Ulla und Heiner Pietzsch: "Was bleiben wird, ist die Kunst"
Edition Braus Verlag
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Sachbuch - Ulla und Heiner Pietzsch: Was bleiben wird, ist die Kunst

Bewertung:

Der Schwerpunkt des Buches liegt tatsächlich auf den Menschen, die diese Kunst gesammelt haben und nicht auf der Kunst selbst ohne die es aber natürlich auch nicht geht.

Heiner Pietzsch und auch seine Frau Ulla erzählen in Gesprächen mit Anne Richter aus ihrem Leben und da erwachsen zwei Menschenleben zunächst in der Nachkriegszeit, dann die privaten, beruflichen und geschäftlichen Anfänge. Bis heute, und dann eben die bestimmten Stellen, wo die Kunst in Spiel kam. Zunächst aber erfährt man ganz viele spannende Dinge aus einer Ost-West-Deutschen Nachkriegsgeschichte.

Heiner Pietzsch

Das Kunstsammeln fängt bei beiden vollkommen unspektakulär an und so schnell deutet nichts auf diesen Weg. Heiner Pietzsch wird 1930 in Dresden geboren, erlebt die Zerstörung der Stadt 1945, nach dem Krieg soll er Elektriker werden, was ihm keinen Spaß macht, interessiert sich aber mehr für Fußball. Es gibt bei ihm ein erstes Erlebnis, das vielleicht prägend war: 1946 gab es eine Ausstellung "Die erste Allgemeine Deutsche Kunstausstellung in Dresden". Sie war eine der ersten Ausstellungen nach dem Ende der Nazizeit, auf der viele Künstler, die als "entartet" galten, ihre Arbeiten wieder in der Öffentlichkeit präsentieren konnten. Pietzsch erzählt, dass er dorthin sechs- oder siebenmal gegangen sei, sein erster Kontakt zur Kunst. Aber eigentlich sind seine 50er und 60er Jahre wesentlich bestimmt durch berufliche und geschäftliche Entwicklungen und die führten ihn von der Staatlichen Plankommission in Ostberlin, dem Deutschen Innen- und Außenhandel schließlich zu eigenen Firmen und Geschäftsfeldern, insbesondere Kunststoffplatten. Deshalb sein bekannter Satz, dass er immer mit Kunst zu tun hatte: mit Kunststoffplatten verdiente er das Geld, mit dem er Kunst kaufte.

Ulla Pietzsch

Seine Frau Ulla stammt aus Berlin-Karlshorst, lebte dann mit ihrer Familie in Mahlsdorf, war zunächst auch im Deutschen Innen- und Außenhandel beschäftigt und lernte ihren späteren Mann 1954 auf einer Leipziger Frühjahrsmesse kennen.

Auch bei ihr dreht sich am Beginn nicht viel um die Kunst, sie ist eher an Mode interessiert, steigt dann an seiner Seite in die Geschäfte ein. Anfang der 60er Jahre wird dann ein erstes Bild von Gerhard Altenbourg gekauft und dann ein Francis Bacon. Interessant dabei ist, wie zunächst vielleicht wirklich intuitiv und auch naiv beide an diese Kunstkäufe herangehen, wie sie sich im Laufe der Zeit erst mit Kunstgeschichte, mit Kunststilen usw. beschäftigen. Und vor allem, wie daraus dann eine Sammlung von Rang wird. Da fällt dann auch schon mal der Satz, man solle nur kaufen, was man selbst in der Wohnung haben wolle. Am Ende ist Heiner Pietzsch vor allem kunsthistorisch vorgegangen, seine Frau ästhetisch und mitunter intuitiv, in Kombination mit dem vorhandenen Geld ist etwas Tolles entstanden. Die Form der meist lockeren und thematisch auch mal springenden Gespräche in dem Buch übrigens trägt viel dazu bei, beider Leben und Sammeln übrigens nicht zu sehr konzeptionell zu überfrachten und zu theoretisieren.

Am Ende des Buches kommt die Sprache natürlich auch auf den geplanten Museumsneubau. Da verlief ja zwischen den Schenkern und Berlin nicht immer alles gut …

Und da wird es schon auch eher wehmütig bis pessimistisch. Heiner Pietzsch, der im Juni 89 Jahre alt wird, meint deutlich frustriert, dass er wohl die Eröffnung des Neubaus nun nicht mehr erleben werde, da der erste Spatenstich für Ende 2019 vorgesehen sei. Für Heiner und Ulla Pietzsch, die so enthusiastisch Kunst gesammelt und dann geschenkt haben, ein eher trauriges Resümee, vor allem ist es beschämend für die Verantwortlichen!

Danuta Görnandt, rbbKultur

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