Marcel Proust © picture alliance / Heritage-Images
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- Lesen und hören Sie mit uns!

Wir haben uns vorgenommen, mit Ihnen zusammen Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" zu lesen, denn besonders große Vorhaben bewältigt man am besten gemeinsam. Schreiben Sie uns!

Sie wollten schon immer "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" lesen? Besonders große Vorhaben bewältigt man am besten gemeinsam. Deswegen haben wir uns vorgenommen, mit Ihnen zusammen Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" zu lesen bzw. zu hören.

Wir begleiten die Lesung mit einer wöchentlichen Kolumne der Autorin und Journalistin Doris Anselm, die einerseits die großen Momente dieses Romanzyklus feiert und andererseits zum Durchhalten und Dranbleiben anfeuert, denn dieses Werk ist wie eine Gipfeltour: herausfordernd aber jede Mühe wert!

Darüber wollen wir auch mit Ihnen ins Gespräch kommen. Kommentieren und tauschen Sie sich aus. Schreiben Sie uns eine Mail an proustlesen@rbbkultur.de.

Oder treten Sie unserer Facebook Gruppe "Proust lesen mit rbbKultur" bei: www.facebook.com/groups/4824467260960056

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Antwort auf [Brigitte Krings] vom 30.07.2021 um 17:40
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971 Kommentare

  1. 971.

    Danke, Frau Krings -
    Proust über Schlaf und Erwachen, der Erzähler (die „Eule“ in Erwartung des erlösenden Todes) spricht.
    Faszinierend die Beschreibungen der Übergänge vom Wachen in den Schlaf und umgekehrt. Der Schlaf sei Zustand und Zeit von ‚Abwesenheit’ – aber welcher? Die Bilder/Szenen im Schlaf nennen wir Traum. Vom Ich im Traum ist kaum die Rede, seltsam. Der Erzähler beschreibt den Schlaf (besser: Traum) als Ort/Sphäre der Vermischung und Vertauschung, auch der Konfrontation (Frau/Mann > „androgyn“; Dinge/Belebtes/Menschen; Freunde/Feinde), in einer weiteren Reflexion: als der „Zeit“ enthoben. Im Schlaf/Traum ‚erleben’ wir Leiden und (sexuelle) Lust. Was ihn beschäftigt, ist der unklare Ich-Zustand („niemand“) im Erwachen. Ihm ist zwar klar, dass Bewusstsein, Gedächtnis und auch Erinnerung ans Wachsein gebunden sind, aber das „Meer“ Schlaf trage der „Halbinsel“ Leben ein ‚tiefere Wahrheit’ zu, eben die Potenzen aller Ich-Vertauschtheit und - Impulse fürs Erinnern.

  2. 970.

    Was für eine faszinierende Passage über die eigene Welt des Schlafs und den Moment des Erwachens beschreibt der Erzähler am Ende der Woche. Ich bin berührt und begeistert ob dieser phantasievollen Bilder, die treffender nicht sein könnten.

  3. 969.

    Lesung heute: eine Gelenkstelle des Romans?
    Proust nimmt das Thema ‚Wachen-Schlaf-Traum’ wieder auf. Im Doncières-Kapitel (Guermantes-I) hatte der Erzähler bereits über die Arten des Schlafes und das Aufwachen reflektiert und andere, aber ähnliche Metaphern zur Veranschaulichung gefunden. Einmal hieß es: „Ich erzähle das, weil man das Leben der Menschen nicht richtig beschreiben kann, wenn man es nicht auch in den Schlummer hinein verfolgt, von dem es Nacht für Nacht umspült wird wie eine Halbinsel vom Meer.“ Am Ende ging es um die „Drehscheibe des Erwachens“.
    In „La Raspelière“ war es dem Buffo-Paar Cottard vorbehalten, die Phänomene des Nickerchens nach guter Mahlzeit durchzuspielen. Dem Erzähler kam es so vor, als führten Voreingenommenheit und Interesse durchaus (Teil-)Regie bis ins Schlafverhalten der Arzt-Gattin hinein.
    Die wechselseitige Durchlässigkeit der „Wohnungen“ Wachsein und Schlaf wurde bereits im Hotelzimmer von Doncières intensiv beleuchtet.

  4. 968.

    III ‚Funktion’
    5) Die gesamte Szenerie im Salon erweckt den Eindruck, dass das ‚beabsichtigte Thema’ noch aufgeschoben wird. Zunächst nur Ambiente und Kulisse, gesellschaftliche Atmosphäre, Denk- und Redestereotype.
    6) Das ‚beabsichtigte Thema’? Wahrscheinlich das in der Szene Lauernde, eben ‚Sodom und Gomorra’, angedeutet in den Momenten, in denen Morel (> Charlus) und Albertine (> Erzähler) in den Blick geraten.
    7) Wichtig scheint Proust die Form zu sein: a) die erzählerische Zwischenphase eines ‚Anlaufens’ - ein ‚Durchatmen’ und ‚Aufsaugen’ von ‚Roh-Stoff’; b) in der sensiblen ‚Wiedergabe’ der Gespräche Darbietung einer ‚Tonkunst’ - Aufklingenlassen einer ‚Welt’, die sich ‚selbst aussprechen’, kenntlich werden soll (die Sprache verrät unmittelbar, was ein Kommentar nur umschreiben würde).

  5. 967.

    ... das groteske Pärchen mit den schief-starren Gesichtern - ein sprechendes Doppelbild.

    II Erzähler und Autor
    3) Der Erzähler lässt diese Gesellschaft als Reigen von Egoisten und Nervösen, voller Selbstbezüglichkeiten und Täuschungen vorüberziehen. Als Beobachter wahrt er Distanz und Ironie (dank der Hintergrundregie des Autors, der die Blickrichtungen steuert, indem er die Spiegel der Betrachtung ständig umarrangiert).
    4) Daneben Einschübe der Ernsthaftigkeit, den Erzähler betreffend – aber springend zwischen Erleben und Kommentar.
    E. bleibt s e i n e r Perspektive treu (die Tiefenschichten von Natur, Gesellschaft, Kunst wahrnehmen und in Bilder/Szenen transplantieren): siehe seinen Enthusiasmus (Höhenlage La Raspelière) , sein Kunst-Credo (Elstirs „innerer Garten“) - dazu der Blick auf die drei Adjektive der alten Mme Cambremer: ihr „Diminuendo“ als eigentümliche Vertikale der Umwertung - vgl. den Blick von der Höhe aufs Meer: Gletscher statt Gebirge.
    ...

  6. 966.

    Anmerkungen zum Roman-Abschnitt „La Raspelière“/ Mittwochskreis
    I Schauplatz
    1) Das Landhaus als Objekt der Rivalität zweier sozialer Aufsteigertypen (Mmes Cambremer-Legrandin u. Verdurin). Der „kleine Kreis“ der Verdurins muss beim Aufeinandertreffen mit den Cambremers und dem Neu-Gast Charlus die Rangordnung für den Abend neu ausfechten. Morel das heimliches Epizentrum.
    Dem Salon für ‚Progressivität’ wird der Spiegel vorgehalten, die Protagonisten selber in dauernder Spiegelfechterei und Ausstecherei, allg. Imponiergehabe. Jeder hat, wenn er seinen Nachbarn anspricht, zugleich andere im Visier.

    2) Facetten von Komik, Ironie; Satire bis hin zur Groteske in Proust’scher Kleinzeichnung:
    Zum Repertoire gehören Hampelmänner und bunte Hunde wie Saniette, Ski und der Norweger; Brichot und Cottard als Fermente der Unterhaltung. Alle wollen Treffer landen, den nächsten Stich machen usw.
    Großartig übrigens Mme V. und Marquis C. als ...

  7. 964.

    Jetzt reicht's mir für ein paar Tage (mindestens).

  8. 963.

    ... macht's Proust eben mit Haken und Ösen: Er lässt den Erzähler 'mitschwinmen' (Tischgespräche) und zugleich am 'Ufer' stehen. Involvierter und Beobachter - Dilemma oder Problem?
    Ich lese fragend so mit: (wie) passt's zusammen?

  9. 962.

    Also beharrlich mein alter Punkt: die Figur des Erzählers. Wie glaubwürdig?
    Auch wenn wir uns (vgl. Nr. 944) dem großen Fluss genießend überlassen wollen, ...

  10. 961.

    Donnerstag - Der Gesprächsfluss wird abgelöst durch Passagen nicht nur der Beobachtung, auch der Kommentierung (aus Distanz!) so v.a. über Charlus. Der Erzähler taxiert aufs intensivste den „Invertierten“ – so bohrend-wissend, dass ich mich frage, woher diese Erfahrung kommt. Dann springt er scheinbar wieder ins Gespräch und lässt doppeldeutig mit sich und seinen Erstickungsanfällen spielen.

  11. 960.

    ... tut mir leid - liefere notgedrungen Bruchstücke
    Freitag - Abgründige Komik pur, Proust schaut den Herrschaften aufs Maul. Und der Erzähler: mit am Tisch und als Beobachter am Rand. Frei von Erstickungsanfällen quält er sich mit Aussichten auf Verlobung und Heirat, das hörnchentunkende Kind sieht die Last des Erwachsenseins vor sich.

  12. 959.

    Unter den humoristischen Kabinettstückchen grandios die Beschreibung des Marquis Cambremer mit Augen und Nase vom Cotentin. Proust zieht bei der Charakterisierung der Protagonisten seine Landschaftsregister. Nebenbei reibt er uns eine ‚Theorie’ der Verwurzelung menschlicher Eigenheiten (ironisch) unter die Nase.

  13. 958.

    ... wieder blockiert ... rbb liest mit? und meldet sich eventuell?

  14. 957.

    Ortsnamenkunde doppelsinnig: einerseits Gesellschaftsspiel für die Geladenen, ob adlig oder bürgerlich, Stoff für wetteifernden small talk. Was steckt dahinter, täuschen Namen, wer dominiert beim richtigen Benennen? Schein und Oberfläche, Eitelkeit und Ambition regieren Tischgespräch und soziales Gebaren; man will einander ausstechen, übertrumpfen. Vor allem in Fragen von Geschmack und Distinktion. So ist die ‚Etymologie’ willkommener Zeitvertreib, unverbindlich durchzuspielen, was man meidet offen auszusprechen: dass der Schein zu wahren ist und dass der Schein trügt. Für den Erzähler aber zählt der Blick auf Geschichte und richtiges Benennen tatsächlich. Es ist ihm ernst, ihn interessieren Herkunft und Wandel.

  15. 956.

    Meine Kommentare (Größe unter 500 Z.) werden nicht angenommen - "wegen technischer Probleme" ...

  16. 955.

    Ich bin froh, dass Sie auf die Blicke aufs Meer bei der Ankunft in La Raspeliere hingewiesen haben. Mir fiel vor allem auf, wie er unmittelbar nach der Beschreibung der Horizontverschiebungen (horizontal/vertikal etc) an den Getreuen und Gästen der Verdurins vorführt, dass sich diese Perspektivverschiebung in der (gegenseitigen) Einschätzung der Personen spiegelt: je nach gesellschaftlichem Milieu (und alle beschriebenen sind auf ihre Weise ‚borniert‘) können diametral entgegengesetzte z.T. absurde (Fehl)einschätzungen entstehen. Ist das nicht heute auch so? Da genaue Beobachtung durch die normale Hektik unseres Alltags kaum mehr möglich ist, werden Menschen sogar noch schneller eingetütet und etikettiert, oft ihren Masken entsprechend, ebenso oft durch vermeintliche Demaskierung. In den letzten Folgen gab es außerdem Bedenkenswertes zur Neigung, sich selbst zu belügen.

  17. 954.

    "Fehler: Leider konnte Ihr Kommentar wegen technischer Probleme nicht erfasst werden. "

    Wer hat beim rbb den Schraubenzieher, der die Blockade löst ?

  18. 953.

    Fazit: nur Kürzest-Texte werden transportiert - schade ...

  19. 952.

    ... letzter Versuch heute ...