Buchcover: Vivian Gornick: Ich und meine Mutter
Penguin
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Roman - Vivian Gornick: "Ich und meine Mutter"

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Die amerikanische Autorin erinnert sich an Kindheit und Jugend in der Bronx inmitten einer weiblichen jüdischen Nachbarschaft - und an das komplizierte Ver­hältnis zu ihrer dominanten Mutter.

Vivian Gornick erzählt in diesem (vor 30 Jahren in Amerika erschienen) autobio­gra­phi­schen Buch auf zwei Ebenen von Nähe und Distanz zur Mutter: Sie berichtet von den Spa­ziergängen, die sie mit der Hochbetagten regelmäßig in Manhattan unternimmt und von ihrer Kindheit und Jugend neben und bei dieser aus einfachen Einwanderer-Verhält­nissen stammenden Frau, die sich stets für etwas Besseres hielt, die mit Entschiedenheit ihre Nachbarinnen im Zaum hielt, - und die ihr ganzes Leben unter einen einzigen Stern stellte – dem der Liebe zu und von ihrem Ehemann.

Der war gestorben mit Anfang 50, als die Autorin 13 war. Ihre Mutter war da Mitte 40 und lebte fortan als exzentrisch trauernde Witwe, auf die alle, vor allem die Tochter Rücksicht nehmen mussten.

Eine Barriere bleibt

Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter war und ist kompliziert, denn die Erwar­tungen und Enttäuschungen verändern sich nicht. Die Tochter geht zwar mit Unter­stütz­ung der Mutter aufs College, wird dann aber nicht – wie gewünscht - Lehrerin.

Sie ent­spricht überhaupt nie den mütterlichen Erwartungen, erst heiratet sie aus Trotz einen Nicht-Juden, später hat sie eine langjährige Affäre mit einem verheirateten Mann. Niemals lobt die Mutter die Tochter, stets bleibt eine Barriere zwischen ihnen, die erst am Ende für kurze Augenblicke verschwindet, wenn sie es etwa schaffen über ihre Abtreibungen zu sprechen.

Zwei höchst unterschiedliche weibliche Biographien

"Ich und meine Mutter" ist ein eindrucksvolles und ungewöhnliches Buch. Im Zentrum stehen zwei höchst unterschiedliche weibliche Biographien, die sich ähnlicher sind als die Protagonistinnen das wahrhaben wollen.

Weder die eine noch die andere erfüllt das jeweilige Wunschbild. Die Tochter erinnert sich an die attraktive nicht-jüdi­sche Nach­barin, deren Kapital allein in ihrer erotischen Ausstrah­lung lag, an die verwirrte Mutter ihrer besten Freundin. Das waren Frauen, die ihr mehr Eindruck machten als die eigene Mutter.

Es geht um die mädchenhafte Bewunderung für den hübschen Sohn einer begü­terten Familie, mit dem sie Jahrzehnte später eine heftige und komplizierte Affäre hat, bevor er zum orthodoxe Rabbi wird.

Im Zentrum der Selbstbefragung stehen die Liebe und die Fragen: Wie kann man mit einem Mann zusammenleben, welchen Preis zahlt eine Frau für ihre Unabhängigkeit und welchen zahlt sie für die Abhängigkeit.

Die Fröste der Freiheit

Die Autorin ist eine kluge Interpretin eigener Entscheidungen und Unfähigkeiten, sie weiß, dass sie sich von den mütterlichen Erwartungen nie freimachen kann, auch wenn sie alles dafür getan hat, nicht zu werden wie ihre Mutter.

Ein Buch über das komplizierte Verhältnis zur Mutter, aber auch eines über die "Fröste der Freiheit", mit denen die um Selbstständigkeit und Eigensinn ringende Frau leben muss.

Manuela Reichart, rbbKultur

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