Daniela Krien: "Die Liebe im Ernstfall"
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Belletristik - Daniela Krien: "Die Liebe im Ernstfall"

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Von der Schwierigkeit, die Freiheit auszuhalten: Fünf exemplarische Porträts von Frauen um die 40.

Fünf Frauen. Paula, Judith, Brida, Malika, Jorinde, sie leben in Leipzig und führen ein scheinbar sicheres Leben - doch angekommen ist keine so richtig. Da gibt es diese Sehnsucht nach Familie oder zumindest Zweisamkeit, nach Beständigkeit. Doch die Liebe, von der die Leipziger Autorin Daniela Krien hier erzählt, ist "Die Liebe im Ernstfall". Die Paare in diesem Buch haben es nicht leicht. Sie verlassen sich, misstrauen sich, verletzen sich, sie verschweigen, gehen fremd oder offenen Auges in die Krise.

Die Suche nach dem richtigen Leben

"Die Liebe im Ernstfall" ist ein kluges soziologisches Porträt der Gegenwart. Krien stellt die Kardinalfragen einer Frauengeneration um die 40. Wofür lohnt es sich zu bleiben? Wann ist der richtige Zeitpunkt zu gehen? Gibt es Beständigkeit? Wie lebe ich das richtige Leben? Wie schafft man es alleine zu leben, ohne verrückt zu werden?

Eine Buchhändlerin fasst nur sehr langsam wieder Lebensmut, als sie nicht nur eine Scheidung, sondern den plötzlichen Kindstod ihrer zweiten Tochter verkraften muss. Eine erfolgreiche Ärztin lebt ein selbstbestimmtes Singleleben und sucht auf Internetdatingportalen nach Männern. Eine Schriftstellerin ist von ihrem Mann getrennt, weil sie ihre Bedürfnisse nach Unabhängigkeit ernst genommen hat, doch eigentlich liebt sie ihn immer noch und wird zu seiner Geliebten.

Generationen von Frauen vor ihnen

Fünf Kapitel hat Daniela Krien ihrem Buch gegeben, jedes trägt den Namen einer Frau. Ein biographischer Reigen, denn die Leben der Figuren berühren sich an der einen oder anderen Stelle – die Buchhändlerin ist mit der Ärztin befreundet, die Schriftstellerin wiederum eine ihrer Bekannten. Fünf exemplarische Biographien, die demonstrieren, wie schwer es ist, die Freiheit auszuhalten. An einer Stelle denkt die Schriftstellerin Brida an die Generation der Frauen vor ihr, für die die Wege "enger und vorgezeichneter gewesen" waren, "sie kamen ihr plötzlich glücklicher vor. Niemals hatten sie in der Illusion gelebt, ihr Leben gestalten zu können."

Daniela Krien gelingt es dabei, hochexistenzielle Fragen nicht pathetisch zu verhandeln, sondern in einem eigenen, lebensklug-lakonischen Rhythmus, der nicht auf ambitionierte Sprache, sondern auf treffende psychologische Analysen setzt. An einer Stelle erinnert sich die Schriftstellerin Brida an die Kommilitonen am Literaturinstitut, die vor allem auf den Stil setzten, weil es ihnen "an Lebensklugheit und Menschenkenntnis" gemangelt habe. In diesem Buch ist es – zum Glück - genau andersherum.

Anne-Dore Krohn, kulturradio

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