Brendan Simms: "Die Briten und Europa. Tausend Jahre Konflikt und Kooperation"
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Sachbuch - Brendan Simms: "Die Briten und Europa. Tausend Jahre Konflikt und Kooperation"

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In seinem fesselnden Ritt durch 1000 Jahre der Beziehungen zwischen den Briten und Europa konzentriert sich der irische Cambridge-Professor (mit deutscher Mutter) auf die Außenpolitik und den Verfassungsrahmen. Der geographischen Tatsache, dass England eine Insel ist, kann er nicht widersprechen. Aber die Geschichte der Briten versteht er - anders als manche seiner Kollegen - nicht als Inselgeschichte.

"Meiner Ansicht nach ist die Geschichte Englands und später Großbritanniens vornehmlich eine kontinentale Geschichte. Ihr Verlauf wurde hauptsächlich durch die Beziehungen zum übrigen Europa geprägt und weniger durch diejenigen zur weiten Welt außerhalb Europas."

Brendan Simms

Durch das Buch zieht sich eine Rolle, die London im Laufe der Jahrhunderte immer wieder einnehmen musste, vor allem zur Wahrung der eigenen Interessen: Immer wieder griffen die Briten auf dem Kontinent ein, um ein Gleichgewicht der Kräfte herzustellen oder wieder herzustellen. Immer wieder galt es, Herschaftsansprüche einer kontinentalen Vormacht zurückzudrängen: gegen Frankreich, gegen Spanien, dann wieder gegen Frankreich, dann war das zaristische Russland der Hauptgegner und schließlich, in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, das Deutsche Reich. Es waren die Briten, die Hitler - aus scheinbar aussichtsloser Lage heraus - stoppten. Jetzt sieht Simms wieder Russland als Hauptgegner. 

Die Kernthese

Eine Kernthese von Brendan Simms lautet also: "Kontinentaleuropa hat vor 1945 versagt, und die heutige Europäische Union versagt nur etwas weniger. Im Unterschied zu buchstäblich allen anderen Staaten Europas, die eine Zeitlang besetzt oder geteilt wurden, und dies häufig mehrmals, waren England und das Vereinigte Königreich, mit kurzen Unterbrechungen, nie bloß Objekt, sondern stets ein Subjekt europäischer Politik."

Gehandelt nicht behandelt

London hat also Dinge auf dem Kontinent geordnet, hat gehandelt und wurde nicht behandelt. Jetzt aber wird es in den Augen vieler - häufig älterer - Briten von Brüssel behandelt, und zwar schlecht. Schlecht, weil die EU auch nach dem Brexit in die britische Politik eingreifen würde durch die weitreichenden Folgen der "backstop"-Regelung. Simms erklärt, dass Theresa May den "backstop" akzeptierte, weil sie negative Auswirkungen durch die später auszuhandelnden Wirtschaftsbeziehungen auszugleichen hoffte.

Ihm ist aber auch klar, dass das Unterhaus dem nicht folgen konnte: "Unterdessen wurde der "backstop" immer stärker in Frage gestellt, da seine Folgen für die Souveränität des Vereinigten Königreichs immer deutlicher erkennbar wurden. In Bezug auf Nordirland blieb die EU unerbittlich und beanspruchte dort auch für die Zeit nach dem Brexit Ordnungsrechte. Großbritannien schien isoliert zu sein."

Raus aus der EU, aber nicht raus aus Europa

Für Simms bedeutet der Brexit - den er offensichtlich befürwortet - zwar raus aus der EU, aber nicht raus aus Europa. Beide Seiten sollten sich besinnen, dass sie auch künftig einander brauchen. Insbesondere, so Simms, braucht Europa weiterhin Großbritannien, das weiterhin eine bedeutende wirtschaftliche und militärische Macht ist. Eine wirksame europäische Sicherheitspolitik ohne  Großbritannien ist nicht vorstellbar.

Eine moderne Form des alten Heiligen Römischen Reichs

Das Vereinigte Königreich sieht Simms längst dort, wo die EU eigentlich einmal hin wollte. Es ist eine übernationale Union von Nationen,  während die EU sich noch im Stadium einer zwischenstaatlichen Konföderation von Nationalstaaten befindet. Und daran scheint sich derzeit auch nicht viel zu ändern. Die EU sieht Simms "...als moderne Form des alten Heiligen Römischen Reichs ..., die vielleicht glücklos und aufdringlich, aber nicht bösartig ist."

Ein mögliches Scheitern des europäischen Projekts hält er für katastrophal, für den Kontinent und für die Briten.

Eckhard Stuff, kulturradio

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