Zeit, in der es rauh und garstig zu geht in unserer Medienwelt tut es gut, diesen Ruhepol zu haben mit diesen Texten.
    Nun noch etwas : Am 12.4.21 hatte ich eine Mail an die RBB Redaktion geschickt mit 4 Fotos als Anhang.Diese Fotos stammen aus einem alten Architetur und Wohnenheft von 1992, die ich gesammelt habe und es sind Stilleben zu „Tafelfreuden bei Proust“ zu ausgewählten Texten von ihm.Zauberhafte Fotos mit Porzellan, Silber ,Glas und und....Leider kann ich sie Ihnen ja nicht übermitteln, aber eine Antwort hätte ich schon erwartet...vielleicht hat sie nur der falsche Sachbearbeiter bekommen?Es wäre schön eine oder einer aus der Kulturrefaktion hätte sie zu Gesucht bekommen, zB Frau Anselm.So notiere ich das mal an dieser Stelle

  3. 492.

    Das hängt davon ab. wie man "erotische Anziehungskraft" definiert. Ich würde schon sagen, dass sie diffus vorhanden ist, auch wenn sie sich nicht auf ein bestimmtes Mädchen richtet.

  4. 491.

    ... verwandeln sich die Mädchen unausgesetzt, mit subtilen Übergängen von einer Metamorphose zur anderen: von Außerirdischen werden sie über musikalische Vergleiche zu frühklassischen Statuen, die das Ideal menschlicher Schönheit und Vollkommenheit eben deshalb verwirklichten, weil sich in ihnen keine die Harmonie störenden tiefen oder quälenden Gedanken, keine entstellenden Gemütsregungen spiegeln. In totalem Kontrast dazu der Erzähler, wie wir wissen. Er ist aber nicht nur eine hochdifferenzierte individuelle Persönlichkeit; viele Züge teilt er mit dem Typus des Decadent, der ebenfalls zur Belle Epoque gehört. Auch dies hatte ich wohl im Hinterkopf bei meiner Schlagwort-Abbreviatur „Schluss mit Belle Epoque“.

  5. 490.

    Lieber Herr Stellmann, ich dachte nicht an den strikt historischen Epochenbegriff, sondern an das, was wir heute damit assoziieren, die Welt des Grand Hotel mit ihren hochkultivierten überfeinerten Umgangsformen, luxuriöse (unpraktische) Mode, Liebe zum Dekor etc. In dem Bild, das Proust als Zusammenprall inszeniert, stehen die Mädchen für deren Negation: sie setzen (sich) buchstäblich über das Alte, Abgelebte hinweg. Damit weisen sie auf ähnliche Veränderungen voraus wie die Sprache des Liftboys, nur umfassender und zugleich komprimierter. Dem Erzähler, der in den Kategorien der Großmutter(!) denkt, erscheinen sie wie Wesen von einem anderen Stern. Seine Überzeugung, zu deren Welt nie Zugang zu finden, beruht nicht nur auf ihrer Fremdheit, sondern auch auf ihrer Schönheit, Gesundheit und unbekümmerten Heiterkeit; für Krankheit und Schwäche haben sie weder Verständnis noch Erbarmen, Gedanken- und Gemütstiefe sind ihnen fremd. Um diese Aspekte sinnfällig zu machen, verwandeln sich die

  6. 489.

    41. Folge .
    Trotz seines übermüdeten, angetrunkenen Zustands kann der Erzähler auf der Rückfahrt von Rivebelle die Frauen, die er an den Tischen des Restaurants flüchtig angeschwärmt hat, im Rückblick unterscheiden, bewundern und begehren. Dagegen hat er Mühe, die jungen Mädchen der kleinen Schar am Strande von Balbec, die er voll Aufmerksamkeit beobachtet hat, auseinanderzuhalten, auch später noch, als er sie wiedersieht, denn seine anfängliche Bewunderung bringt keine erotische Anziehung mit sich. Allenfalls die Blicke, die ihm Mlle. Simonet, deren Namen er in Erfahrung gebracht hat, als einzige zuwirft, heben sie von ihren Gefährtinnen ab. Nichts deutet darauf hin, dass sie später die Liebe seines Lebens werden wird, während ihn bisher selbst der der flüchtigste Anblick jungen Frauen zu Liebesfantasien entflammt.

  7. 488.

    40. Folge..
    Sobald der Erzähler den Speisesaal von Rivebelle betritt und übermäßig zu trinken anfängt, wird er vom Erlebnis des Restaurantbetriebes ästhetisch derart überwältigt, dass er ihn zum kosmischen Spektakel mit kreisenden Gestirnen verklärt und Körper und Seele in einen Resonanzboden für die Tischmusik verwandelt. Hier wird er ein „neuer Mensch“, der seine Lebenswirklichkeit vergessen hat. Was er nicht vergessen kann, ist seine erotische Obsession, mit der er den Speisesaal als Panorama attraktive Frauen erlebt, die ihn lieben könnten. Hier mündet seine ästhetische Faszination schließlich in unerfülltes Begehren—ganz im Gegensatz zu Saint-Loup, der mit kalter Indifferenz an diesen Frauen vorübergeht, obwohl einige von ihnen ihn anhimmeln, weil sie ihn als Liebhaber gekannt haben.

  8. 487.

    Liebe Frau Windeck, Ihrer Deutung, hier endgültig das Ende der Belle Epoque zu sehen, mag ich nicht zustimmen. Auch wenn sich im Roman keine eindeutigen Datumsangaben finden, verorte ich diesen Teil der Erzählung um etwa 1895 aufgrund der Dreyfuss-Affäre, die ja hier an Fahrt aufzunehmen scheint. Das aber wäre ja geradezu die Hochzeit der Belle Epoque.
    Und das rabaukenhafte Auftreten der jungen Mädchen? Nun ja, hat sich nicht schon Sokrates darüber aufgeregt, dass die Jugendlichen seinerzeit völlig respektlos waren?

  9. 486.

    2
    Diese Entree-Szene gehört in meinen Augen zum Besten, was Proust je geschrieben hat. Sie hat eine eigene, oft symbolische Bedeutung auf sämtlichen Ebenen des Romans und nimmt vieles bildhaft vorweg, was später länger ausgesponnen wird. Themen und Motive klingen an, die sowohl voraus- als zurückweisen. Auch süffisante Komik fehlt nicht. Dazu ist die Szene unerhört gekonnt komponiert (was ja bei Proust nicht immer zutrifft) und sprachlich meisterhaft. Da die Folge schon zurückliegt, hier keine Beispiele; aber es lohnt wirklich, diese Szene noch einmal im Zusammenhang zu hören/lesen. Ich bin sicher, dass nicht zuletzt diese Szene ausschlaggebend dafür war, dem Roman den Prix Goncourt zuzuerkennen.

  10. 485.

    1
    Sorry fürs Nachzügeln. Zur Zeit schaffe ich es selbst an Wochenenden nicht immer, Lesungen nachzuhören und Kommentare zu lesen. Flashback auf die Szene, in der die „jeunes filles en fleur“ ihren ersten Auftritt haben und sich wie ein Fremdkörper, wie eine unaufhaltsame Maschine durch das Gewoge der Badegäste schieben , so dass die Spaziergänger beiseite springen müssen, empört und fassungslos. Stellen wir uns die Szene vor: der provozierende Sprung über den alten Bankier, der Vulgärjargon, in dem die Mädchen reden, Albertine mit der tief in die Stirn gezogenen Polomütze – man könnte glauben, Proust sei in eine Zeitschleife geraten und in unserem Jahrhundert gelandet. Man darf aber nicht übersehen, welch ungeheure Provokation damals ein derart rücksichtsloses Verhalten auf der überfüllten Kurpromenade eines mondänen Badeortes darstellte. Hier ist endgültig Schluss mit ‚Belle Epoque‘ (Herr Werckmeister wies darauf hin).

  11. 484.

    Ich denke, das ist eine Frage, die sich hier nicht im Forum kaum beantworten lässt, liebe Herr Buchwald. Das ist wohl sehr, sehr komplex. Ich weiß nicht, wie ich mich vor 100 Jahren verhalten hätte. die Verhältnisse waren in vielem doch andere als heute.

  12. 483.

    DU MEINE GÜTE!
    Kann mir wer aus diesem Kreis erklären, warum ein Autor, der kulturell vielfältigst gebildet scheint und sich zur Bi- oder Homosexualität als Mann offen bekennt, solch eine brutale Abwehrhaltung einnimmt?
    Er hat doch nicht etwa in zarten Kleinkindertagen Maman mit Mme. de Cressi im Bett ertappt, oder?

  13. 482.

    Zu den treffenden Kommentaren von Herrn Weskamm und Herrn Stellmann: das forsche Gehabe der kleinen Mädchenschar deutet an, dass hier ‚Gomorrha‘, eine Brutstätte lesbischer Liebe, auf den Erzähler zukommt, die er durch alle folgenden Bände hindurch als die gefährlichste Bedrohung seiner Sexualität empfinden und unerbittlich denunzieren wird!

  14. 481.

    39. Folge.
    Die Fahrt im Aufzug des Hotels wird der Erzähler seiner Klassengrenze gewahr. Erstaunt und amüsiert über das Vokabular, mit dem der Liftboy seine Stellung beschreibt, ohne die üblichen Ausdrücke der Arbeitgeber zu verwenden, glaubt er hier eine Sprache des Proletariats zu erkennen und hört auf, mit dem Liftboy zu sprechen. Am wohlsten fühlt er sich allein in seinem Zimmer. Dort assoziierte er die Aussichten aus dem Fenster und ihre Widerspiegelungen in den Glasschränken an den Wänden mit Werken der Kunst, um sie ästhetisch zu erleben. Trotzdem fühlt er sich noch immer unfähig, die immer wieder angestrebte literarische Arbeit zu beginnen. Und im nächtlich strahlenden Restaurant von Rivebelle fällt er wieder in seine alte Gewohnheit zurück, mit den Blicken Frauen zu suchen, die sich in ihn verlieben könnten. Es scheint, als stünden sowohl das ästhetische Erleben als auch die erotische Obsession der künstlerischen Produktivität im Wege.

  15. 480.

    39.2 Alles ist hier Metamorphose, kein Augenblick trägt Dauer in sich, weder innen noch außen. Veränderungen werden nur in Oberflächlichkeiten wahrgenommen, ihr Wesen aber nicht entschlüsselt. In der Sprache des Liftboys deuten sich soziale wie sprachliche Veränderungen an, die Sommerfrischler ziehen ab, die Erscheinung des Hotels wandelt sich, die kleine Simonet wird zu einem ersten Bild in des Erzählers Phantasie, die Natur folgt der Jahreszeit, neue Lichtverhältnisse erscheinen, die Bilder der Aussenwelt und ihre Projektionen ins Zimmer hinein sind langsamen aber stetigen Veränderungen unterworfen etc. pp. All das nimmt der Erzähler wahr, ohne dessen Bedeutung für das spätere Werk zu erkennen.

  16. 479.

    39.1 .Am Ende dieser Lesung sinniert der Autor, immer noch vom eigenen Werk nur träumend, über Entstehungsbedingungen der Kunst, ohne sich selbst aufraffen zu können, ohne ein eigenes Thema gefunden zu haben. An dieser Stelle nicht ahnend, dass sein Werk schon im Entstehen begriffen ist, denn die Schriftstellerei beginnt nicht erst in dem Moment, da man den Stift in die Hand nimmt und sich dem Terror der leeren Seite und der Suche nach dem ersten Satz stellt, sondern im Sammeln von Augenblicken, im Anhäufen von Rohstoff und von Erfahrungen

  17. 478.

    Die Grausamkeit der Jugend gegenüber den Altvorderen wird von Proust öfter thematisiert. Explizit bei der Mlle. Vinteuil, die ihren Vater noch posthum demütigt, weniger prononziert doch immer noch deutlich wahrnehmbar bei Gilberte im Verhältnis zu ihren Eltern, bei Bloch, und nun eben bei den jungen Mädchen. Weitere heftige Beispiele werden im Zuge der Erzählung folgen. In dieser Phase geht es wohl eher um Generationenkonflikte, Frechheit und Rücksichtslosigkeit als Mittel beginnender Emanzipation und das Erscheinen unterschiedlicher Charaktereigenschaften in unterschiedlichen sozialen Zusammenhängen.

    Vor Corona konnte ich solche Gruppen Mädchen und Jungen immer wieder beobachten, selbst in Buxtehude und nach Corona wird das wieder so sein. Oh, diese Grausamkeit der Jugend, die ich einst auch in mir trug...grins

  18. 477.

    Offenbar hat der Erzähler eine starke Affinität zu Mädchen und jungen Frauen, die sich in Szene zu setzen wissen und eine gewisse Stärke und oder Frechheit ausstrahlen. Gilberte gehört ebenso dazu wie das junge Mädchen mit den Fischen einige Lesungen zuvor, und nun ist es die "Erbarmungslose", die ihn fasziniert. Sucht der gesundheitliche schwächeldne Erzähler unbewusst ein starkes Gegenüber?

  19. 476.

    Ja, da würde ich zustimmen,
    grausame Gruppe und ...BDM Scharfüherin.
    trifft die Situation m.E. nicht und ist historisch nicht angebracht. Bitte nochmal hören !!
    Endlich wird von sportlichen, jungen Frauen mit etwas rücksichtslosem ( männlichem ? ) Verhalten berichtet - wo bleibt der Applaus für die freche Mädchen Gruppe ?