Tadeusz Dąbrowski: "Eine Liebe in New York"
Schöffling & Co.
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Roman - Tadeusz Dąbrowski: "Eine Liebe in New York"

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Eine erste Begegnung in der New Yorker U-Bahn und ein paar leidenschaftliche Nächte verbinden einen polnischen Dichter mit der amerikanischen Architektin Megan. Vor ihrer Abreise nach Kanada übergibt sie ihm ein Buch. Das ist alles was von ihr bleibt. Denn Megan ist nicht mehr erreichbar. In dem Buch wird eine Geschichte erzählt, die dem Dichter nicht ganz unbekannt vorkommt.

"Eine Liebe in New York" ist exakt das, was der Titel verspricht: Liebesgeschichte und New York-Roman. Der polnische Lyriker Tadeusz Dabrowski untersucht in seinem ersten, schmalen Roman, an dem er mehr als 15 Jahre gearbeitet hat, wie das Begehren entsteht und was es in einer Person anrichten kann, wenn Lust und Selbstvernichtung dicht beieinander liegen. Der Roman ist so offenkundig autobiographisch, dass man fast fürchtet, der Autor habe da eine Falle gebaut. Sein Ich-Erzähler heißt Tad, ist polnischer Lyriker und zu Beginn  der Geschichte auf dem Weg zu einer Lesung seiner Gedichte in Manhattan, zu der auch die rätselhafte, sich mehr verbergende als erscheinende Megan kommt, eine Zufallsbegegnung aus der U-Bahn. Die beiden prallen aufeinander, und je mehr sie sich entzieht und – nach einer ersten, leidenschaftlichen Liebesnacht – für Wochen verschwindet, umso stärker ist Tad von ihr besessen.

Die Liebe ist ein Spiel

Dabrowski inszeniert diese existentielle, sexuelle Episode als Clash der Kulturen. West meets Ost, und wenn Tad polnisch tiefgründig lieben will und zugleich als Dichter immer auch den sprachlichen Ausdruck dazu sucht, ist Megan eine Repräsentantin der New Yorker künstlerischen Boheme. Sie arbeitet als Architektin, hat mehrere Liebhaber und führt eine flüchtige, kaum greifbare Existenz. Gerade die Fremdheit zwischen ihnen ist Bedingung der Anziehungskraft. Die Andere ist das Rätsel schlechthin und als solches unwiderstehlich.

Dabrowski spürt dem Moment nach, in dem es ihn aus der Bahn geworfen hat und sein Leben eine andere Richtung nahm. "Kann man sich in ein neues Leben einfädeln, wie man sich in den Straßenverkehr einfädelt, um zu schauen, wo es einen hinführt?" fragt er. Ihm ist sehr wohl klar, dass die Liebe ein Spiel ist, auf das man sich einlässt, wohl wissend, das man das Lieben immer auch ein bisschen spielt, bis Spiel und Wahrheit nicht mehr zu unterscheiden sind. Aber er spielt das Spiel bis zum Ende, wenn daraus ein Machtkampf wird, wer wen stärker vermisst und sich zuerst zu seiner Sehnsucht bekennt.

Psychologisches Bewältigungsprosa

Dass "Eine Liebe in New York" der Debütroman eines Lyrikers ist, merkt man daran, dass Dabrowski eine Vorliebe für starke Metaphern hat, die, auch wenn sie meistens gelungen sind, doch insgesamt zu aufdringlich wirken. Dass es sich bei diesem Buch um psychologische Bewältigungsprosa handelt und den Versuch über eine traumatische Liebeserfahrung hinwegzukommen, stört dagegen überhaupt nicht. Es gibt diesem Bericht vielmehr seine Spannung und seine Dringlichkeit. Dabrowski versucht, sich von sich selbst wegzuschreiben, indem er sich als Figur aufs Papier setzt. Sein Alter Ego lässt er sagen: "Entsetzt von meinem Spiegelbild im Gedicht kämpfe ich um mein nichtliterarisches Selbst. Und so, indem ich mich von dem Selbst im Gedicht entferne, rette ich zugleich den Text, der zu meiner Erleichterung Fiktion wird." Ihn auf diesem Weg durch New York und zurück nach Danzig zu begleiten, wo Dabrowski lebt, ist ein intensives, beängstigendes Leseabenteuer.

Jörg Magenau, kulturradio

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